17 Der Bahnhof liegt tot und verlassen. Die Lokomotiven stehen gleich schwarzen, trägen Untieren umher. Auf dem Platz vor dem Bahnhof hockt auf hölzernem Sockel ein zerschossener Tank wie eine schlummernde Kröte. Zehn Schritt von ihm entfernt richtet ein alter Einundzwanzig- Zentimeter-Mörser sein Rohr schläfrig gegen den Mond über dem Kemmel. Diese beiden sind ungefährlich und tot, und bei Tage spielen die Kinder darin Verstecken. Sie stehen da inmitten 'einer neu erstandenen Stadt und ärgern sich vor Langeweile. Es ist, als ob sie nicht einzusehen vermöchten, warum man sie nicht verschrottet wie ihre Kameraden, und warum sie hier kauern müssen, den Kindern ein Spielzeug, den Fremden ein Betrachtungsobjekt, sagenhafte Überbleibsel einer wilden Zeit. Nachts aber, bei Mondschein, wenn rings in den Feldern, am Kanal, an der Majorgraacht und am Bahndamm ein gespenstisches Leben er- wacht. . . wenn alle diese neuerbauten Häuser, dieser Bahnhof, diese glitzernden Eisenschienen, diese Laternen und Schuppen, wenn alles dies von unsichtbarer Hand fortgeweht wird und an seine Stelle dieser dunkelbraune zerwühlte Erdboden tritt, von zahllosen Wasserlachen über- säät . . . nachts aber, bei Mondschein, geht ein Räkeln durch die beiden Schlummernden. Ein Stöhnen, Knarren und Ächzen beginnt, das schaurig über den Platz dringt. Flandern 1917. 2