268 Der Angriff des Oberbefehlshabers Ost gegen die russische Narew-Front. 29. und da er drei vorbereitete Stellungen, zuletzt die von der Weichsel nördlich der so. Zum. Piliea-Mündung über Piaseczno—Nadarzyn—Blonie laufende, überwinden müßte. Herausziehen weiterer Kräfte der 9. Armee ist deshalb vom 2. Juli ab angeordnet. Auch auf eine Verstärkung und Offensive der Armee-Gruppe Gallwitz habe ich verzichtet. Ob nun der Stoß in Gegend Osowiec, in Gegend Kowno oder noch nördlicher erfolgen wird, mache ich von den bereits angeordneten Erhebungen abhängig. Meinen endgültigen Entschluß werde ich baldmöglichst melden. Ich bitte um Mitteilung, auf wieviel Landsturm-Regimenter ich rechnen kann und wann sie eintreffen würden." Statt des Angriffs bei Kowno und nördlich des Rjemen konnte, wie General Ludendorff später schrieb^), auch ein solcher über Osowiec— Grodno, vielleicht auch noch über Lomza in Frage kommen, wie er schon im Anschluß an die Winterschlacht geplant gewesen war. Solche Offensive konnte entscheidende Wirkung haben, sie führte „auf räumlich kürzestem Wege in den Rücken des aus Ostgalizien zwischen Weichsel und Bug zurückweichenden russischen Heeres". Gerade deshalb war aber auch mit „ernstem Widerstand in der taktisch schon an und für sich sehr starken und vermutlich auch stark besetzten Linie Osowiec—Grodno" zu rechnen, und es fragte sich daher sehr, ob der Angriff über die breite Sumpfniederung des Vobr Aussicht auf Erfolg haben könne. Bevor sich der Oberbefehls¬ haber Ost endgültig entschied, berief er die Generalstabschefs der für den Angriff in Frage kommenden Armeen (Armee-Gruppe Gallwitz, 8., 10. und Rjemen-Armee) auf den 30. Juni nach Lötzen, um sie über die Angriffs¬ möglichkeiten in ihren Abschnitten zu hören. Dabei legte Oberst Graf von Schwerin') für die 8. Armee dar, daß der Angriff bei Osowiec der Geländeverhältniffe wegen nicht möglich sei; er empfahl die Offensive auf Lomza und westlich. Diese Zwischenlösung wurde aber nicht weiter erörtert'), vielmehr sprach sich Generalleutnant Ludendorff unter diesen Umständen entschieden für die Offensive im Rjemen-Gebiet und gleichzeitige Durchführung des gegen Kowno beabsichtigten überraschenden 9 Erinnerungen, S. 114. — -) Mitteilung des Generalmajors a. D. Grafen von Schwerin vom Sommer 1931 an baß Reichsarchiv. 3) Rach einer Mitteilung des Generals Ludendorff vom Dezember 1931 an das Reichsarchiv sei das dortige teils tief sandige, teils sumpfige und äußerst wegearme Waldgelände nach den Erfahrungen der Frühjahrskämpfe als ungeeignet für die Be¬ reitstellung größerer Truppenmaffen bekannt gewesen. Dieselbe Auffassung vertritt General von Gallwih (S. 278 f.), während General Graf Schwerin in einer Zuschrift vom Sommer 1931 an das Reichsarchiv die Verhältnisse günstiger beurteilt und meint, daß eine große Offensive auch gegen die Front Rowogrod—Lomza ausführbar ge¬ wesen wäre.