10. Armee. Die Einnahme von Kowno. 481 Masse dieser Truppen ist nebst ihrer Artillerie kämpfend rechtzeitig aus¬ gewichen. Vei den großen Verzögerungen, die der deutsche Angriff durch das nur allmähliche Herankommen der nötigen Kräfte erlitt, hatte man russischerseits ein so schnelles Ende schließlich nicht erwartet. Als dann am 16. August der deutsche Angriff mit voller. Wucht einsetzte, war es bereits zu spät, um auch die unbespannten Geschütze zu retten. Die einrückenden deutschen Truppen hatten durchaus den Eindruck völlig überstürzten Ab¬ zuges. Der Cisenbahntunnel war nur wenig beschädigt, der besonders hohe Funkturm unversehrt. Für die russische Oberste Heeresleitung ist der schnelle Fall der Festung völlig überraschend gekommen. Kowno hätte sich nach Ansicht des General¬ stabschefs des russischen Feldheeres, Generals Ianuschkewitsch, da es nicht eigentlich belagert wurde, halten müssen; an der frühzeitigen Übergabe trage der Kleinmut des Kommandanten, Generals Grigoriew, die alleinige Schuld^). Cr hatte die Festung bereits am 17. August verlassen und wurde wegen seines Versagens vom Kriegsgericht zu schwerer Strafe verurteilt). Im übrigen bedeutete der Fall der Festung nach der Auffassung des Generals Danilow „einen der schwersten Schläge der letzten Kriegsperiode, sowohl in moralischer Beziehung als auch hinsichtlich seines Einflusses auf die weitere Lage unserer Armeen"^). Aber den großen Erfolg urteilte General Ludendorf st): „Mit geringeren Mitteln ist noch keine Festung angegriffen worden. Aber die Truppe, die es tun sollte, war von dem frischen Geiste ihrer Führer beseelt." — Sie hat die ihr gestellte schwere Aufgabe glänzend gelöst. c) Der Vormarsch der 10. Armee bis zum 31. August. Karten 6 und 7, Skizze 28. Beim Oberbefehlshaber Ost nahm der Gedanke an die MitteA«g«st. Weiterführung der Operationen im Njemen-Gebiet um Mitte August festere Gestalt an. Das Ziel war der Durchbruch durch den Nord¬ flügel der russischen Gesamtfront, um in der Richtung über Wilna und Minsk doch noch die Flanke der aus Polen zurückweichenden Massen zu treffen. Dazu sollte, wie General Ludendorff später schrieb5), *) Kudaschew-Brief vom 26. August 1915. 2) Danilow, 6.554 f. und Knox, S. 325 ff. 3) Danilow, S. 554. 4) Ludendorff, Erinnerungen, S. 124. 6) Erinnerungen, S. 129, und Mitteilung vom 23. Dezember 1931 an das Reichs¬ archiv, in Übereinstimmung mit einer Mitteilung des jetzigen Generalleutnants von Bockelberg vom Sommer 1931 an das Reichsarchiv. — Die Akten enthalten nichts -über diese Absichten und Gedanken. 4 Weltkrieg. VIII. Band. 31