498 Die Operation des Oberbefehlshabers Ost gegen Wilna. September. September. zur Umfassung nach Norden und Osten ausholen wollte, konnte ihr über¬ lassen bleiben1). Der Oberbefehlshaber Ost faßte seine Absichten am 6. September in folgendem Heeresgruppen-Vefehl zusammen2): „Ich strebe an, den Russen nochmals, und zwar entscheidend, zu schlagen, bevor er über die westliche Verezyna und die Wilia zurückgeht." Die 12. Armee sollte ihren Gegner mit schwächerem rechten Flügel in das Sumpfgebiet der Set- wianka und Szczara werfen, mit den Hauptkräften aber zum Anschluß an die 8. Armee auf das nördliche Rjemen-Ufer übertreten. Diese Armee hatte zunächst den russischen Widerstand bei Skidel zu brechen. Im übrigen wies die Angriffsrichtung der 12. und 8. Armee beiderseits der Bahn Siebtee— Lida nach Nordosten. Die 8. Armee hatte die 75. Reserve-Division, die 12. Armee demnächst die 4. Garde- und die 37. Infanterie-Division zur Verwendung bei der 10. Armee abzugeben. Der Befehl lautete weiter: „10. Armee greift am 9. September mit linkem Flügel an. Dabei ist Höherer Kavalleriekommandeur 6 mit 1. und 9. Kavallerie-Division und 3. Kavallerie-Division von der Njemen-Armee aus der Gegend nördlich Wilkomierz auf Kukuzischki—Uzjany anzusehen, Schwerpunkt Uzjany. Die Armee hat Bedacht zu nehmen, weitere ihr bereits unterstehende Kräfte auf ihrem linken Flügel einzusetzen." Die Njemen-Armee, der die bis¬ her zur 10. Armee bestimmte 88. Infanterie-Division und zwei Mörser- Batterien neu überwiesen wurden, sollte unter Fortsetzung des Angriffs südöstlich von Friedrichstadt mit ihrem Südflügel, der Division Beckmann, gleichfalls in der Richtung auf Uzjany angreifen. Vis zum 8. September hatte die 12. Ar me e, die auch weiterhin durch ernste Nachschubschwierigkeiten behindert war, im Anschluß an die Heeres¬ gruppe Prinz Leopold den Zelwianka-Abschnitt bei Zelwa und nörd¬ lich erreicht. Auf ihrem linken Flügel war das Korps Plüskow im Über¬ gang über den Njemen südwestlich von Skidel. Es trat zur 8. Armee über, die diesen Ort infolge heftiger russischer Gegenwirkung noch nicht hatte nehmen können und auch vor Ieziory und Druskieniki noch festlag. Die Grundgedanken des Angriffsplanes ergeben sich aus verschiedenen Be¬ fehlen und sonstigen Aufzeichnungen sowie aus dem Gelände und der Lage. Sie sind durch Mitteilungen des Generals Ludendorff, des Generalleutnants von Bockelberg und des Obersten a. D. Keller vom Sommer und Herbst 1931 an das Reichsarchiv bestätigt worden. Insbesondere hat General Ludcndorff zum Ausdruck gebracht, daß die 12. und 8. Armee „durchstoßen" sollten. 2) Vgl. die Befehle vom 29. und 30. August (S. 490 f.) und die Meldung an die Oberste Heeresleitung vom 4. September (S. 493).