Zustimmung der Stawka zum Rückzug an den San und den Dniester 363 entsprechende Maßregeln. Die 4. Armee müsse in die von Wysmierzyce über Radom und Il±a gegen Józefów verlaufende „Radomer Stellung" zurückgenommen werden, die 8. in die Linie Przemysl—Turka—Zawadka. Von Przemysl sei nur die Ostfront feindwärts zu besetzen. Die 11. und die 9. Armee könnten vorerst angewiesen werden, den Druck auf den rechten Heeresflügel des Gegners fortzusetzen und so die Versamm¬ lung am San mittelbar zu unterstützen. Wie wenig Dragomirow auch der durch solche Verfügungen geschaffenen Lage traute, beweisen die in seinem Schreiben an Januschkiewitsch enthaltenen Vorschläge, man möge ehestens an die fortifikatorische Ausgestaltung von Brest-Litowsk, Kiew, Mohilew und anderen Punkten im Innern Rußlands schreiten. In der Stawka war man über Dragomirows Hoffnungslosigkeit ent¬ rüstet; er wurde wegen „nervöser Überreiztheit" seines Postens ent¬ hoben. Aber den Tatsachen, die Dragomirows Pessimismus verschuldet hatten, vermochte man sich nun auch in der Umgebung des Gro߬ fürsten-Generalissimus nicht länger zu verschließen. Der Zustand der 3. Armee „war zu jener Zeit hoffnungslos. Die Divisionen, des X. und das XXIV. Korps hatten einen Stand von je 1000 Mann; nicht besser war es um die Divisionen des III. kauk. Korps bestellt"1). Nur die beiden südlichen Korps wiesen noch einige Kampfkraft auf. Dimitriew hielt bei dieser Verfassung seiner Armee sogar die Behauptung des unteren San nur dann für möglich, wenn zwei bis drei frische Korps herangeführt wurden, und Dragomirow forderte in seiner Denkschrift nicht weniger als den sofortigen Einsatz der Ausbildungskaders samt ihren Offizieren in die Armeefront. Nun mußte sich auch der Großfürst-Generalissimus wohl oder übel herbeilassen, dem Rückzug an den San grundsätzlich zu¬ zustimmen; über den San und Dniester hinaus dürfe jedoch kein Schritt galizischen Bodens preisgegeben werden, vielmehr sei hinter dieser Linie alles aufzubieten, um das Südwestheer möglichst bald wieder angriffs¬ fähig zu machen. Die 4. Armee hatte im Anschluß an die 3. auch weiter¬ hin den Raum zwischen der Pilica und der Sanmündung verläßlich zu halten, die 11. und die 9. waren vorläufig zur Bindung des Gegners südlich des Dniester zu belassen, Przemysl in die neuen Linien einzube- ziehen, aber nicht als Festung, sondern nur als Teil der Feldstellung. Diese Weisungen beantwortete Iwanow dahin, daß es unvermeidlich sei, die 4. Armee sofort in die Radomer Stellung, mit dem linken Flügel sogar hinter die Weichsel zurückzunehmen; allerdings berge die Aus¬ dehnung der Armeefront auch dann die schwersten Gefahren, denen nur !) Boncz-Brujewitsch, II, 131.