Die letzten Kämpfe. — Abgabe von Truppen. 385 hinausgehe und wir Menschen und Munition schonen". Im übrigen be- urteilte sie in Übereinstimmung mit dem Oberbefehlshaber Ost die Verhält- nisse an der Ostfront dahin, daß „trotz Wegziehens ganz erheblicher russischer Kräfte doch immer noch mit ernstesten Angriffen an den verschiedensten Stellen gerechnet werden müsse". Vor der ö.-u. 4. Armee nahm man, eher zu niedrig als zu hoch, immer noch sechs bis sieben Korps an. Abgesehen von den erwähnten deutschen Unternehmungen, war An- fang November an der ganzen Front auch in den am heftigsten umkämpften Abschnitten der Heeresgruppe Linsingen Ruhe eingetreten. Nur bei der Südarmee dauerten örtliche Kämpfe noch weiter an, bei denen sich am 30. November der Gegner im Angriff gegen das türkische XV. Korps noch einmal größere blutige Verluste holte. Am 10. November fand eine Besprechung der General - io. November, stabschess des deutschen und österreichisch-ungari- schenHeeresin Pleß statt, zu der auch der Generalstabschef des Ober- befehlshabers Ost, Oberst Hoffmann, zugezogen wurde. Es handelte sich vornehmlich darum, was geschehen solle, wenn der vermutete Abtransport weiterer russischer Kräfte nach Süden sich bestätige. Bereits seit Oktober hatte sich die Heeresgruppe Vöhm-Crmolli mit dem Gedanken eines An- griffs in der Richtung über Tarnopol befaßt. Die Möglichkeit, dadurch die Operationen an der rumänischen Front zu unterstützen und zugleich den Russen erobertes österreichisches Gebiet zu entreißen, schien in demselben Maße zu wachsen, wie sich der Gegner nördlich der Karpaten schwächte. Diese Pläne mußten aber einstweilen zurücktreten gegenüber der Frage, welche Truppen, auch österreichisch-ungarische, der Oberbefehlshaber Ost weiterhin ohne Austausch abgeben könne und welche Divisionen noch für den Austausch nach dem Westen geeignet seien. Das Ergebnis war, daß im Laufe des Monats November noch vier Divisionen gegen solche aus dem Westen ausgetauscht wurden. Der Eindruck, daß auch beim Gegner weitere Abtransports stattfänden, gestattete Anfang Dezember, weitere Dezember, fünf Divisionen gegen nur zwei abgekämpfte aus dem Westen abzugeben. Mehrfach merkliche Steigerung des feindlichen Artilleriefeuers sowie Vor- fühlen stärkerer russischer Iagdkommandos und einzelner Kompanien be- zweckte anscheinend lediglich Beunruhigung und Erschwerung der zahl- reichen im Gange befindlichen Ablösungen. Mitte Dezember war der Oberbefehlshaber Ost der Auf- saffung, daß russische Angriffsabsichten zur Zeit nirgends beständen, außer in der Gegend von Mitau, wo auf Grund wiederholter Gefangenenaus- sagen mit solcher Möglichkeit noch gerechnet werden mußte. Als General Ludendorff um diese Zeit zur Bindung russischer Kräfte einen Angriff Weltkrieg. XI. Band. 26