448 Die russische Oberste Führung bis Ende August. 21. bis 24. Juli. 28.Su«. 29. Sutt bis 5. August. Gegner im Norden die Front endgültig durchbreche, außerdem aber auch, wenn er im Süden bis Iwangorod—Brest Litowsk vordringe*). In der Nacht zum 21. Juli wurde im Anschluß an die zurückweichende 4. Armee auf dem Nordflügel der 2. Armee die Grojec-Stellung auf¬ gegeben, am 22. erteilte General Alexejew für seinen Südflügel (4., 3. und 13. Armee) den Befehl zum allmählichen Ausweichen in die Linie Iwan¬ gorod—Kowel. Die nächsten Tage brachten den Fall der Narew-Linie Pultusk—Lomza. Gleichzeitig begann aber auch der Druck der neuen deutschen Angriffe in Litauen und Kurlands zu wirken, die jetzt bereits den Weg nach Wilna bedrohten. Am 24. Juli berichtete Fürst Kudaschew, der Vertreter des Außenministers im Hauptquartier, nach Petersburg, General Ianuschkewitsch habe ihm, „tief Atem holend", erklärt: „Wir müffen den Becher bis zur Neige leeren" und auf die Frage, woher denn die größte Gefahr drohe, auf die Riga—Schaulen-Front weisend gesagt: „Wenn die Deutschen dort weiter angreifen, müffen wir Warschau räumen und — zurückgehen." General Alexejew hielt die Lage auf dem äußersten Nordflügel aber einstweilen noch nicht für bedrohlich. Wie er am 28. Juli bei einer abermaligen Besprechung in Siedlce dem Großfürsten vortrug, seien die dort eingesetzten deutschen Kräfte für eine große Operation zu schwach, neue Entschließungen noch nicht nötig. General Danilow legte demgegen¬ über der Front nördlich des Njemen „überragende Bedeutung" bei, und der Großfürst befahl dementsprechend die sofortige Verstärkung der dort kämpfenden 5. Armee durch zwei Infanterie^)- und eine Kavallerie-Division von der Südwestfront. Den Zeitpunkt für die Räumung der Weichsel- Linie überließ er aber wie bisher General Alexejew. Für das Schicksal Warschaus wurden jetzt die Ereignisse an der Narew-Front als entscheidend angesehen, denn ein deutscher Durchbruch in der Richtung auf Wyszkow am Bug konnte den Rückzug der noch an der Weichsel stehenden russischen Truppen sehr erschweren. An der Front Lublin—Cholm glaubte man sich zu dieser Zeit halten zu können, auch wurde ein Angriff an dieser Stelle als weniger bedrohlich angesehen. Der überraschende Weichsel-Übergang der Armee-Abteilung Woyrsch in der Nacht zum 29. Juli zwischen Warschau und Iwangorod brachte neue Sorgen. Als es der russischen 4. Armee nicht gelang, den Gegner hier wieder zurückzuwerfen, befahl General Alexejew am 2. August der 2. Armee das Westufer des Stromes und damit Warschau zu räumen; die Linie der *) Kudaschew-Vrief vom 22. Juli 1915. -) S. 460 ff. 3) 69. und 2. sinnt. Div.