Neujahrsbesprechung in Berlin 93 Amtsräumen des preußischen Kriegsmmisteriums stattfand, nahm auch General Ludendorff teil1). Bei dieser Gelegenheit wies Conrad abermals darauf hin, daß in Frankreich „alles festgefahren'4 sei und nur im Osten durch den Einsatz von sechs deutschen Divisionen zwischen der deutschen 9. Armee und der Armeeabteilung Woyrsch ein Erfolg erzielt werden könnte, der sich auch auf die Gesamtlage günstig auswirken würde. Als Ludendorff hingegen unter der Voraussetzung, daß dem Ostheere die in der Aufstellung be¬ griffenen neuen Armeekörper zugeführt würden, einen Stoß aus Ost¬ preußen gegen Bielostok vertrat, waran sowohl Conrad als auch Falken¬ hayn der übereinstimmenden Meinung, daß ein solcher bei den in Betracht kommenden großen Entfernungen keinen Einfluß auf die Lage in Westpolen üben könnte. Ludendorff kam hierauf mit einem neuen Vorschlage. Da die Fortführung des Angriffes an der Front Mackensens nicht mehr aussichtsreich scheine, sei er bereit, dem öst.-ung. Heere drei bis vier Divisionen der deutschen 9. Armee zur Verfügung zu stellen. Freudig nahm Conrad das Anerbieten an und entwickelte sogleich seine Absicht, die deutschen Divisionen zur Ablösung der Armee Böhm-Ermolli zu verwenden und nach deren Einsatz östlich von der k. u. k. 3. mit beiden Armeen zur Rechtsumfassung Brussilows aus den Karpathen hervorzu¬ brechen. Aber auch gegen den Abänderungsvorschlag Ludendorffs, die k. u. k. 2. Armee lieber in Polen zu lassen und die deutschen Truppen an der geplanten Offensive teilnehmen zu lassen, äußerte er keine Bedenken. Falkenhayn verhielt sich jedoch gegen eine Karpathenoperation völlig ablehnend. Nicht nur, daß die Geländeschwierigkeiten nahezu unüber¬ windlich seien, besitze der Russe überdies den Vorteil besserer Verbin¬ dungen und würde durch rasche Kräfteverschiebungen jedem Schlage zuvorkommen. Der Frontalangriff in Westpolen erschien dem General als das zweckmäßigste Unternehmen. Unter dem Eindrucke, daß dieser Gedanke allseitige Billigung gefunden habe, kehrte er in das Große Hauptquartier zurück. Schon am folgenden Tage erhielt Conrad von ihm die Mitteilung, daß sich Kaiser Wilhelm mit der Stellungnahme Falkenhayns insofern einverstanden erklärt habe, als die Abgabe von Kräften aus dem Westen zurzeit unmöglich und die Frage der Verwendung der neuaufgestellten deutschen Korps erst in drei Wochen spruchreif sei. Doch ergehe an das 1) Die Angaben über diese Verhandlungen sind unter anderem auch einer vom deutschen Reichsarchiv bearbeiteten Studie „Die deutsche Südarmee. Anfang Januar bis Anfang Juli 1915" entnommen.