Das Abschwenken nach Nordosten auf Grodno. 367 Grenze für die weiteren Operationen der 12. und 8. Armee zu bilden habe. Noch nicht drei Stunden nach Abgang des Befehls lief aber folgende Wei¬ sung der Obersten Heeresleitung ein: „Entwicklung der Verhältnisse zwischen Bug und Narew läßt dringend erwünscht erscheinen, daß Oberlauf Swislocz sobald wie möglich von Teilen der 8. Armee erreicht wird." Das schien dieser Armee eine genau östliche Richtung geben zu sollen und zugleich ein rund 70 Kilometer entferntes Ziel. Der Oberbefehlshaber Ost vermochte sich kein Bild davon zu machen, welche operativen Absichten die Oberste Heeresleitung jetzt verfolge. Cr drahtete am 25. August an General 25. wgwft. von Falkenhayn: „8. Armee hat auf ganzer Front Feind gegenüber, der überall zähen Widerstand leistet, so daß ein schnelles Vorwärtsdringen von Teilen von ihr bis zum Oberlauf des Swislocz zur Zeit vollständig aus¬ geschlossen ist." Die aufs äußerste gereizte Stimmung dieser Tage*) ver¬ anlaßte ihn, hinzuzufügen: „Um führen zu können, bitte ich um Direktiven." Die Oberste Heeresleitung, die vorübergehend gehofft hatte, durch einen Südstoß der Heeresgruppe Prinz Leopold den Feind noch zu fassen2), sah sich inzwischen vor einer veränderten Lage, da dieser bereits begonnen hatte, die starke Festung Brest zu räumen. So setzte sie jetzt die von Kle- szczele über Gajnowka nach Wolkowysk, also nach Nordosten, führende Bahnlinie als rechte Grenze des Oberbefehlshabers Ost fest und hatte auch „nichts mehr dagegen einzuwenden, wenn aus der Stoßgruppe Gallwitz nunmehr Kräfte auf das nördliche Narew-Ufer verschoben" würden. Diese Grenzfestsehung entsprach im wesentlichen den Wünschen des 2s.A«g»st. Oberbefehlshabers Ost. Cr befahl am 26. August für seine vier Armeen: „12. und 8. Armee folgen dem Gegner, rechter Flügel 12. Armee längs der Eisenbahn Gajnowka—Siemionowka. Hiernach allgemeine Vor¬ marschrichtung: 12. Armee mit tiefem rechten Flügel Swislocz—Sokolka; 8. Armee Sokolka—Dombrowo, bereit, linken Flügel von hier auf Lipsk aus¬ zudehnen. Nähere Weisungen für 12. und 8. Armee folgen." Die 10. Armee sollte weiter gegen Wilna vorwärtsdrängen, die Njemen-Armee auch fernerhin die Nordflanke decken2). Da die Oberste Heeresleitung jetzt Verschiebungen von der 12. Armee auf das nördliche Narew-Afer genehmigt hatte, hielt sich der Oberbefehlshaber Ost, wie er an diesem Tage in seinem Kriegstagebuch ausdrücklich niederlegen ließ, „für berechtigt, diese Kräfte auch da anzusetzen, wo der Erfolg winkt". Cr befahl den bisherigen Sto߬ armeen (12. und 8. Armee), „um den Druck des linken Flügels der 10. Armee M erhöhen", im ganzen drei Infanterie- und eine Kavallerie-Division 0 S. 350 f. — 2) S. 428. s) Wortlaut und Einzelheiten der Anordnungen für 10. und Njemen-Armee siehe S. 487.