Vorschlag des Obersten von Seeckt zum Einschwenken nach Norden. 243 fanterie-Division zur Südarmee bereit. Die Anordnungen hierzu ergingen am Nachmittage des 14. Juni. Am 15. Juni legte der Generalstabschef der 11. Armee, Oberst von Seeckt, in einer der deutschen Obersten Heeresleitung unterbreiteten Beurteilung der Lage dar, wie Generaloberst von Mackensen sich die Fort¬ führung der Gesamtoperationen auf dem galizischen Kriegsschauplatz nach der erhofften und erstrebten Durchbrechung der feindlichen Stellungen west¬ lich und nordwestlich von Lemberg dachte. Der Stoß der 11. Armee sollte dann noch so weit nach Osten fortgesetzt werden, daß der größte Teil der in Galizien befindlichen russischen Kräfte von der Hauptmaste ihres Heeres abgesprengt wurde. Eine Einkreisung namhafter Kräfte auf dem nördlichen Ufer des Dniester durch umfastendes Vorgehen östlich und nördlich von Lem¬ berg hielt Oberst von Seeckt bei frühzeitig erfolgendem Rückzug des Feindes nicht für wahrscheinlich, doch hoffte er, starke Teile durch kräftigen Druck gegen die von Lemberg nach Norden führenden Straßen in östlicher und nordöstlicher Richtung abdrängen zu können. Damit sah er die Aufgabe der 11. Armee nach dieser Seite hin als voraussichtlich beendet an. Das weitere Zurückdrängen des Feindes in Galizien nach Nordosten und Osten sollte der ö.-u. 7. Armee und der Südarmee zufallen. Für den gesamten linken Heeresflügel, die 2., 11. und 4. Armee, schlug Oberst von Seeckt Einschwenken nach Norden vor. „Das Ziel dieser Operation", so hieß es in dem Schreiben, „wäre dann das Vorgehen der 2. und 11. Armee zwischen Bug und Weichsel gegen die Linie Brest Litowsk—Warschau, während die 4.Armee beiderseits der Weichsel vorgeht. Damit wäre die Entscheidung gegen die russische West - und Nord¬ west front herbeizuführen." Hier wurde zum ersten Male der große operative Gedanke ausge¬ sprochen, der dann später, wenn auch unter veränderten Umständen, Wirk¬ lichkeit werden sollte. General von Falkenhayn stand ihm in diesem Zeit¬ punkt noch sehr zurückhaltend gegenüber, wie seine Randbemerkung zu dem letzten Satz des Schreibens des Obersten von Seeckt beweist: „Ein schöner Gedanke! Aber?" Der hierin ausgedrückte Zweifel des Leiters der Ge- samtoperationen an der Möglichkeit, nach Abschluß der zur Zeit noch im Gang befindlichen Operationen in Galizien eine neue, weitzielende Offen¬ sive auf dem östlichen Kriegsschauplätze einzuleiten und durchzuführen, ent¬ sprang vornehmlich der Sorge um die Aufrechterhaltung des Widerstands¬ vermögens der deutschen Westfront, gegen die gerade jetzt wieder an mehreren Stellen neue schwere Angriffe bevorzustehen schienen*). General *) S. 87. 16*