Der Angriff aus Nowogeorgiewsk. 377 Für den Angriffs) kam in erster Linie die Nordostfront der Festung zwischen Wkra und Narew in Frage, gegen die von Mlawa her die ein¬ zige Bahn heranführte. Hier wollte General von Veseler seine Haupt- kräfte ansehen und im übrigen ähnlich verfahren wie im Herbst 1914 gegen Antwerpen. Unter Verzicht auf förmliche Belagerung sollte unter schärfster Zusammenfassung der Artilleriewirkung nur in einem schmalen Streifen des Angriffsabschnitts Bresche in die einzelnen Widerstands¬ linien geschossen werden, durch die dann dichtauf folgende Infanterie in raschem Stoß einzudringen hatte. Unternehmungen gegen die übrigen Fronten sollten dem Gegner das Verschieben von Kräften innerhalb des Festungsraumes erschweren. Die schwerste und schwere Artillerie zählte an der Angriffsfront allein 26 Batterien mit 113 Geschützen3). Davon war aber, vor allem unter den an sich wenig zahlreichen Flachbahngeschühen, ein großer Teil älterer Art mit nur beschränkter Feuergeschwindigkeit und Schußweite. Cs kam hinzu, daß die Munitionslage Beschränkungen auferlegte, da gleichzeitig auch die große Festung Kowno angegriffen wurde3), und auch Mangel an Kolonnen die Heranschaffung der Munition außerordentlich erschwerte. So verfügte das Hauptgeschütz, die schwere Feldhaubitze, zunächst nur über je 200 bis 300 Schuß'). Am 11. August wies der Oberbefehlshaber O st darauf hin, daß er „auf schnelle Durchführung des Angriffs gegen die Festung großen Wert" legen müsse, um die eingesetzten Kräfte für weitere Aufgaben bald wieder frei zu bekommen. Dem war General von Beseler ohnehin schon gewillt zu entsprechen. Nach dreistündiger Artilleriewirkung durchbrachen am 13. August die 14. Landwehr-Division unter Generalleutnant Schalscha von Chrenfeld und die Brigade Pfeil aus schmaler Front die vorderen feindlichen Ver¬ teidigungslinien zwischen Wkra und Narew und drangen bis nahe an die ständigen Panzergruppen XIV, XV und XVI vor; gegen 2000 Gefan¬ gene waren die Beute. Gleichzeitig hatten auch Unternehmungen gegen 9 Der im Frieden vom Großen Generalstab verfaßte Angriffsentwurf gegen die Festung ist nicht mehr aufzufinden, so daß nicht festgestellt werden konnte, wie damals die Stärke der Festung beurteilt und welche Angriffsmittel gegen sie für nötig gehalten wurden. 2) Steilfeuer: 3 Vttrn. 42 cm, 5 Vttrn. 30,5 cm, 2 Vttrn. Mrs. (21 cm), 11 Vttrn. schwere Feldh. (15 cm); zusammen 21 Vttrn. Flachfeuer: 2 Vttrn. 15 om-Kan., 1 Vttr. 12 arn-Kan., 2 Vttrn. 10oin-Kan.; zusammen 5 Vttrn. 3) S. 347 und 472 ff. 4) Bei Gorlice je 600, bei Przasnysz je 1000 Schuß. 7. bis 10. August. 11. bis 14. August.