282 IX. Abschnit t. Die Pröpste des achtzehnten Jahrhunderts bis zur Auflösung des Stiftes, vom Propste Hercutan Katchgrnber bis zum Tode des Propstes Ambros Kreuzmayr, von 1707—1810. Den 1. März schritt das Kapitel zur Vornahme der Wahl eines neuen Propstes, die auf den seitherigen Stistsdekan Her- culan Kalchgruber (1707 — 1734) fiel, der von Rosenheim gebürtig, 42 Jahre alt war und ans besonderer Gnade sogleich am folgenden Tage im Stifte selbst benedicirt wurde. Bei dem vor der Wahl üblichen Serutinium wurden von dem Kapitel mehrere Beschwerden vorgebracht, deren Abhilfe dem neuerwählten Propste vom Bischöfe aufgetragen wurde, als: 1. daß das Silentium nicht genügend beobachtet, 2. wenig Auf¬ sicht auf die Klausur bei der großen Klosterpforte gepflogen, 3. für die Pflege der Kranken geringe Sorgfalt und Liebe getragen, 4. bei Tisch fortwährend Schweinfleisch gegeben werde, da doch auch Kälber und Lämmer aus dem eigenen Meierhofe zu haben wären, 5. daß die freie Disposition des Propstes in den Tem¬ poralien zu weit ausgedehnt und das Kapitel selbst in den wich¬ tigeren Angelegenheiten nicht gefragt werde, 6. daß ber Keller einem Laien anvertraut sei und 7. endlich, daß die jüngeren Kle¬ riker ihre Studienjahre zu Hause in Unthätigkeit hinbringen und nicht zu ihrer besseren Ausbildung aus auswärtige Lehranstalten gesendet werden. Unter der Leitung dieses Propstes, der bei seiner Frömmig¬ keit, Sanstmuth und Klugheit, die ihn auszeichneten, allenthalben sehr beliebt und recht wirtschaftlich war, erholte sich das Stift bald wieder von den im letzten Kriege erlittenen Unfällen. Auf seine Bitte bestätigte Kaiser Karl VI., der seinem am 17. April 1711 verstorbenen Bruder Joseph in der Regierung Oesterreichs und aus dem Kaiserthrone nachgefolgt war, am 27. Juni 1713 zu Wien dem Stifte dessen Besitzungen in Oesterreich, sowie alle Mauth- und andern Privilegien und Freiheiten, die es von seinen