120 Die Front des Oberbefehlshabers Ost bis zum 2. Juli. d) Übergreifen der Kämpfe auf das Südufer des Njemen, 13. bis 24. Mai. IZ. bi» 16.Mai. Der Nordflügel der 10. Arme e1), der südlich des Njemen der großen Festung K o w n o gegenüber lag, hatte die Vorwärtsbewegung der Armee- Gruppe Lauenstein nur bis Schaki begleitet. Cr bestand nördlich der Bahn Insterburg—Kowno aus der 39. Kavallerie-Brigade und einigen Landsturm- Kompagnien, die eine mehr als 50 Kilometer breite Front sicherten. Zu¬ nächst hatte hier weiter Ruhe geherrscht. Seit dem 13. Mai aber schien sich der Gegner im Waldgebiete westlich der Festung zu verstärken und auch Kräfte vom nördlichen Njemen-Ufer heranzuziehen. Am 14. Mai drang er bis Schaki vor und damit bis tief in die Südstanke der deutschen Stellungen an der Dubissa. Generaloberst von Eichhorn rechnete mit starkem Angriff und traf umfangreiche Abwehrmaßnahmen. Zu. dieser Zeit war die russische Front in Südpolen bereits im Weichen2). Der Oberbefehlshaber O st erwartete, falls die Be¬ wegung auch auf den Raum nördlich der Pilica übergriff, als Vorbereitung dazu starke russische Entlastungsangriffe beiderseits des Njemen. So teilte er die Auffassung des Generalobersten von Eichhorn und setzte die 29. Land¬ wehr-Brigade von der 9. Armee und sonst verfügbare kleinere Teile zum Nordflügel der 10. Armee in Marsch. Zwischen der Kownoer Bahn und dem Njemen wurde die Grenzstellung als Rückhalt besetzt und mit Geschützen aus ostpreußischen Festungen ausgestattet; die einzige Reserve des Dubissa- Abschnittes wurde gegen den Njemen nach Iurborg verschoben. Da griffen die Russen am 15. Mai wider Erwarten bei der Armee-Gruppe Lauen st ein gegen die Dubissa an und setzten sich nördlich von Cjragola auf dem Westufer des Flusses fest. Die 10. Armee aber sah die Lage schon am 16. Mai sehr viel günstiger an als zwei Tage zuvor und wollte selbst zum Angriff übergehen, sobald nur alle Verstärkungen heran waren. Auch beim Oberbefehlshaber Ost empfand man „eine gewisse Erleichterung"2). Immerhin war es fraglich, ob die Kräfte ausreichen würden, auch die Front bei Schauten weiterhin zu halten. Zuerst sollte jedenfalls mit allen verfügbaren Kräften die Lage beiderseits des Njemen gefestigt und dazu auch die bei Schauten stehende 78. Reserve-Division eingesetzt werden. Der Oberbefehlshaber Ost war damit einverstanden, daß General von Morgen bei Fortdauer der starken russischen Angriffe noch weiter westwärts ausweiche. i7. bis ig.Mai. Der 17. Mai brachte Klarheit bei der 10. Armee. Der von General L i tz m a n n geleitete Angriff auf dem Nordflügel hatte Erfolg. Die an der Szeszupa von Pilwiszki bis Schillehnen und bei Iurborg bereit- . 0 S. 104, 106 u. 108. — 2) S. 132 f. — 8) Ludendorff, Erinnerungen. S. 115.