526 Die Operation des Oberbefehlshabers Ost gegen Wilna. Bis 8. Sep¬ tember. Litzmann vorschlug, seine drei nördlichen Divisionen auf das rechte Wilia- Ufer zu führen und, von Norden umfassend, auf Wilna vorzugehen, in vorderer Linie elf Divisionen von Druskieniki bis zur Wilia eingesetzt, aber außer Kavallerie, die den äußersten Nordflügel bildete, auch bereits drei Infanterie-Divisionen nördlich der Wilia. Ferner standen dicht südlich des Flusses bei Wilna nach rückwärts gestaffelt 4% Divisionen als Reserve, so daß es den Russen damals nicht schwer gefallen sein dürfte, dem deutschen Stoß nördlich der Wilia Halt zu gebieten. Die nächsten Tage brachten die Teilung der russischen Nordwestfront in Nordfront und Westfront, wobei die Lücke von Swenzjany der Nord¬ front zufiel. Ihr linker Flügel, die 5. Armee, sollte den rechten der West¬ front, die 10. Armee, bei Wilna nach Möglichkeit unterstützen. In Polen frei werdende Kräfte sollten der Nordfront als neue 2. Armee in den Raum von Swenzjany zugeleitet werden. Einstweilen aber war diese Maßnahme noch nicht durchgeführt, bei der 10. Armee nur eine einzige Division hinzu¬ gekommen. Dagegen hatten die noch in den letzten Augusttagen südlich der Wilia geführten deutschen Angriffe die Russen veranlaßt, ihren Schwer¬ punkt im Zurückweichen etwa in dem gleichen Maße nach Norden zu verschieben, wie das die deutsche 10. Armee durch ihre Umgruppierung getan hatte. So standen dieser Armee am 8. September, dem Vorabend ihres neuen Angriffs, südlich der Wilia auf fast 100 Kilometer breiter Front 15 russische Divisionen, drei der 1. und zwölf der 10. Armee gegenüber, während sie selbst in diesem Abschnitte (ohne die auf das nördliche Wilia- Ufer abrückende 76. Reserve-Division) nur über sieben, davon vier wenig angriffskräftige Divisionen verfügte. Nördlich der Wilia standen jetzt 4 y2,einschließlich der bis östlich Wilna gestaffelten Reserven 8% russische Divisionen zur Abwehr des Angriffs bereit, für den 10%, deutsche Divisionen bestimmt waren. Das war kein großer Kräfteüberschuß. Auch mußte die deutsche Führung gewärtigen, daß der Gegner weitere Verstärkungen heran¬ führen werde, während sie selbst nach der von der Obersten Heeresleitung getroffenen Entscheidung solche kaum noch in nennenswertem Umfang zu erwarten hatte, vielmehr darauf gefaßt sein mußte, daß ihr noch Kräfte entzogen wurden. Verstärkung der 10. Armee auf Kosten der Njemen- Armee, der zwei russische Armeen gegenüberstanden, hielt der Oberbefehls¬ haber Ost nicht für angängig. Um so dringender war es, daß man sich über Ziel und Art des Angriffs vollkommen klar wurde. Hierbei stand der Gedanke des unmittelbaren taktischen Sieges über den Feind nordwestlich von Wilna einerseits, der Wunsch tiefer operativer Um¬ fassung andererseits im Widerstreit. Um beides zu erreichen, wäre eine