468 Die Operation des Oberbefehlshabers Ost gegen Wilna. 8. bis 20. August. befehlshaber Ost den weiteren Ausbau von Abwehrstellungen. So entstand seit Mitte August im Anschluß an frühere Stellungen des I. Re¬ servekorps beiderseits von Kupischki eine Reihe von rückwärtigen Anlagen, die sich nordwärts über den Virshi-See und unteren Niemenek zur Aa zogen. Zum Schutze der linken Flanke wäre es erwünscht gewesen, die im Rigaer Busen liegenden russischen Schiffe, darunter das mit 30,5 cm- Geschützen bewaffnete Linienschiff „Slawa", von dort zu vertreiben; unbe¬ dingt notwendig war das aber nicht1). Darum und angesichts der Schwie¬ rigkeit der Aufgabe stellte die Führung an Land auch kein solches Verlangen an die Flottenleitung. Zusammenwirken mit den eigenen Seestreit¬ kräften kam nach ihrer Ansicht erst in Frage, falls der Angriff auf Riga— Dünamünde weitergeführt werden sollte. Das war zwar von der Obersten Heeresleitung gelegentlich einmal als möglich hingestellt worden3), stand aber einstweilen noch in weiter Ferne. Dem Oberbefehlshaber der Ostsee- streitkräfte, Großadmiral Heinrich Prinz von Preußen, war seit dem 19. Juli bekannt, daß nach der Auffassung des Oberbefehlshabers Ost die Wegnahme von Riga und Dünamünde eine Gelegenheitsftage sei; gegebenenfalls sei Flankenschutz für die längs der Küste vorgehenden Truppen erwünscht. Da andererseits General von Falkenhayn zu jener Zeit darauf hingewiesen hatte, daß eine Unternehmung der Flotte vor oder in dem Rigaer Meer¬ busen auch sonst sehr willkommen sei3), so hatte der Großadmiral für alle Fälle vorübergehende Verstärkung durch Teile der Hochseeflotte aus der Nordsee erwirkt. Als dann die Hoffnung auf baldiges Vorgehen des Heeres gegen Riga schwand, während sich etwa die halbe deutsche Flotte in der Ost¬ see befand, entschloß er sich, diese Gelegenheit wenigstens zu einem Vor¬ stoß in den Rigaer Busen auszunutzen. Wenn auch keine Aus¬ sicht bestand, sich dort ohne Hafen und ohne gleichzeitiges Vorgehen des Heeres zu halten, so hoffte er doch, den Feind zu schädigen und zu be¬ unruhigen. Das Unternehmen stieß aber am 8. August schon beim Über¬ winden der Minensperren in der Irben-Straße auf solche Schwierigkeiten, daß es der befehligende Vizeadmiral Schmidt zunächst aufgab. Am 18. August wurde es von neuem ausgenommen. Rach mehrtägiger Auf¬ räumungsarbeit gelang der Einbruch; leichte Streitkräfte stießen am 20. August quer durch den Busen bis Pernau vor, andere gegen den nörd¬ lichen Zugang des Busens, den Moonsund. Zwei russische Kanonenboote fielen dem deutschen Angriff zum Opfer. Fm Moonsund Minen zu legen oder den Russen sonst entscheidenden Schaden zuzufügen, gelang aber nicht. i) S. 465. — 2) S. 130 und Seekrieg, Ostsee, Band II, S. 199. — 3) Ebenda, S. 236.