Die Wahl der Angriffsrichtung. 279 Narew bei Ostrolenka und Nowogrod wenig geeignet. General von Gall¬ witz war in Übereinstimmung mit seinem Generalstabschef, Oberst Mar- quard, „der Auffassung, daß vor einem so tiefen Stoß eine Abrechnung mit dem bei Przasnysz gegenüberstehenden Gegner, der russischen 1. Armee und besonders deren Kernstück, dem I. sibirischen Korps, erfolgt sein müsse und hierzu eine Entwicklung weiter westlich aus taktischen und Geländerücksichten vorzuziehen wäre". Diese Auffassung entsprach dem Angriffsplane gegen den Raum von Przasnysz, den General von Gallwitz dem Ober¬ befehlshaber Ost schon am 28. Juni vorgetragen hatte und der dann in die Denkschrift des Generals Ludendorff ausgenommen worden war. Er fand jetzt die Zustimmung des Oberbefehlshabers Ost, der es angesichts der Schwierigkeit der Aufgabe für bedenklich hielt, einen bewährten Armee¬ führer in der Ausführung allzusehr zu binden. Am Morgen des 3. Juli 3. gutt. teilte Generalleutnant Ludendorff dem Oberkommando Gallwitz mit, „daß das Ziel Siedlce zunächst zurückzutreten hätte, ein taktischer Erfolg unbe¬ dingt im Vordergründe stände'"), denn er war Vorbedingung für jede weiterreichende operative Wirkung. Die Armee-Gruppe solle „in Richtung Pultusk vorstoßen", wurde an diesem Tage der 9. Armee mitgeteilt, die als weitere Verstärkung % XI. Armeekorps (38. Infanterie-Division) stellen sollte. Damit verfügte General von Gallwitz im ganzen über zehn angriffs¬ kräftige Divisionen, was nach Ansicht des Oberbefehlshabers Ost aus¬ reichend war. Die Weisungen des Oberbefehlshabers Ost für die bevorstehenden Operationen lauteten2): „1.) 11. und österreichisch-ungarische 4. Armee bleiben im Vormarsch in nördlicher Richtung. Armee-Abteilung Woyrsch deckt gegen Iwangorod und Pilica-Mündung und wird, wenn der Feind zurückgeht, in dieser Richtung folgen. — 2.) 9. Armee hat zunächst Polen links der Weichsel unter Festhalten des linken Flügels an der Weich¬ sel und im Bedarfsfälle unter Aufgeben der Verbindung mit Armee-Abtei¬ lung Woyrsch zu decken. Sollte die 2. russische Armee zurückgehen, so hat 9. Armee zu folgen und den Abschluß von Warschau—Nowogeorgiewsk auf dem linken Weichsel-Afer zu bewirken. — 3.) Der Schwerpunkt des Ost¬ heeres liegt bei der Armee-Gruppe Gallwitz. Sie hat nach Ein¬ treffen der Verstärkungen die russische 1. Armee zu durchbrechen und zu schlagen und weiterhin durch Vormarsch gegen Nowogeorgiewsk—Szkwa- Mündung einen entscheidenden Druck gegen diese Linie der russischen Nord- x) von Gallwitz, S. 264. 2) Tag der Ausgabe nicht sicher festzustellen, vermutlich aber vor dem 5. Juli.