Angriff der 9. Armee gegen die Vorstellungen von Warschau. 337 dann am 24.Juli die Nachricht von der Einnahme der Narew-Festungen Pultusk und Rozan kam, schien es der Obersten Heeresleitung wie dem Oberbefehlshaber Ost höchste Zeit, nun auch von Westen her mit beson¬ derem Nachdruck gegen die Rüsten vorzustoßen. Der Angriff sollte nach Möglichkeit beschleunigt werden. Planmäßig begann unter Leitung des Generals der Fußartillerie, rs.I«u. Obersten Hüther, am 25. Juli um 11° vormittags das Wirkungsschießen aus rund 150 Rohren, davon etwa 80 schweres und ein schwerstes Steilfeuer, gegen den acht Kilometer breiten Angriffsabschnitt westlich von Piaseczno. 16 Bataillone Infanterie standen zur Verfügung; sie sollten um 3° nach¬ mittags zum Sturm antreten. Den Kern bildete die Infanterie der 49. Re- serve-Division, die aber zur Vorbereitung auf ihre Aufgabe nur so wenig Zeit gehabt hatte, daß sie sich bis zum Beginn des Wirkungsschießens erst auf 600 bis 800 Meter an die Stellungen des Gegners heranarbeiten konnte und schließlich aus 400 Meter Entfernung den Sturm versuchte. Sie stieß meist schon im Vorfelde auf russische Postierungen und fand die feindlichen Drahthindernisse noch unversehrt. Die zu einem erheblichen Teil aus Landsturm mit älteren Geschützen bestehende Artillerie hatte bei Regen und schlechter Sicht nicht die erhoffte Wirkung gehabt. Starkes russisches Feuer schlug den Angreifenden entgegen. Am 7° abends ließ General von Scheffer dem Armee-Oberkommando melden, es sei trotz Einsatzes aller verfügbaren Munition nicht gelungen, die russische Stellung sturmreif zu machen. Cr ließ den Angriff einstellen. Der Versuch hatte 750 Mann Verluste gekostet. Der Oberbefehlshaber, der dem Angriff der 49. Reserve-Division persönlich beigewohnt hatte, befahl nochmalige sorgfältige Artillerievorbereitung, um im Anschluß daran den Angriff zu wiederholen. Dazu mußte neue Muni¬ tion abgewartet werden. Inzwischen begann man aber die Widerstandskraft der russischen Stel- r«.su«. lungen doch höher zu bewerten. Rach Meldungen der Artillerie schienen sie insgesamt stärker ausgebaut zu sein, als es bei Gorlice der Fall gewesen sei; die zur Bekämpfung zugewiesenen Munitionsmengen aber seien dort größer gewesen. Abends wurde vom Oberbefehlshaber Ost an die Oberste Heeresleitung gemeldet: Der gestrige Kampf und Erkundungen hätten ergeben, daß die russischen Stellungen außerordentlich stark seien. Schwere Feldhaubitzen durchschlügen die Deckungen nicht; ob diese betoniert seien, wäre noch nicht festgestellt. In Übereinstimmung mit dem Oberkom¬ mando 9 hielt der Oberbefehlshaber Ost einen Durchbruch daher nur „nach systematischer Zerstörung der Stellung durch schweres Steilfeuer mit ent¬ sprechendem Munitionseinsah" für möglich. Im übrigen seien jetzt auch t Weltkrieg. VIII. Band. 2.2