362 Der Angriff des Oberbefehlshabers Ost gegen die russische Narew-Front. 16. und 17. August. 18. und IS. August. Inzwischen hatte der Oberbefehlshaber Ost der 8. Armee bereits am 14. August eine mehr nördliche Richtung, in den Rücken von Osowiec, gegeben und auch die 12. Armee angewiesen, sobald Vielst ge¬ nommen sei, nicht mehr nach Osten, sondern auf Vialystok, also scharf nach Nord osten weiterzugehen. Als dann die Ober st e Heeresleitung nochmals darauf hinwies, daß 12 bis 13 russische Korps vor der Heeres¬ gruppe Mackensen gegen den Bug unterhalb von Brest auswichen, rück- sichtsloser Angriff der Heeresgruppen Prinz Leopold und Hindenburg daher große Erfolge verspreche und der rechte Flügel der 12. Armee unter diesen Umständen die Richtung nach Osten, auf Kleszczele beizubehalten habe, änderte das nichts daran, daß der Schwerpunkt ihres Vorgehens — wie es sich aus Lage und Gelände ergab — zwischen Rurec und Rarew hindurch zunächst auf Vielst gerichtet bleiben mußte. In dieser Auffassung stimmten Oberbefehlshaber Ost und Oberkommando 12 überein, wobei, wie bisher, dieses die Hoffnung hegte, die abziehenden Russen noch zu faffen, ersterer an die Öffnung der Osowiec-Front dachte. Am 16. August meldete die 12. Armee auf unmittelbare Anfrage der Obersten Heeresleitung nach dem Zustande des Gegners, daß dieser große blutige Verluste erlitten und viele Gefangene verloren habe, aber noch starke Gegenangriffe mache; er sei noch kampsträftig und habe mehr Artillerie und Munition als in der letzten Woche, seine Verbände seien aber stark gemischt. Die 8. A r m e e, in gleicher Weise befragt, wies eben¬ falls darauf hin, daß der russische Munitionseinsatz in den letzten Tagen stark zugenommen habe. Der 17. August schien diese Beurteilung des Gegners zu bestätigen. Meldungen über Gegenstöße gegen den rechten Flügel der deutschen 12. Armee*) veranlaßten General von Gallwitz, dem dort stehenden XVII. Armeekorps auch für den folgenden Tag zu befehlen, daß es seine Stellungen behaupte und verstärke, und bei der 9. Armee, auf deren Nordflügel sich auf breitem Raum nur Kavallerie befand, Unterstützung durch Infanterie anzuregen. Immerhin bewirkten die fortgesetzten Angriffe der Armee in der Richtung auf Vielst, bei denen die 38. Infanterie- Division an diesem Tage die sehr hohe Zahl von 750 Mann verlor, daß die Russen in der folgenden Nacht den Rückzug fortsetzten und damit für die Heeresgruppe Prinz Leopold den Bug-übergang freigaben. Der Abend des 18. August sah die deutschen Truppen in der Linie Niemirow am Bug — Westufer des mittleren Rurec — vor Vielst und am linken Ufer des Rarew bis westlich von Tykoein. Hierhin hatte die *) Rach später erbeuteten russischen Befehlen dürfte es sich tatsächlich nur um den Gegenstoß eines einzigen Regiments der russischen 55. Division gehandelt haben.