15 sind von etwa hunderttausend eingemeißelten Namen. Hinter jedem Namen ein Datum. Hinter jedem Datum eine Zahl, die das Lebens- alter angibt. Es ist das Tor von Meenen, das n e u e Tor, ein gewaltiges Denk- mal, den Engländern errichtet, die um Vpern starben, in jener mörde- rischen, vier Monate währenden Schlacht. Hinter dem Tor biegt nach rechts ein Weg ab und führt im Kreise um Bpern, zwischen sich und der alten Stadtmauer das dunkle Wasser der Majorgraacht. Die Mauer ist zerborsten und zersplittert. Rund ausgebaucht sind die Spuren der schweren Granaten, die gegen sie geprallt. In der Graacht spiegelt sich der Mond lautlos, unbewegt und klar. Das Wasser stinkt faulig wie nach Leichen. Oben auf der Bastei über der Mauer wandeln Arm in Arm, eng aneinandergepreßt, die Liebespärchen, die sich vom grooten Platz zurückgezogen haben. Vom Land her kommt kaum ein Laut. Nur ein Hund bellt irgendwo in der Ebene den Mond an mit langgezogenem Geheul. Frösche quaken im Schilf am Rande der Graacht. Weit entfernt klingt der Lärm vom grooten Platz. Das macht die Mauer, die dazwischen liegt und über deren Rand nur die Giebelspitzen der neuen Häuser lugen. Hier ist die äußerste südöstliche Bastei. Die Lichter dort drüben müssen von Zillebeke stammen. In der Ferne schleicht ein Eisenbahnzug mit erleuchteten Fenstern südwärts nach Houthem. Der Weg, die Graacht und die Mauer biegen scharf nach Westen um. Die Graacht verbreitert sich stattlich. Oben von der Bastei herab dehnt ein riefen- Haftes Kreuz feine weißen Arme im Mondlicht. Es ist die äußerste Spitze des Engländerfriedhofes, der jenen Stadtteil innerhalb der Mauer ausfüllt. Man müßte nun den Totenfinger auf dem Kemmel sehen können. Aber die Nacht ist kalt und sammelt Nebel in allen Niederungen. Blickt man ruhig auf das Wasser der Graacht, so kann man beobachten, wie der weiße Hauch lautlos der Fläche entsteigt und sich langsam in Be- wegung setzt, dem Lande zu, wo noch mächtige, grasüberwucherte Erd- löcher zeugen von dem, was vor zehn Iahren hier war. Die Nebel, die der Graacht entsteigen, sammeln sich hundert Meter abseits im Felde, lagern sich in den Erdlöchern und stehen frierend um das Gestrüpp, das hier wuchert. Dort stehen sie geduldig und warten, und immer neue steigen aus der Graacht und gesellen sich langsam zu