30 Die neue Oberste Heeresleitung. 18. Ottober, führte zu dem Ergebnis, daß die Kundgebung der Mittelmächte in Polen baldigst erfolgen solle; in beiden Generalgouvernements sei dann sogleich mit Truppenwerbungen zu beginnen; die polnische Wehrmacht sollte einem deutschen General unterstellt werden. Andererseits sollte das inzwischen gebildete „Polnische Hilfskorps" nicht aufgelöst werden, da auf seinen Ein- sah an der Front nicht verzichtet werden konnte; es sollte aber bei Ein- gliederung in die künftige polnische Wehrmacht durch den Kaiser von Hster- reich seines Eides entbunden werden und aus dem österreichisch-ungarischen Heere ausscheiden. Daraufhin wurde am 5. November von den General- gouverneuren in Warschau und Lublin feierlich verkündet, daß die ver- bündeten Monarchen beabsichtigten, aus den von der russischen Herrschaft befreiten polnischen Gebieten einen selbständigen Staat mit erblicher Monarchie und konstitutioneller Verfassung zu bilden. Die genaue Ve- stimmung der Grenzen bleibe vorbehalten. Eine polnische Wehrmacht solle gebildet werden; deren Organisation, Ausbildung und Führung werde im gemeinsamen Einvernehmen ihre Regelung finden. Die von der Proklamation erwartete Wirkung trat nicht ein. Der s. November, am 9. November in beiden Generalgouvernements erlassene Werbeaufruf brachte nur geringe Ergebnisse, und in den folgenden Wochen zeigte sich immer deutlicher, daß auf den erhofften Zustrom polnischer Wehrfähiger zum Kampfe gegen Rußland nicht zu rechnen war. Es blieb bei dem in das österreichisch-ungarische Heer eingegliederten Hilfskorps. C.Ausbau des Heeres und der Rüstung'). I. Bildung neuer Divisionen. Anmittelbar nach Übernahme ihres Amtes hatte die neue Oberste Heeresleitung den Kriegsminister, Generalleutnant Wild von Hohenborn, der bis dahin im Großen Hauptquartier weilte, veranlaßt, sich nach Verlin zu begeben, um persönlich die Leitung der Heeresverwaltung zu übernehmen. Damit war für den stellvertretenden Kriegsminister, General der Infanterie von Wandel, der sich um Erhaltung und Stärkung der Schlagkraft des Heeres größte Verdienste erworben hatte, kein Platz mehr. Sein Scheiden aus dem Amte war ein Verlust. Die dringendsten Maßnahmen zur Verstärkung der militärischen Kraft waren bereits vor der Besprechung in Eambrai^) eingeleitet worden. Sie ') Näheres werden die Sonderbände: „Kriegsrllstung und Kriegswirtschaft" bringen. — 2) S. 10 ff.