Besprechung über Anterseekrieg in Pleß. 445 gerückte Lage an der österreichisch-ungarischen Front einigermaßen ge- klärt sei. Nach Vorbesprechungen fand am 31. August in Pleß eine ge- Zi.August, meinsame Aussprache aller an der Frage Beteiligten statt'). Dabei forderten die Admirale von Capelle und von Holtzendorff, gestützt auf eine „Denkschrift über die Schiffsraumfrage und die Versorgung Englands im Jahre 1916", mit Nachdruck den sofortigen Beginn des uneingeschränkten Unterseekrieges, denn, so sagte letzterer: „Wir haben es in der Hand, bis Jahresende Englands Kriegswillen zu brechen." Dem- gegenüber warnten die Staatssekretäre von Iagow und Dr. Helfferich vor den Folgen des Unterseekrieges in uneingeschränkter Form. Sie wollten alles vermieden sehen, was das Eingreifen Amerikas auf feiten der Entente herbeiführen könne. Staatssekretär von Iagow wies darauf hin, wie schwer es andernfalls sein würde, überhaupt zu einem Frieden zu kommen. Dr. Helfferich gab wohl zu, daß die Lage bei uns und in England die Aufnahme des uneingeschränkten Unterseekrieges jetzt aus- sichtsreicher erscheinen lasse als vor einem Jahre oder im Frühjahr, als wir mit Verpflegung besonders knapp waren. Er hatte aber Zweifel, ob die in Aussicht gestellte Vernichtung von Schiffsraum für die erstrebte Wirkung ausreichen werde. Er war „nicht überzeugt, daß England Physisch auf den Boden gezwungen" werden könne. Mit England zusammen aber könne Amerika auf die Neutralen den stärksten Druck zum Anschluß an die Entente ausüben. „Da Dänemark und Holland auf die Zufuhr über See an- gewiesen sind", so fuhr er fort, „können sie gar nicht widerstehen. Wir haben dem kein Druckmittel entgegenzusetzen ... Ich sehe in der Anwen- dung der U-Boot-Waffe heute nur die Katastrophe. Ein Mittel, das uns aus einer schweren Lage in eine noch schwerere bringt, ist nicht tauglich, wenn wir kein Gegenmittel haben, um die nachteiligen Wirkungen aus- zuschalten." Der Kanzler selbst teilte die Bedenken der Staatssekretäre von Iagow und Dr. Helfferich. Cr vertrat im übrigen den Standpunkt, daß für die Entscheidung der Frage des U-Boot-Krieges die Einschätzung der militärischen Lage durch die Oberste Heeresleitung wesentlich sein müffe. Nach Ansicht des Generalfeldmarschalls, mit dem er eine Vor- besprechung gehabt habe — sagte er —, „kann eine Entschließung weder pro noch contra, gefällt werden, solange die militärische Situation infolge des Eingreifens Rumäniens sich nicht übersehen läßt... Sollten wir einer ungünstigen Entwicklung des rumänischen Krieges entgegengehen, so nützt >) Protokoll der Besprechung s. „Beilagen zu den Stenographischen Berichten iiber die öffentl. Verhandlungen des Untersuch.-Ausschusses", Nr. 158 (S. 17» ff.).