502 Die Operation des Oberbefehlshabers Ost gegen Wilna. 11. September, die 37. Infanterie-Division unter Generalleutnant Freiherr von Hollen die Hauptlast des Kampfes zu tragen hatte. Da auch vor dem rechten Flügel der 10. Armee noch kein Nachlassen des russischen Widerstandes zu merken war, versprach sich der Oberbefehlshaber Ost von rücksichtslosem Durchstoß des linken Flügels dieser Armee in südöstlicher Richtung großen Erfolg. In dem Bestreben, die begonnene Operation zu einer wirklich entscheidenden auszugestalten, wandte er sich an die Oberste Heeresleitung und bat für zehn bis vierzehn Tage um das X. Armeekorps, das, aus Südpolen kommend, zur Abbeförderung nach dem Westen gerade bei Bialystok transportbereit stand. Als Ersatz bot er ein bis zwei Divisionen der 12. Armee an, die in vier Tagen bei Bialystok eintreffen könnten. Als dann am Abend des Tages die 12. Armee meldete, daß es ihr gelungen sei, auf dem Ostufer der Zelwianka festen Fuß zu fassen, und aus Fliegermeldungen und russischen Funksprüchen zu ersehen war, daß der Gegner vor der 8. Armee den Rückzug jetzt doch fortsetzen wolle, sah der Oberbefehlshaber Ost darin die Auswirkung der Amfaffungsbewegung der 10. Armee und wiederholte dringend seine Bitte an die Oberste Heeresleitung mit der Begründung: „Ich verspreche mir einen großen Erfolg davon, den Gegner in das Sumpf- und Seengelände östlich Wilna zu werfen. Will der Russe seine Armee retten, so muß er versuchen, von Dünaburg her dem linken Flügel der 10. Armee in Flanke und Rücken zu stoßen. Gegen diese Gefahr brauche ich eine tiefe Staffelung dieses Flügels, die durch das zeitlich richtige Ein¬ treffen des X. Armeekorps bei Kowno ganz natürlich erreicht würde." 12. September. Der Chef des General st abes des Feldheeres sah sich indessen außerstande, diesem Antrage zu entsprechen, da die Gefahr eines neuen großen Durchbruchsversuchs der Feinde an der Westfront be¬ denklich gewachsen war1). Cr betonte, daß sich die Oberste Heeresleitung den angeführten Gründen nicht verschließe. Indessen würde die allgemeine Lage durch die erbetene Maßregel so ungünstig beeinflußt werden, daß Seine Majestät sich zu ihr nicht habe entschließen können. Auch würde das Korps, da es nur mit 12 bis 14 Zügen täglich von Bialystok abbefördert werden könne, geschloffen nicht vor Ende des Monats in der Gegend süd¬ westlich von Dünaburg bereit sein und nicht vor Mitte Oktober wieder verfügbar werden. Solange würden aber „die Operationen hier im Osten mit den bisher dafür verwendeten Kräften2) leider überhaupt nicht fort¬ geführt werden dürfen". Anabhängig von diesem Telegrammwechsel wurde für den 16. September der Besuch des Obersten Kriegsherrn bei der 10. Armee in Kowno angekündigt. i) Näheres vgl. Band IX. — -) S. 492.