Vor der befestigten Narew-Linie. 301 stoßen und der Gegner dadurch gezwungen worden, seine in monatelanger Arbeit stark ausgebauten Anlagen von der unteren Weichsel bis zur Piffa aufzugeben und auch die bisher zäh verteidigte Front westlich der Weichsel zurückzunehmen^). Ob nicht dasselbe Ergebnis auch erreicht worden wäre, wenn der Angriff dem operativen Ziele Siedlce entsprechend von Beginn an mit dem Schwerpunkt auf dem linken Flügel etwa gegen Ostrolenka an¬ gesetzt wurde, läßt sich nachträglich nicht entscheiden. Der Kampf gegen das als Kern des russischen Widerstandes eingeschätzte 1. sibirische Korps wäre dabei sicher leichter gewesen, denn man hätte es nicht frontal in seinen besonders starken Abwehrstellungen bei Przasnysz getroffen, sondern seine Flanke gewonnen und es damit gezwungen, im freien Felde und mit ver¬ kehrter Front zu fechten. Nach Ansicht der verantwortlichen Stellen schloffen indeffen die Geländeverhältnisse solche Operation aus. d) Maßnahmen des Gegners. Skizzen 19, 20, 21. Der Angriff des Generals von Gallwitz hatte den rechten Flügel der e. m 12. Zu«, russischen 1. Armee (General Litwinow) getroffen, die mit sechs Divisionen den etwa 60 Kilometer breiten Raum zwischen Orzyc und Weichsel zu verteidigen hatte2). Als der deutsche Angriff losbrach, war der Gegner davon keineswegs so überrascht, wie man es auf deutscher Seite annahm. Cr hatte schon am 6. Juli durch Gefangenenaussagen das Eintreffen deutscher Verstärkungen bei Chorzele erfahren. In den folgenden Tagen stellte seine Erd- und Lufterkundung unter anderem Vermehrung der Artillerie, der Wagenge- täusche und des Förderbahnbaus fest; er schloß aus diesen Anzeichen auf bevorstehenden deutschen Angriff. Fast jede Nacht brachte einzelne Ge¬ fangene. Dabei wurde das bisher an der Rawka stehende deutsche XVII. Armeekorps als neuer Gegner ermittelt. In der Nacht zum 11. Juli wurde endgültig festgestellt, daß sich die Deutschen näher heranarbeiteten, auch die Breite des deutschen Angriffs wurde vom Oberkommando der russischen 1. Armee richtig beurteilt. Es erwartete den Angriffsbeginn für den 12. Juli. An diesem Tage machte das Cinschießen der deutschen Artillerie so starken Eindruck, daß der 12. Juli in den Aufzeichnungen mancher Truppenteile als „Kampftag" hervorgehoben wurde. Mit den eigenen Abwehrvorbereitungen aber kam man zu spät. 0 Beute und Verluste siehe S. 299. 2) Als Unterlage für die Darstellung der Hergänge auf russischer Seite diente in erster Linie das Buch von Korolkow, „Przasnysz".