Literature

  • Konrad Schiffmann, Die Handschriften der Öffentl. Studienbibliothek in Linz (masch.), Linz 1935, S. 154-156. [online]
  • Konrad Schiffmann, Die Handschriften der Öffentl. Studienbibliothek in Linz (nicht seitenkongruente Abschrift der maschinschriftlichen Fassung Linz 1935 als PDF-Datei mit Nachträgen und neuen Signaturen). [online]
  • Harry Kühnel, Die Leibärzte der Habsburger bis zum Tode Kaiser Friedrichs III. Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 11 (1958) 1-36, hier: 16 Anm. 68.
  • Alphons Lhotsky, Quellenkunde zur mittelalterlichen Geschichte Österreichs (Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung Ergänzungsband 19). Graz 1963, 209.
  • Lincien. Confirmationis Cultus ab Immemorabili Tempore Praestiti Servo Dei Bertholdo primo Abbati Monasterii Garstensis O.S.B. 'Sancto' nuncupato (+ 1142). Positio super casu excepto ex officio concinnata (Sacra Rituum Congregatio Sectio Historica 125). Vatikan 1964, 11f., Nr.e.
  • Walter Berschin, Theodor Klüppel, Die Reichenauer Heiligblutreliquie. Mit e. Geleitwort v. Münsterpfarrer Alfons Weisser. Konstanz 1988.
  • Katharina Hranitzky–Michaela Schuller-Juckes–Susanne Rischpler, Vielseitig! Spätgotische Bücherschätze aus oberösterreichischen Sammlungen. Katalog zur Ausstellung in der Oberösterreichischen Landesbibliothek in Linz vom 17. November 2015 bis 27. März 2016 (Buchmalerei des 15. Jahrhunderts in Mitteleuropa 9). Luzern 2015, 54 (Kat. 21 [S. Rischpler]); 55 [Farbabb. von 311r].
  • Handschriftencensus, Nr. 12588 (G. Kornrumpf, 2017) [online]
  • Susanne Rischpler, Beschreibung von Linz, Oberösterreichische Landesbibliothek, Cod. 503 (Schiffmann 191) im Rahmen des vom Forschungsfonds FWF finanzierten Forschungsprojektes 'Katalog der illuminierten Handschriften der OÖ Landesbibliothek: ca. 1220-1400' (P 26172). [online]

Description

Die vorliegende Beschreibung wurde im Rahmen des vom Forschungsfonds FWF finanzierten Forschungsprojektes „Katalog der illuminierten Handschriften der OÖ Landesbibliothek: ca. 1220-1400“ (P 26172, Leitung Dr. Katharina Hranitzky) verfasst. Die Beschreibweise richtet sich nach den Richtlinien, die im Rahmen der Katalogisierung der illuminierten Handschriften und Inkunabeln der Österreichischen Nationalbibliothek in Wien erstellt wurden und denen auch die Beschreibungen im gedruckten „Katalog der illuminierten Handschriften, Inkunabeln und Frühdrucke der Oberösterreichischen Landesbibliothek in Linz“ (Bd. 1/1) folgen. Dementsprechend liegt der Schwerpunkt der Beschreibung auf der Analyse und der kunsthistorischen Einordnung des Buchschmucks. Eine aktualisierte, gedruckte Version des vorliegenden Textes wird in Bd. 2 des gedruckten Linzer Katalogs publiziert sein.

Cod. 503

Theologisch-medizinische Sammelhandschrift (lat.-dt.)

Bairisch-österreichischer Sprachraum (Österreich?), Anfang 15. Jahrhundert bis 1460er Jahre (Deckfarbenschmuck: 2. Viertel 15. Jahrhundert, Fleuronné: vermutlich Ende 1450er Jahre)


Papier (f. I, I* Pergament; einige Schmierer und Flecken, z. B. f. 274 ff.); Wasserzeichen im Falz, erkennbar sind ff. 1–225 Waage, z. B. ff. 10 und 29 ähnlich Piccard, Waage V 278 und 271, 1453/54 (s. Berschin-Klüppel, 21999 [s. ,Literatur‘] 16, Anm. 10), f. 8 eine Waage (?) mit sechszackigem Stern, dieses Wasserzeichen erst ab der Mitte der 1460er Jahre; ff. 231266 nicht identifizierbarer Ochsenkopf; ff. 267279 Mohrenkopf, Typus Piccard- online Nr. 20577–20584, um 1420/25; f. 287 Glocke, 1406–11 (s. Berschin-Klüppel, 21999 [s. ,Literatur‘] 16, Anm. 10); ff. 311337: Buchstabe (gotisches) R, ganz entfernt ähnlich AT5000-182_50, um 1418/22; ab f. 338, z.B. f. 340 Dreiberg (?), vgl. Piccard, Dreiberg II 983, 1458/60; ab f. 351 Waage, nicht identifizierbar.

