C. Der Eingriff des Oberbefehlshabers Ost gegen die russtsche Narew-Front. J. Die entscheidende Besprechung am 2. Juli in Posen. Karten 5 und 6, Skizze 19. Ende Mai. Je mehr sich der Angriff in Galizien zum großen Entscheidungskampfe auswuchs, um so stärker hatte der Oberbefehlshaber O st das Ve- dürfnis empfunden, bei ihm mitzuwirken, soweit es die eigenen Kräfte irgend gestatteten. Diese reichten aber für größere Angriffsunternehmungen keines¬ falls aus, sofern nicht die Oberste Heeresleitung wenigstens die nötige Munition zur Verfügung stellte; auch schrumpften sie durch Abgaben an die galizische Front und durch Herausziehen von Einheiten für neue Divisionen4) immer mehr zusammen. Der Ablenkungsfeldzug nach Litauen und Kurland und die Gasangriffe der 9. Armee waren unter solchen Verhältnissen das Äußerste gewesen, was geleistet werden konnte. Nach Durchführung der letzten, noch in Aussicht stehenden Abgaben konnte der Oberbefehlshaber Ost an seiner rund 850 Kilometer langen Front im ganzen nur noch mit etwa 34 Divisionen rechnen, die meist nur neun Bataillone zählten, während etwa 50 russische Divisionen zu 16 Bataillonen gegenüberstanden. Nach dem Eintritt Italiens in den Krieg hatte General von Falken¬ hayn ^ am 28. Mai die Stellungnahme des Oberbefehlshabers Ost zur Weiterführung der Gesamtoperationen gegen Rußland erbeten, in der Auf¬ fassung, daß die Russen ihre Anstrengungen in nächster Zeit lediglich darauf richten würden, einerseits Libau wieder in die Hand zu bekommen, anderer¬ seits Warschau sowie Ostgalizien mit Przemysl und Lemberg nicht wieder zu verlieren. Die „zwischen diesen Brennpunkten" liegenden Fronten werde der Feind rücksichtslos von Kräften entblößen und sei auch schon im Begriff, dies durchzuführen. Man müsse also mit schweren Kämpfen an den ge¬ nannten drei Stellen rechnen. Der Generalstabsches hoffte aber, daß Libau noch für längere Zeit gehalten werden könne. Gegen Warschau dachte er mit Hilfe des damals noch bevorstehenden Gasangriffes') weiter zu kommen. Der Lage in Galizien wollte er durch Angriffe an anderer Stelle „indirekt Erleichterung" bringen. Dazu führte er aus4), daß die Narew-Front in dieser Verbindung keine Rolle spiele; jede Offensive könne dort durch schwächere Kräfte leicht zu unabsehbarem Aufenthalt gebracht werden. 0 S. 18, 117, 121 f. — 2) S. 10. — 3) S. 133 ff. — *) S. 200.