284 Vom Zwei- zum Dreifrontenkrieg Italien und den Ententemächten unterzeichnet. Darnach sollte der neue Bundesgenosse binnen Monatsfrist in den Kampf gegen die Mittelmächte eintreten, wofür ihm bei entsprechendem Kriegsausgange Südtirol bis zum Brenner, Triest, Görz und Gradisca, Istrien bis zum Quarnero mit Einschluß von Volosca, Nord- und Mitteldalmatien samt Trebinje und den wichtigeren Adriainseln, außerdem Valona und Saseno und ein ge¬ bührender Anteil an einer etwaigen kleinasiatischen oder nordafrikani¬ schen Kriegsbeute zugesichert wurden. Der Papst durfte keinen mit dem Krieg oder dem Friedensschluß zusammenhängenden Verhandlungen bei¬ gezogen werden. Italien sollte zu entsprechender Frist dem von den drei Ententegroßmächten am 4. September 1914 gegen einen Sonderfrieden geschlossenen Vertrag beitreten. Italiens Rüstungen und Kriegs-pläne Das Hinausziehen der Verhandlungen in Wien und London war den Italienern aus militärischen Gründen gar nicht unangenehm gewesen. Bot es ihnen doch die Möglichkeit, die um die Jahreswende noch wenig fort¬ geschrittene Rüstung weiter zu vervollkommnen. Als Ende Juli 1914 die Fackel des europäischen Krieges lichterloh aufgeflammt war, hatte auch in den italienischen Generalstabsbureaus emsigste Tätigkeit geherrscht. Eben erst, am 27. des genannten Monats, hatte der seit vier Wochen durch das plötzliche Hinscheiden des Gen. Pollio verwaiste Generalstab in der Person des Conte Luigi Cadorna einen neuen Chef erhalten. Wenngleich lange nicht so dreibundfreundlich wie seine Vorgänger Saletta und Pollio, war er doch bestrebt, die durch den lybi- schen Krieg in Mitleidenschaft gezogenen Kriegsvorbereitungen im Geiste einer Erfüllung der 1913 wieder übernommenen militärischen Dreibund¬ pflichten zu überprüfen. Diese Pflichten bestanden in der Beistellung einer gegen Frankreich bestimmten Vogesenarmee von drei Armeekorps und zwei Kavallerie divisionen (Bd. I, S. 3) sowie in einer einheitlichen Verwen¬ dung der öst.-ung. und der italienischen Kriegsflotte unter dem gemein¬ samen Oberbefehl des öst.-ung. Admirals1). Cadorna schlug dem König sogar vor, die für den Anschluß an die deutschen Armeen bestimmten Heereskörper noch um weitere Korps zu verstärken2). Bezeichnender- *) Kriegsarchiv (Marinearchiv), Österreich-Ungarns Seekrieg 1914—1918 (Wien 1929/31), 43 f. 2) Cadorna, Altre pagine sulla grande guerra (Mailand 1926), 15 ff. Siehe auch Gatti, L'ultimo atto militare italiano della triplice allianza (Rassegna italiana, Rom, Dezember-Heft 1923), 764 ff.