442 Die russische Oberste Führung bis Ende August. «.Juni, sei, trotz schwierigster Umstände jeden Fußbreit Landes zu verteidigen; „der Kaiser, Rußland und der Großfürst fordern von uns hartnäckigen Kampf. . . Wir haben doch nicht deswegen das ganze Gebiet mit einem Netz starker Stellungen überzogen, um jetzt, nur durch Nachhuten gedeckt, in einem Zuge zurückzuweichen'"). An demselben Tage berichtete der Großfürst dem Zaren2), daß der Fehlbestand jetzt 300 000 Mann an der Südwestfront und 100 000 Mann an der Nordwestfront betrage, für den eintreffenden Ersatz aber die Waffen fehlten; „damit hört jede Strategie auf". Der Ausbildungsstand des Er¬ satzes, der bei dem Mangel an Gewehren kaum schießen gelernt habe, sei unter jeder Kritik; es fehle an Offizieren. „Die Initiative können wir nicht wieder an uns reißen, sondern müssen uns darauf beschränken, die Stöße des Gegners abzuwehren . . . Durch die ungeheuren Verluste sinkt der Wert der Truppe mit jedem Tage; die Einheiten schwinden dahin." Obgleich jetzt Italien in den Krieg getreten sei, hätten die Deutschen ihre Kräfte gegen Rußland verstärkt. Auch der Angriff der Franzosen fei wirkungslos geblieben, trotz ihres Einsatzes von zehn Korps, Überlegenheit an Artillerie und unbegrenzter Munition2). Es sei „betrübend und be¬ schämend", daß Rußland „wirklich mehr als heldenhafte, glänzende Trup¬ pen aus Mangel an Waffen und Munition unerhörte Verluste erleiden und dafür nicht einmal durch Erfolge belohnt werden". Vei solcher Lage kam in den gleichzeitig mit den Westmächten gepflogenen Unterhandlungen über bessere Zusammenarbeit nur Hilflosigkeit .zum Ausdruck, auf den Gang der Ereignisse blieben sie ohne Einfluß. 8.Zuni. Am 8. Juni antwortete General Ianuschkewitsch General Alexejew auf dessen Vorschlag zum Ausweichen, daß am Rarew und bei Grojec die letzten Stellungen lägen, die ohne Preisgabe der Gesamtlage noch in Frage kämen. Cr erhalte vier Abteilungen schwerer Artillerie, das bedeute eine „wesentliche Verstärkung'") der Nordwesssront. Die endgültige Ent¬ scheidung darüber, was nun geschehen solle, bliebe ihm überlassen. Der Großfürst war damit einverstanden, die Bewegung bald durchzuführen; Be¬ dingung sei nur, daß mit dem Bau eines zweiten Stellungssystems hinter Vobr und Rarew sowie im Rücken der Stellungen von Grojec und Radom alsbald begonnen werde. An der Südwestfront sah sich General Vrussilow 15, Juni, am 15. Juni gezwungen, den Rückzug auf die Grodek-Stellung westlich von 0 Rjesnamow, S. 57. 2) Rjesnamow, S. 56 ff. und Bontsch-Vrujewitsch, S. 259. 3) S. 84 ff. Die Franzosen waren über das Stärkeverhältnis anderer Ansicht. 4) Insgesamt 8 Batterien 15 oiu-Haubitzen und 4 Batterien 10 ow-Kanonen, zusammen 48 Geschütze. — Vgl. S. 437.