Der Ausbruch des Weltkrieges. 137 Die Zuspitzung der Verhältnisse nach dem Morde von Serajevo I«u «u. weckte in Vulg ari en die Hoffnung, daß es nunmehr an Serbien Ver- geltung üben könne. Am 24.Juli, am Tage nach Überreichung der öfter- reichisch-ungarischen befristeten Note in Belgrad, sprach es Deutschland gegenüber den Wunsch aus, dem Dreibund beizutreten. Um jeder weiteren Ausbreitung des Streites vorzubeugen und auch den Schein einer Vor- bereitung auf Krieg zu meiden, wurde der Antrag deutscherseits hinhaltend behandelt. Schon vorher war die Türkei mit ähnlichen Wünschen hervorgetreten, nachdem frühere Versuche, bei der Entente Anschluß zu finden, gescheitert waren. Sie hatte dann, als mit Rußlands Eingreifen gegen Österreich-Ungarn die Möglichkeit des großen europäischen Krieges näherrückte, am 28. Juli in Berlin einen Bündnisantrag gegen Rußland gestellt; er wurde ebenso wie der bulgarische behandelt. Erst nachdem durch die russische Gesamtmobilmachung der Krieg der Großmächte unvermeidlich geworden war, trat Deutschland aus dieser Zurückhaltung heraus. Das Streben der Reichsleitung ging jetzt dahin, sich Rumäniens zu versichern und die zwischen Bulgarien und Rumänien bestehenden Gegensätze zu über- brücken. Generaloberst von Moltke wünschte, möglichst die gesamte Stoß- kraft beider Staaten zusammen mit der der Türkei durch Bessarabie» gegen Rußland anzusetzen. Fraglich war dabei allerdings, ob die Vulgaren bereit sein würden, gegen ihren früheren Wohltäter Rußland zu Felde zu ziehen; für sie war Serbien der gegebene Feind, der Angriff gegen ihn schloß aber die Gefahr in sich, daß Griechenland als neuer Gegner auf den Plan trat. Am 2.August kam es zum Abschluß mit der Türkei, der I«li/A«g»st aber zunächst geheimgehalten wurde, da die Rüstung des Landes noch allzu große Lücken aufwies. Inzwischen hatte sich Italien für Neutralität entschieden, und Rumänien entschloß sich am 3. August zur gleichen Haltung. Einer bulgarisch-türkischen Offensive gegen Rußland war der Weg verlegt. Im übrigen hatten die bisherigen Verhandlungen gezeigt, wie stark die Gegensätze zwischen Rumänien und Bulgarien waren. Selbst wenn Rumänien doch noch zum Anschluß zu bewegen war, erschien es höchst zweifelhaft, ob es den Durchmarsch bulgarischer Truppen zu- lassen werde. Andererseits begann sich Englands Stellungnahme gegen die Mittelmächte aus dem Balkan fühlbar zu machen. Bulgarien, das Rumänen wie Griechen mißtraute, hielt sich zurück; die begonnenen Ver- Handlungen kamen nicht vorwärts. Ebenso ging es in der Türkei, die sich in äußerst schwieriger Lage sah. Sie hatte am 3. August bewaffnete Neutralität erklärt, unter deren Schutz fie die Mobilmachung durchführen und die Rüstung ausbauen wollte.