18. August. 480 Die Operation des Oberbefehlshabers Ost gegen Wilna. ernsten Widerstand mehr. Sinter dem Schutze der alsbald weiter vorge¬ zogenen Artillerie gelang es der Infanterie der 79. und 76. Reserve- Division, das rechte Flußufer zu gewinnen und durch die Stadt selbst vor¬ zugehen. Vis zum Abend waren der Petersberg und das Fort VII der Nordostfront erreicht. Südlich des Njemen hatten Teile der 115. In¬ fanterie-Division die Iesia überschritten und das Fort IV besetzt. In der Nacht zum 18. August und an diesem Tage wurde die Er¬ oberung der Fortslinie vollendet; als letztes fiel erst abends das südöstlichste, an den Njemen angelehnte Fort V, während in Höhe von Godlewo und südlich der Gegner den Iesia-Abschnitt noch hielt. Die Truppen des Gene¬ rals Litzmann lagen in der Linie Fort V—Swiersa-Abschnitt, während von Nordwesten her die vordersten Teile der 3. Reserve-Division die Wilia überschritten und Kormialow erreicht hatten. Die 1. Kavallerie-Division stand vor Ianow. Der Feind war nach Osten ausgewichen. Mit K o w n o war der stärkste Stützpunkt der russischen Nordwestfront gefallen. 53 000 Schuß hatte die deutsche schwere Artillerie dagegen ver¬ feuert, davon 1000 aus schwersten Steilfeuergeschützen. Mehr als 20 000 Gefangene und über 1300 Geschütze, darunter etwa 350 schwere, wurden als Gesamtbeute gezählt, daneben 100 Maschinengewehre, 20 000 Gewehre, 810 000 Schuß Artilleriemunition, große Mengen Heeresgerät und Ver¬ pflegungsvorräte. Mit Wiederherstellung von Brücken und Eisenbahn wurde sofort begonnen. Die Russen hatten der großen und stark ausgebauten Festung Kotono besondere Bedeutung beigemessen. Während die weiter nördlich stehende 5. Armee als selbständige Aufgabe die Wege nach Riga und Petersburg zu decken hatte, bildete die Festung den nördlichen Eckpfeiler des russischen Heeres. Sie war daher, nachdem sie zunächst der 10. Armee unterstanden hatte, schon am 5. Juni als selbständiger Teil dem Oberbefehlshaber der Nordwestfront unmittelbar unterstellt worden. In einer Direktive vom 17. August, die auf die Creignifie allerdings keinen Einfluß mehr haben konnte, sagte die Oberste Heeresleitung nochmals aus¬ drücklich, es müsse alles geschehen, um Kowno zu halten; keinesfalls dürfe es dazu kommen, daß die Festung eingeschlossen werde; im äußersten Falle sei die Besatzung rechtzeitig zurückzuziehen*). Deren Stärke hat mehrfach ge¬ wechselt; in den letzten Tagen vor der Einnahme war sie mit etwa drei vorwiegend aus Landwehr bestehenden Divisionen^) am größten. Die 0 Njesnamow, S. 100;Danilow, S. 542. 2) 104. und 124. 3. D. (Ldw.), „Grenzwach"°Division und einige andere Teile.