364 Blätter • 20,5 x 14/14,5 cm • Lagen: I + (VII-2)11 + IV19 + (VI-2)29 + 2.VI53 + (IV-1)60 + 2.V80 + VI92 + (VI-1)103 + 9.VI211 + (IV-1)218 + 4.VI266 + (IV-1)273 + 2.VI297 + (VII-1)310 + VI322 + 3.VII364 + I*; Fol. I um die erste Lage gelegt; 1. Lage (Septernio): 1. (leeres) Blatt als f. II nummeriert, 12. und 13. Blatt herausgeschnitten; 3. Lage (Sexternio): 11. und 12. Blatt herausgetrennt; f. 34 aus der unteren leeren Seitenhälfte ca. 8,5 x 12 cm großes Stück herausgeschnitten; 6., 10., 20. und 25. Lage (Quaternionen): jeweils letztes Blatt herausgetrennt; 28. Lage (Septernio): 1. Blatt herausgeschnitten; f. I* um die letzte Lage gelegt. Reklamanten ff. 242v und 254v (beschnitten). • Schriftspiegel (jeweils einspaltig, nur ff. 104r115v zweispaltig; f. 337rv kein Schriftspiegel eingetragen): f. IIrv 17 x 10,5/11 cm; ff. 1r–19v 14,5 x 9,5 cm, 29–30 Zeilen; ff. 20r–29v 16,5 x 9 cm, 27 Zeilen; ff. 30r–41v 15/15,5 x 9,5 cm, 25–27 Zeilen; ff. 42r–70v 16,5/17 x 10/10,5 cm 25–32 Zeilen; ff. 71r–81v 15/15,5 x 10 cm, 24–29 Zeilen; ff. 82r–92v 15,5 x 10 cm, 26–33 Zeilen; ff. 93r–103v 17,5 x 11, 26–28 Zeilen; ff. 104r–115v 17 x 11,5 cm, 31–33 Zeilen; ff. 116r–187v 15 x 10 cm, 19–26 Zeilen; ff. 188r–211v 17,5 x 10 cm, 26–31 Zeilen; ff. 212r–218v 14,5/15,5 x 11,5 cm, 23–26 Zeilen; ff. 219r–230v 17,5 x 11 cm, 26–28 Zeilen; ff. 231r–266v 16 x 10 cm, 23–26 Zeilen; ff. 267r–285v 16 x 11 cm, 28–41 Zeilen; ff. 286r–310v 16,5 x 10,5/11 cm, 24–28 Zeilen; ff. 311r–336v 15 x 9,5 cm, 30–34 Zeilen; ff. 338r–350v 15,5/16 x 10 cm, 29–37 Zeilen; ff. 351r–364v 17/17,5 x 10,5 cm, 28–32 Zeilen. • Schreiber 1: ff. 1r19v; in der Folge ein oder zwei Schreiber (Schreiber 2/3), die schwer voneinander zu scheiden sind bzw. dessen/deren Duktus sehr uneinheitlich ist: ff. 20r26v, 30r41v, 45r53v, 54r57v, 61r70v, 71r80v, 89r91v, 93r103r, 116r149r, 150v182v, 188r211v, 212v218v, 219r229v, Schreiber 4: ff. 81r, 82r86v; Schreiber 5 (?): ff. 87r89r; Schreiber 6: ff. 104r115v; Schreiber 7 (Anfang 15. Jh.?): ff. 231r266v; Schreiber 8: ff. 267r273v; Schreiber 9: ff. 274r285v; Schreiber 10 und 11: f. 285v (Vermerke); Schreiber 12: ff. 286r310v; Schreiber 13 (1420/40?): ff. 311r336v; Schreiber 14: ff. 338r350v; Schreiber 15: ff. 352r363v.


