314 Der Angriff des Oberbefehlshabers Ost gegen die russische Rarew-Front. falls stark ausgebaute russische zweite Stellung sollte erst am folgenden oder übernächsten Tage genommen werden. „Ich stimmte in der Hoffnung zu", so schrieb General von Gallwitz später'), „daß sich inzwischen die Er¬ folge der Nachbarkorps geltend machen würden und bei Rozan stärkeres Blutvergießen vermieden werden könne." Er rechnete dabei einerseits mit der nächtlichen Räumung von Pultusk und weiterem Vorwärtskommen des XVII. Armeekorps, andererseits mit dem noch in Aussicht stehenden Narew- Äbergang des Korps Eben, der in der Frühe des 24. Juli zwischen Rozan und Ostrolenka erzwungen werden sollte. Bei der 8. Armee hatten die für den 23.Juli gegen den Narew angesetzten. Unternehmungen kein Ergebnis gebracht. In der Nacht zum 24. Juli erfüllten sich die Erwartungen des Generals von Gallwitz. Die Rüsten räumten Pultusk und Rozan. Teile der 86. In¬ fanterie- und 50. Reserve-Division rückten bereits in der Nacht in Pultusk ein. Am 5°vormittags war die Meldung darüber in den Händen des Ober¬ kommandos, um 6° folgte die Nachricht, daß auch die Vortruppen der 3. In¬ fanterie-Division in Rozan eingedrungen seien. Bei beiden Orten waren die Brücken zerstört, ausgenommen eine Kriegsbrücke und ein Steg dicht nörd¬ lich des Ortes Rozan, die aber unter so starkem feindlichen Feuer lagen, daß sie vorerst nicht benutzt werden konnten. Rozan selbst hatten die Rüsten, ähnlich wie schon vorher andere Orte, beim Rückzüge in Brand gesteckt; nur etwa ein Drittel der Häuser konnte noch gerettet werden. Pultusk dagegen wies nur geringe Schäden aus. General von Gallwitz selbst urteilte später über den Erfolg: „Die berühmte Narew-Linie war nach reichlich sorgsamer Vorbereitung, aber schließlich kurzem Kampfe genommen. Was war über dieses Problem in der Militärliteratur und bei strategischen Aufgaben nicht alles erwogen worden! Es war etwas des Erlebens Wertes. Freilich waren seit dem Angriff bei Przasnysz elf Tage vergangen, für die Kartenentfernung zuviel. Was hatte der Russe aber an Werken in diesem Raum aufgeschichtet, und brav gewehrt hatte er sich meistens auch!" Etwa 37 000 Gefangene und 105 Maschinengewehre, aber nur 14 Geschütze betrug die Gesamtbeute seit dem 13. Juli, davon 8500 Gefangene, 49 Maschinengewehre, aber nicht ein einziges Geschütz aus der Zeit seit dem 18. Juli. In den befestigten Brückenköpfen von Pultusk und Rozan waren wider Erwarten zusammen nur 3600 Gefangene gemacht worden. Der Gegner hatte seine ausgedehnten Verteidigungsanlagen aus dem rechten Narew-Afer in der Hauptsache mit ') von Gallwitz, S. 300.