132 Die Front des Oberbefehlshabers Ost bis zum 2. Juli. Übermacht bei schärferer Zusammenfassung der deutschen Kräfte Entscheiden¬ des oder auch nur wesentlich Besseres erreicht werden konnte, steht dahin. Cs zeigte sich immer wieder, daß die Stoßkraft der eingesetzten Truppen nicht ausreichte zu Schlägen, die rasch in die Tiefe durchdrangen. Gestützt auf seine Eisenbahnen konnte der Gegner seine Truppen verhältnismäßig rasch verschieben, bequem versorgen und rechtzeitig die bedrohten Stellen stützen, während auf deutscher Seite jeder Mann, jede Granate und jede Ver¬ pflegungsportion von der deutschen Bahn etwa 100 Kilometer Landweg zurückzulegen hatte, um an die Front zu kommen. Z. Ereignisse bei der 9. Armee, Armee-Gruppe Gallwiy und 8. Armee im Mai und Juni. Karten 5 und 6, Skizze 12. Anfang Mai. Nach dem Siege von Gorlice und dem deutschen Einbruch in das Ge¬ biet nördlich des Njemen hatte man bei der 9. A r m e e1) mit gespanntester Aufmerksamkeit auf den Augenblick gewartet, wo sich diese Erfolge auch an der weit nach Westen vorspringenden Russenfront westlich der Weichsel auswirken würden. Eifrigste Lufterkundung, Patrouillentätigkeit und Über- wachung des feindlichen Funkenverkehrs ergaben jedoch nur das Bild ver¬ mehrter Bewegungen hinter den Stellungen bis zur Weichsel und boten keinen Anhalt dafür, daß der Gegner etwa zurückgehen wolle oder seine Front auch nur wesentlich schwäche. Er hielt seine Kampfstellungen nach wie vor besetzt. Einen starken Tagemarsch hinter diesen hatten Flieger bei Grojec und Vlonie seit langem stark ausgebaute rückwärtige Anlagen erkannt, die die Annäherung gegen die Weichsel und gegen Warschau verwehrten und nordwärts Anschluß an die große Festung Nowogeorgiewsk hatten. Anfang Mai wurde der Abtransport einer russischen Division^) be¬ kannt. Die zur Aufstellung eigener neuer Divisionen nötigen Abgaben hielten dem, was der Gegner etwa herauszog, zum mindesten die Waage. Die Frage, ob man nicht selbst zum Angriff übergehen könne, wurde ver¬ neint, da die Kräfte zu einer großen Offensive nicht ausreichten, kleine ört¬ liche Erfolge aber die auch dabei unvermeidlichen Opfer nicht lohnen würden. Vor allem fehlte es an Munition, da der Nachschub wegen des Mehrbedarfs anderer Fronten aufs äußerste eingeschränkt worden war. i2.bi8te.9Rot. Am 12. Mai hatte sich der Erfolg in Galizien so weit ausgewirkt, daß der Gegner auch vor der Armee-Abteilung Wohrsch^) zu !) S. 103 f. «. 106. — 2) 13. sib. Div. nach Galizien. — 3) Band VII, S. 434.