Durchbruch des XXXXI. Reservekorps. 163 Mutmaßungen über Przemysl schwankten. Bei der 11. bayerischen Infan¬ terie-Division glaubte man zunächst an eine starke Besetzung des Fort¬ gürtels. Dann gewann man den Eindruck, daß keine namhaften russischen Kräfte sich in der Festung befänden. Abgehörte Gespräche deuteten sogar auf ihre baldige Räumung hin. Andere Nachrichten besagten, die Russen wollten aus politischen Gründen die Festung unbedingt halten. Anfangs hatte beim Oberkommando der 11. Armee nur die Absicht bestanden, gegen die Nordfront schwere Artillerie zusammenzuziehen, einen Angriff auf die Festung selbst ohne besonderen Befehl nicht durchzuführen'). Als dann jedoch der Gedanke einer gewaltsamen Wegnahme in Erwägung gezogen worden war, hatte General von Kneußl einen Angriff auf die Nordfront vorgeschlagen. Bei der Neuverteilung der schweren Artillerie war diesem Gesichtspunkt bereits Rechnung getragen. Die 11. bayerische Infanterie-Division war zugleich angewiesen, falls sich die Räumung der Festung bestätigen sollte, sofort zuzufassen. Noch aber stand dem Einrücken in die für die Einschließung der Nordfront von Przemysl vorgesehene Linie Mackowice—Vatycze—Walawa der Feind in der Stellung hinter der Rada im Wege. Man hoffte, daß der Druck der Hauptmasse der 11. Armee nach Südosten auch diese Stellung zu Fall bringen würde. Am die 11. baye¬ rische Infanterie-Division für ihre neue Aufgabe zu stärken, wurde ihr rechter Flügel durch Kavallerie abgelöst. Die ö.-u. 3. Armee konnte den Beginn des ihr übertragenen plan¬ mäßigen Angriffs auf die Südwestfront von Przemysl wegen des späten Eintreffens der schweren Artillerie erst für den 28. Mai in Aus¬ sicht stellen. Noch lag dichter Frühnebel über der San-Niederung, als am 24. Mai 24. Mat. um 6° vormittags die Artillerie auf der ganzen Angriffsfront der 11. Armee mit dem Wirkungsfeuer einsetzte. Zeitgerecht um 8° vormittags begann der Sturm der Infanterie. Der zur Abwehr gerüstete Feind verfügte über eine an Zahl beträchtlichere und mit Munition reichlicher als bisher ausgestat¬ tete Artillerie. Auch aus dem Festungsbereich wirkten schwere Geschütze gegen die westlich des San angreifende Front mit. Das dort angesetzte XXXXI. Reservekorps stand daher vor einer schweren Aufgabe. Aber schon nach wenigen Minuten führte ein entschlossener Sprung den Cnt- scheidungsflügel der 82. Reserve-Division in die Schanzen östlich von Tuczepy und weiter gegen den Nordteil von Ostrow vor. Dieser Einwirkung von Norden erlag rasch auch die Front westlich von Ostrow. Am 825 vormittags bereits konnte General von Franyois melden: „Höhen westlich und nordwest- ') S. 147. 11*