10. Armee. Vorbereitung des Angriffs gegen Kowno. 475 umgebaut und verstärkt worden waren. Cin weiterer vier bis fünf Kilo¬ meter vorgeschobener äußerer Fortsgürtel war damals im Entstehen ge¬ wesen. In Anlehnung an diese ausgedehnten ständigen Werke war die Festung in nahezu zwölf Kriegsmonaten weiter ausgebaut und durch vor¬ geschobene Stellungen verstärkt worden, so daß sie als besonders wider¬ standsfähig anzusehen war. Der beim Großen Generalstabe im Frieden ausgearbeitete Angriffsentwurf empfahl, die Südfront anzugreifen, die von der tief eingefchnittenen Iefia in zwei Hälften geteilt wird. Für Artillerie- aufmarsch und Munitionsversorgung stand nur die Königsberger Bahn zur Verfügung. An Kräften waren allein schon gegen den früheren engen Am- fang des Platzes etwa zwei Korps, rund 400 Geschütze, davon gegen 250 schwere (unter ihnen zwei schwerste Batterien) als erforderlich ange¬ sehen worden. Was die 10. Armee einstweilen gegen die wesentlich er¬ weiterte Festung einzusetzen hatte, langte nicht einmal an diese Forderungen heran. Vor allem aber mußte der Angriff allein gegen die westliche Hälfte der Südstont geführt werden. Die Kräfte reichten nicht aus, vorher auf dem östlichen Iefia-5lfer Fuß zu fassen, da südlich der Festung auf fast 150 Kilometer Frontbreite die an Zahl überlegene kampfkräftige russische 10. Armee gegenüberstand. Dort konnten zum Angriff auf die Festung kaum noch deutsche Kräfte freigemacht werden. Als Generaloberst von Eichhorn dann am 31. Juli angesichts der Fortschritte der Rjemen-Armee auch noch die 4. Kavallerie-Division ab¬ geben muffte1), die künftig auf dem nördlichen Rjemen-Afer die Festung absperren sollte, sandte er am 2. August seinen Generalstabschef, Oberst Hell, nach Lötzen, um nochmals dringend Verstärkungen zu erbitten. „Im Hinblick auf die minderwertige Besatzung der Festung Kowno", so legte Oberst Hell dar, „und deren anscheinend sehr mangelhafte artilleristische Ausstattung fei Oberkommando 10 überzeugt, daß bei Bereitstellung auch nur einer weiteren Infanterie-Division das Ziel schneller Einnahme der Festung erreicht werden könne". Der Oberbefehlshaber Oft teilte diese Auffassung durchaus, konnte aber, „da die Rjemen-Armee zur Zeit im Kampf stehe und er aus der Rarew-Front auf bündigen Befehl der Obersten Heeresleitung Kräfte nicht herausziehen dürfe", zunächst nur in Aussicht stellen, der Armee sobald wie möglich wenigstens eine Landwehr-Brigade zuzuführen. Oberst Hell wollte sie benutzen, um die jetzt nördlich von Suwalki in der Front stehende 76. Reserve-Division für den Angriff auf die Festung freizumachen. Daraufhin erhielt die Armee in den nächsten Tagen die 6. Landwehr-Brigade") von der 8. und ein Landsturm-Regiment 31. J«U bis 2. August. 0 S. 466. — 2) S. 351 f.