200 Der Sommerfeldzug der Verbündeten in Galizien. 29. Mai. noch bedenklicher ist, als sie es schon bisher war. Dennoch scheint mir die unmittelbare Verstärkung unserer Truppen dort nicht angezeigt zu sein. Nur durch Einsah von außerordentlich viel Vlut und Munition würde an einen Erfolg zu denken sein. Wir haben aber allen Anlaß, mit beidem sparsam umzugehen. Näher liegt es, eine Operation gegen die durch Her¬ ausziehen von Verbänden geschwächten Teile der feindlichen Front in Rechnung zu ziehen, um indirekt Erleichterung zu bringen. Da die Narew- Front in dieser Verbindung keine Rolle spielt, auch jede Offensive dort selbst durch schwächere Kräfte am Sumpfabschnitt leicht zu unabsehbarem Aufenthalt gebracht werden kann, kommt, wie der General Ludendorff bei seiner Besprechung mit mir ja auch erwähnte, nur die Weichsel-Front südlich der Pilica in Frage. Nach meiner Ansicht unterliegt es keinem Zweifel, daß ein Einsatz von drei bis vier frischen Divisionen die dortige dünne russische Linie durchstoßen, zum völligen Wanken bringen und wahr¬ scheinlich mit dem Gegner gleichzeitig das rechte Weichsel-Ufer abwärts der San-Mündung erreichen würde. Damit würde auch die San-Linie für die Nüssen unhaltbar gemacht werden. Der Aufmarsch der vier Divisionen könnte verhältnismäßig schnell und überraschend ... erfolgen .. ." Der O berbesehlshaber Ost stimmte diesen Ausführungen noch am gleichen Tage in sachlicher Hinsicht zu, erklärte sich indessen außerstande, über die ihm bereits auferlegten Abgaben hinaus neue Kräfte zur Ver¬ fügung zu stellen1). Aus der am 29. Mai eintreffenden schriftlichen Stellungnahme des Armee-Oberkommandos Woyrsch ging hervor, daß dieses bei einer Verstärkung um drei Infanterie- und eine Kavallerie-Division zwar einen Durchbruch über Ostrowiec gegen die Brückenköpfe von Dembno und Iozefow bis zur Weichsel für möglich hielt, hingegen die Fortführung des Stoßes jenseits des Stromes bis zur wirksamen Entlastung der galizischen Front mit Rücksicht auf die von Iwangorod her zu erwartende Flanken¬ bedrohung als zweifelhaft ansah. Oberstleutnant Heye vertrat diesen Stand¬ punkt auch tags darauf bei einer Aussprache in Pleß. Im Gegensatz zur Auffassung des Generals von Falkenhayn hielt der Chef der Opera¬ tionsabteilung, Oberst Tappen, den Einsatz von Verstärkungen bei der bisher siegreichen 11. Armee für wirkungsvoller als im Befehlsbereich des Generalobersten von Woyrsch. Cr betonte, daß die Rüsten in Galizien, obwohl sie sich an Zahl erheblich vermehrt hatten, doch unter dem lähmenden Eindruck ihrer bisherigen Niederlagen bereits stark zermürbt seien und hier am leichtesten entscheidend getroffen werden könnten. In