Hs.-69: Sermones, 14. Jh.

Wissenschaftliche Bearbeitung: Rischpler, Susanne

Literatur

  • Konrad Schiffmann, Die Handschriften der Öffentl. Studienbibliothek in Linz [maschinschriftlich]. Linz 1935, Nr. 269 [online]
  • Konrad Schiffmann, Die Handschriften der Öffentl. Studienbibliothek in Linz (nicht seitenkongruente Abschrift der maschinschriftlichen Fassung Linz 1935 als PDF-Datei mit Nachträgen und neuen Signaturen) [online]
  • manuscripta.at (http://manuscripta.at/?ID=34164)

Beschreibung

Die vorliegende Beschreibung wurde im Rahmen des vom Forschungsfonds FWF finanzierten Forschungsprojektes „Katalog der illuminierten Handschriften der OÖ Landesbibliothek: ca. 1220-1400“ (P 26172, Leitung Dr. Katharina Hranitzky) verfasst. Die Beschreibweise richtet sich nach den Richtlinien, die im Rahmen der Katalogisierung der illuminierten Handschriften und Inkunabeln der Österreichischen Nationalbibliothek in Wien erstellt wurden und denen auch die Beschreibungen im gedruckten „Katalog der illuminierten Handschriften, Inkunabeln und Frühdrucke der Oberösterreichischen Landesbibliothek in Linz“ (Bd. 1/1) folgen. Dementsprechend liegt der Schwerpunkt der Beschreibung auf der Analyse und der kunsthistorischen Einordnung des Buchschmucks. Eine aktualisierte, gedruckte Version des vorliegenden Textes wird in Bd. 2 des gedruckten Linzer Katalogs publiziert sein.
Für Cod. 69 wurde die Beschreibform der Kurzbeschreibung gewählt. Das Inhaltsverzeichnis folgt der Beschreibung Konrad Schiffmanns.


Cod. 69

Sermones

Bairisch-österreichischer Sprachraum (Niederösterreich?), 2. Drittel 14. Jahrhundert

Pergament; ff. 1 bis etwa 57 linke untere Folioecke fleckig und wellig, ebenso in der zweiten Hälfte der Handschrift die oberen Seitenkanten (Wasserschaden?). • 269 gezählte Blätter • 15,5 x 11/12 cm • Ältere gotische Kursive, s. K. Schneider, Paläographie / Handschriftenkunde. Tübingen 1999, 59–62 (diese Kursive vor allem im 2. und 3. Viertel des 14. Jahrhunderts in Gebrauch), sowie freundliche Mitteilung Dr. M. Roland, ÖAW, Wien: heterogene, von überregionalen (italienischen?) Schriftphänomenen beeinflusste Ausprägung dieses Schrifttyps, wohl 2. Hälfte 14. Jahrhundert; ein Hauptschreiber (vor allem gegen Ende der Handschrift mit uneinheitlichem Duktus): ff. 1r228v und 231r269v; Inhaltsverzeichnis ff. 229v230r sowie die ergänzten Texte f. 230r und 230v von zwei bis drei weiteren Händen.


EINBAND

Brauner Halbledereinband über Holzdeckeln mit einfacher Streicheisengliederung. Der Vorderdeckel längs gebrochen, Schließe entfernt. Der nicht überzogene Teil des Hinterdeckels erneuert, darauf unten (auf dem Leder) Teile von aufgeklebtem Papierschild (?) mit rotem Beschriftungsrest (?). Der Rücken beschädigt. Hinterer Spiegel: Pergamentfolio aus einer liturgischen Handschrift (11. Jahrhundert, s. Schiffmann; darunter noch ein weiteres Pergamentfolio erkennbar), f. 229v (Inhaltsübersicht) Pergament-Blattweiser.


PROVENIENZ

Deutsches Texteinsprengsel auf dem Seitenfuß von f. 248r (Inc.: Unser Herre hat …): bairisch-österreichischer Sprachraum (laut freundlicher Mitteilung Dr. Ch. Glaßner, ÖAW, Wien). – Spätestens seit dem 18. Jahrhundert im Besitz des Augustiner-Chorherrenstifts Suben: Besitzvermerk Coenobii Subensis auf dem vorderen Spiegel.


BUCHSCHMUCK UND EINORDNUNG

Rubrizierung; wenige rote Lombarden. Foll. 1r, 41v, 121r, 129v und 180v zweizeilige Goldlombarden mit roter Kontur (f. 1r das Gold teilweise abgerieben) und blauem Fleuronné (f. 129v rot, f. 121r ohne Fleuronné-Dekor); in den Binnenfeldern in der Regel Perlen und langstielige Knospen, als Besatz Konturlinien, die in Fadenausläufer übergehen, welche sich über die gesamte Seitenhöhe erstrecken und mit Perlen (im Wechsel mit bzw. bekrönt von kleineren Perlen), langstieligen Knospen und Voluten besetzt sind; f. 180v vierteilige, in ein Quadrat eingeschriebene Blüte als Besatz und kleine Eicheln als Endmotive der Fadenausläufer.

Verwandtes Fleuronné begegnet in einer Gruppe von Handschriften, die von Regina Cermann um s’Heerenberg, Huis Bergh, Hs. 52 gebildet worden ist (vgl. künftig R. Cermann, Das Stundenbuch deutsch, unter Abschnitt II.25 und Kat. 4, in Vorbereitung). Weil eine dieser Handschriften die Datierung 1334 trägt und eine andere annähernd datierbar ist (um 1330), kann diese aus insgesamt fünf Codices bestehende Einheit wohl am ehesten in das 2. Viertel bzw. 2. Drittel des 14. Jahrhunderts gegeben werden. Die Initialen in Cod. 69 weisen vor allen Dingen durch den Perlreihenbesatz mit kleinen Zwischenperlen, durch die Fadenausläufer, in deren Gefüge einzelne Fäden an zwischengeschalteten Perlen neu ansetzen, und durch die kleinen Eicheln an den Ausläuferenden große Ähnlichkeit zu den kleineren und einfacheren Fleuronné-Initialen der erwähnten Gruppe auf. Da die Handschriften Fingerzeige auf eine Entstehung in Niederösterreich bergen, konkretisiert sich der durch die Schriftsprache der deutschen Einsprengsel gegebene Lokalisierungshinweis – mit Vorbehalt – in diese Richtung.


LITERATUR

Siehe DIE Liste oberhalb der Beschreibung


Beschreibung von Susanne Rischpler, Erstversion 25. 8. 2017

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