E. Die russische Oberste Führung bis Ende Augusts. Karten 5, 6, 7 und Band VII, Karte 1. BisMttteMat. Seit Gorlice war die russische Oberste Heeresleitung in erster Linie auf Abwehr eingestellt. Dabei hoffte sie auf Entlastung durch den am 9. Mai begonnenen Angriff der Westmächte3) und den Eintritt Italiens, demnächst Rumäniens, vielleicht sogar Bulgariens in den Krieg. Andererseits war sie in Sorge, ob es tatsächlich gelingen werde, den Ansturm der Mittel¬ mächte in Galizien zum Stehen zu bringen. Beides stand in Wechsel¬ wirkung: erfolgreiche Abwehr in Galizien mußte die Gewinnung neuer Bundesgenossen fördern, deren Eingreifen aber auch Erleichterung für die Lage in Galizien bringen. Neben innenpolitischen und wirtschaftlichen Rücksichten sprachen daher auch außenpolitische Belange für zähen Kampf um jeden Fußbreit Boden, während rein militärisch der Gedanke im Vordergrund stand, die Schlagkraft des Heeres zu erhalten und daher nach Bedarf ohne Rücksicht aus Landverlust in die Weite des Reiches aus¬ zuweichen. Die Zwiespältigkeit dieser Gesichtspunkte spielte neben der Ein¬ wirkung des Angriffs der Mittelmächte eine entscheidende Nolle in den Maßnahmen der russischen Führung, An der zu Anfang Mai reichlich 1300 Kilometer messenden Gesamt¬ front befehligte wie bisher General Alexejew in Siedlce die aus fünf Armeen (10., 12., 1., 2., 5.) mit rund 55 Divisionen bestehende Nordwest - front, General Iwanow in Cholm die ebenfalls aus fünf Armeen (4., 3., 8., 11., 9.) mit 50%: Divisionen bestehende Südwestfron t3); die Pilica teilte die Gesamtfront in zwei annähernd gleiche Teile. Die Oberste Heeresleitung, wie bisher General Großfürst Nikolaus mit General Ianuschkewitsch als Generalstabschef und General Danilow als General¬ quartiermeister, lag in Baranowicze. Anmittelbar unter dem Großfürsten hatten im Norden die 6. Armee mit nicht feldverwendungsfähigen Truppen und die Ostseeflotte Petersburg und die Küste zu schützen, im Süden hatte eine ähnlich zusammengesetzte 7. Armee und die Flotte des Schwarzen 1) Band VII, S. 436 (betr. Dardanellen, S. 329). — Näheres über Südwest - front S. 189ff. und 261 ff. 2) 6. 51 ff. 3) Landwehrverbände sind hierbei nicht mitgerechnet. General Danilow (S. 521) gibt die Gesamtstärke für Ende Juni, vielleicht einschließlich Landwehr, mit 108 Infan¬ terie-Divisionen, 16 Schützen- und Fuß-Kosaken-Vrigaden sowie 35 Kavallerie-Divi¬ sionen an.