462 Von Gorlice bis Lemberg der Antransport des VI. Russenkorps (S. 445) nicht verborgen geblieben. Aber der Armeeführer, von hoher Zuversicht erfüllt, maß diesen ungün¬ stigen Mitteilungen weit weniger Bedeutung bei als den Fliegermeldun¬ gen über russische Rückmärsche auf der Straße Chodorów—Rohatyn, Bewegungen, die offenbar mit der Überstellung des XXI. Russenkorps hinter die Front der 11. Armee zusammenhingen (S.452). Die großen Erfolge, die die Südarmee seit Ende Mai errungen hatte, sprachen sich auch in den Beutezahlen aus. Die Armee hatte in diesem Zeitraum über 40.000 Gefangene und zwei Dutzend erbeutete Geschütze in die Etappe abgeführt. Der Gegenangriff der Russen bei Mikolajów und Zurawno Als am 8. Juni abends die Nachricht von der kampflosen Bezwin¬ gung Stanislaus im Armeehauptquartier zu Stryj eintraf, entschloß sich Linsingen, das Schwergewicht der weiteren Kriegshandlung auf das nördliche Dniesterufer zu verlegen. Er kam damit auch den Absichten des AOK. entgegen, das ihm tags zuvor mitgeteilt hatte, daß es er¬ wünscht wäre, auf dem Nordufer des Dniester starke Kräfte zusammen¬ zufassen und ,,den flußabwärts befindlichen Gegner aufzurollen". Dem¬ entsprechend lauteten die Weisungen Linsingens für den 9. Juni: Gerok hatte bei Mariampol, Hofmann bei Halicz das nördliche Dniesterufer zu gewinnen, die deutsche 1. ID. westlich von Halicz bisBursztyn vorzu¬ stoßen. Die Armee, in den letzten Tagen zum Vormarsch gegen Südosten aufgeboten, hatte nunmehr wieder scharf gegen Norden auf zuschwenken. Mit großen und sicherlich nicht ganz unberechtigten Hoffnungen be¬ gleitete die Armeeführung diese neue Phase des Feldzuges. Aber der Schlachtengott war nicht gesonnen, der Armee Linsingens seine ungetrübte Gunst zu schenken. Noch am 8. bereitete sich bei den Korps Szurmay und Bothmer eine Wendung vor, die namentlich bei jenem zu einer nicht unbedenklichen Krise führen sollte. Der Angriff Szurmays, über deckungsarmes und versumpftes Gelände gehend, war in¬ zwischen fortgesetzt worden. Er stieß nun aber schon auf den Gegen¬ schlag, den die Russen, die empfindlichste Stelle der ganzen galizischen Front der Verbündeten sehr wohl erkennend, mit Hilfe der frischen Truppen ihres VI. Korps bei 2ydaczow und Mikolajów ansetzten und den sie, durch Bothmers Vordringen nordöstlich von 2urawno besonders bedroht, bald über Bukaczowce ausdehnten. Zwar hatte sich die k. u. k. 71. IBrig. in der Nacht auf den 8. noch den Weg in die russischen Stel-