446 O. H. L.: Unterseekrieg und Friedensangebot. z,.A>»g«st. uns auch der A-Boot-Krieg nichts; bricht Österreich-Ungarn zusammen, so weiß ich nicht, ob wir weiteren Widerstand leisten können. Eine end- gültige Entscheidung scheint daher auch mir erst nach Klärung der militä- rischen Lage möglich." Auch General Ludendorff machte die Entscheidung von dieser ab- hängig. Gelinge ein Schlag gegen Rumänien, so werde er zum unein- geschränkten Unterseekrieg raten müssen, aber auch dann erst, wenn er „noch genügend Kräfte zur Verfügung hätte, um allen Eventualitäten gewachsen zu sein". Zunächst sei die Frage zu klären, ob wir stark genug seien, um überall standhalten zu können^). Der Generalfeldmarschall nahm für diese Klärung eine Frist von 8 bis 14 Tagen in Aussicht; jetzt sei eine Cnt- scheidung nicht möglich; er werde den Zeitpunkt mitteilen. Als Ergebnis dieser Besprechung blieb bei der Obersten Heeresleitung der Eindruck, daß es in erster Linie von ihr abhänge, ob und wann der uneingeschränkte Anterseekrieg beginnen solle. Das zeigt ein späteres Telegramm des Generalseldmarschalls an den Reichskanzlers, in dem es hieß: Euere Exzellenz sprachen sich damals „meines Erachtens dahin aus, daß die Entscheidung/ ob der verschärfte U-Voot-Krieg geführt werden solle, zunächst der Obersten Heeresleitung zufalle. Euere Exzellenz behielten sich nur vor, die Bundesgenossen zu hören und etwaige vertragliche Festsetzungen mit anderen Nationen zu kündigen. Reichstagsmitgliedern gegenüber wollten Euere Exzellenz gleichfalls die Verantwortlichkeit der Obersten .Heeresleitung in der A-Boot-Frage betonen." s.September. Am 9. September ließ Admiral von Holtzendorff durch seinen Vertreter im Großen Hauptquartier, Kapitän zur See von Vülow, die Frage des Anterseekrieges bei General Ludendorff aufs neue zur Sprache bringen und eine Denkschrift vorlegen, die die Annahme des Kanzlers zu widerlegen suchte, daß bei uneingeschränktem Anterseekrieg mit Holland und Dänemark als neuen Gegnern zu rechnen sei. Demgegenüber betonte General Ludendorf st), er könne die Auffassung des Kanzlers „nicht auf Grund einer anderen Vermutung ignorieren. Dann käme er aber zu dem Ergebnis, daß wir vorläufig die erforderlichen Kräfte nicht hätten. ... Erst wenn er die Sicherheit hätte, daß alle unsere Fronten hielten, könne er »Ja« sagen und würde es dann mit Freuden tun. Cr habe bei seinen ») Vgl. S. 3. 2) Telegramm vom 5. Okt. 1916, abgedruckt in Unters. Aussch. Beil. 166. 3) Nach dem Bericht des Kapitäns z. S. von Vülow an Adm. von Holtzendorff vom 10. Sept. 1916, abgedruckt bei Ludendorff, „Urkunden", S. 392 f., sowie in Unters. Aussch. Beil. 159.