Erfolge zwischen Bug und Narew. 357 kreuzungspunkt Malkin wurde erreicht und damit nach mehr als drei¬ wöchiger Offensive die nördlichste der großen Bahnlinien, die Warschau mit dem Innern Rußlands verbinden und bisher die russischen Truppen in Westpolen versorgt hatten. Operativ war das seht allerdings ein bedeu¬ tungsloser Gewinn und auch für den immer schwieriger werdenden eigenen Nachschub erst von Wert, wenn es gelang, bei Warschau, wo die Weichsel- Brücke wiederherzustellen war, über Nowogeorgiewfk, das noch in Feindes¬ hand war, oder durch die von Willenberg her im Bau befindliche Anschlu߬ strecke nach Ostrolenka4) Verbindung zum deutschen Vahnnetz zu gewinnen. Der Gegner schien jetzt in vollem Rückzüge nach Osten. Flieger meldeten an vielen Stellen zurückgehende feindliche Kolonnen; Dörfer brannten, die Fluren waren verwüstet. Es gelang ein Sprung nach vorwärts, wie noch an keinem Tage seit Beginn der Operation; er betrug bei vielen Korps 20 Kilometer und mehr. Südlich vom Bug wurde südöstlich von Wyszkow mit der Kavallerie der 9. Armee Fühlung gewonnen. General von Gallwitz und seine Berater waren über die weiterhin ein¬ zuschlagende Richtung nicht ganz derselben Meinung. Schon seit Ende Juli neigte der Erste Generalstabsoffizier, Major Stapff, innerlich mehr und mehr der Auffassung des Oberbefehlshabers Ost zu2), daß die Rarew-Ope- ration das ihre geleistet habe, und daß die Entscheidung künftig im Njemen- Gebiete zu suchen sei. „Die Strecke, die wir in vier Wochen gewonnen haben, kann man auf dem linken Flügel in vier Tagen marschieren", schrieb er am 9. August nieder. Demgegenüber hielt General von Gallwitz selbst auch jetzt noch am Gedanken der Verfolgung mit ganzer Kraft nach Süd¬ osten fest. Oberst Marquard schlug ihm aber nunmehr doch eine mehr nördliche Richtung vor, „da am Bug nichts mehr zu holen fei"3). Die daraufhin vom Oberbefehlshaber Ost erbetene Entscheidung wurde beiden Möglichkeiten gerecht und ging dahin: die Armee solle, mit dem Schwerpunkt rechts, gegen Ciechanowiec—Sokoly weiter vorwärts drängen; die durch den Wizna-Sumpf eingeengte 8. A r m e e werde Anschluß an sie halten. Da aber diese Armee gerade jetzt die nordöstlich von Lomza stehende 3. Reserve-Division an die 10. Armee abzugeben hotte4), zählte sie nur noch fünf Divisionen, von denen bereits drei südlich des Rarew standen. Am 11. August kam die 12. Armee längs des Bug gut vorwärts: n. August, das XVII. Armeekorps erreichte Zuzel. Dagegen gelangte links neben ihm 1) S. 307. — Zunächst war hier nur eine Feldbahn verlegt worden; Ende Juli begann der Vollbahnbau. 2) Mitteilung des Obersten a. D. Stapff vom Sommer 1931 an das Reichsarchiv. 3) von Gallwitz, S. 325. 4) S. 354 und 478.