444 O. H, £.: Unterseekrieg und Friedensangebot. l4.A«g»st. nicht so groß, daß dadurch der Bruch mit Amerika gerechtfertigt würde. Diesen könne die Oberste Heeresleitung nur verantworten bei Erklärung des uneingeschränkten Unterseekrieges gegen England überhaupt. Auf Grund dieser Stellungnahme entschied der Oberste Kriegsherr am 14. August gegen die Erklärung der Kanal-Sperre. 28. A«g«st. ZZei Eintritt Rumäniens in den Krieg, am 28. August, kam General von Falkenhayn auf die Forderung des uneingeschränkten Unterseekrieges zurück. Die Lage schien ihm insofern verändert, als Nachrichten vorlagen, daß England die Absicht habe, seine Handelsschiffe zu bewaffnen und ihnen die Weisung zu geben, feindliche Kriegsschiffe anzugreifen. Hiernach sei, wie General von Falkenhayn an Reichskanzler und Chef des Admiralstabes drahtete, die Möglichkeit gegeben, ohne Verzug zum rücksichtslosen Unter- seekrieg überzugehen, ohne daß Amerika Veranlassung zum Eingreifen habe: „Amerika kann jetzt Forderung nicht mehr aufrechterhalten, daß im Kriegs- gebiet Handelsschiffe, ehe sie angegriffen werden, untersucht werden müssen." Admiral von Holtzendorsf nahm diesen Gedanken sofort auf. Inzwischen waren Generalfeldmarschall von Hindenburg und General Ludendorff an die Spitze der Obersten Heeresleitung ge- treten. Für sie war die zunächst zu lösende Führungsaufgabe klar gestellt: Es galt, die rumänische Gefahr abzuwenden sowie dem Ansturm der russi- schen und franzöfisch-englischen Heere standzuhalten. Schwieriger war es, zu entscheiden, auf welchem Wege der Krieg zu einem glücklichen Ende geführt werden könne. Bei den hierüber angestellten Erwägungen standen wie bisher zwei Probleme im Vordergrund: der Versuch, zu Friedens- Verhandlungen zu kommen, und die Durchführung des uneingeschränkten Unterseekrieges. Diese Fragen standen in Wechselbeziehung zueinander. Mißglückte der Friedensschritt, so blieb als letzter Einsatz nur noch der Unterseekrieg. In seinen „Kriegserinnerungen"') schrieb General Luden- dorff, daß die Aussichten sür das kommende Kriegsjahr 1917 überaus ernst gewesen seien; bei den bestehenden Stärkeverhältnissen sei an eigenen An- griff nicht zu denken gewesen. „Wir mußten unsere Kräfte für die Abwehr • verfügbar halten." Da auf diese Weise der Krieg nicht siegreich zu be- enden war, „so gewannen für uns die Friedens- und die U-Boot-Frage eine außerordentliche Bedeutung". Grundsätzlich waren der Generalseldmarschall und General Ludendorff ebenso wie vorher General von Falkenhayn für Wiederaufnahme des unein- geschränkten Unterseekrieges. Sie hielten es aber für erforderlich, zu warten, bis die durch Rumäniens Kriegserklärung völlig ins Ungewisse -) S. 242 f.