EINBAND

Braunes Leder über Holzdeckeln; Gleink, 3. Drittel 15. Jahrhundert; Wurmfraß, das Leder zerkratzt, am Rücken zerrissen. Gliederung durch dreifache Streicheisenlinien: Rahmenstreifen, das Mittelfeld durch Raute, Diagonal? und Kreuzlinien geteilt. Spuren von zwei Schließen, deren schmale, einfach verzierte Befestigungsbleche auf dem HD erhalten. Auf dem VD Titelschild sowie rot beschriebenes, beschädigtes Signaturschild (U [?] i.), vgl. die von derselben bzw. denselben Händen geschriebenen Schilder auf dem VD des aus Gleink stammenden Cod. 223, dessen Einband zudem dieselbe Streicheisengliederung aufweist; gleicher Einbandtypus z. B. auch bei Cod. 265 und 290, beide mit Gleinker Provenienz (zu Cod. 265 s. Beschreibung A. Reisenbichler). Kapitale mit hellem Garn umstochen. Spuren von gelber Schnittfärbung.


ENTSTEHUNG UND PROVENIENZ

Die Handschrift setzt sich zusammen aus den älteren Lagen 22–30 (ff. 231336, Anfang 15. Jahhrundert bis ca. 1425 beziehungsweise bis maximal 2. Viertel 15. Jahrhundert [Schrift und Wasserzeichen]) und jüngeren Anfangs? und Endeinheiten (ff. 1230, Lagen 1–21, und 338–364, Lagen 31 und 32, wohl Mitte 1450er bis 1460er Jahre [Wasserzeichen]). – Die Verschmutzungen der ersten bzw. letzten Seiten einiger Faszikel (z. B. ff. 80v, 92v, 187v, 230v, 267r, 285v) deuten darauf hin, dass sie vor dem Zusammenbinden länger einzeln und ungebunden benutzt worden sein könnten. Mit Sicherheit in Gleink wurde laut der Schreibervermerke f. 285v (oben: Qui me scribebat Jacobus nomen habebat; darunter: Legendam beati Berchtoldi abbatis Gärstensis fecit scribere frater Johannes professus monasterii sancti Andree in Glewnchk, ordinis sancti Benedicti Pataviensis diocesis, ob reverenciam primi abbatis in Glewnchk pie memorie nomine Udalrici: Schreiber Jacobus auf Veranlassung des Gleinker Professen frater Johannes zu Ehren Ulrichs, des ersten Abtes des Benediktinerstiftes Gleink) die Berthold-Vita (ff. 267r285r, 25. und 26. Lage) geschrieben.1 Die Wasserzeichen dieser Lagen weisen auf eine Niederschrift um 1420/25 hin, mit größerer Sicherheit kann 


1 Das Benediktinerstift Gleink wurde von Stift Garsten, dem Berthold († 1142) als erster Abt vorstand, besiedelt.eine Entstehung in der 1. Hälfte des 15. Jahrhunderts behauptet werden. Die Lagen unmittelbar vor und nach der Berthold-Vita dürften noch etwas älter sein (Wasserzeichen und Schrift: wohl 1. Jahrhzehnt des. 15. Jahrhunderts).2 Wo genau im bairisch-österreichischen Sprachraum die deutschsprachigen Texte, die den Codex abschließen, entstanden sind, kann nicht mit Sicherheit gesagt werden. Bindeort der Faszikel ist auf jeden Fall Gleink (s. ,Einband‘); als terminus post quem für den Einband können die 1460er Jahre (jüngste Wasserzeichen) angenommen werden. Auf dem Falz zwischen ff. 10 und 11 der Vermerk Ich Georg i. Der Pergamentfalz zwischen ff. 15 und 16 ist ein Urkundenfragment, Text: Ich Hans Wirczenpiger (?) bekenn fur mich und all mein eribn und ... Bis die Handschrift 1784 nach Linz kam, wurde sie wohl durchgehend in Gleink aufbewahrt, s. Lincien(sis diocesis), s. ,Literatur‘, 12, Anm. 1 mit Verweis auf die Gleinker Annalen von 1690; Besitzvermerk des 18. Jahrhunderts, f. 1r: Monasterii Glunicensis.


INHALT

Foll. Irv und I*rv Fragmente aus einer Sermones-Handschrift des 13. Jahrhunderts, Spiegel des Hinterdeckels Fragment aus einer theologischen Handschrift des 12. Jahrhunderts (gemäß Schiffmann).

f. IIrv leer.

ff. 1r103v Homilien: 1r Besitzvermerk (s. ‚Entstehung und Provenienz?). – ff. 1r8r Inc.: [D]eus caritas est et qui manet in caritate. Prima Joh 4 In proxima dominica, Expl. (f. 2r): ... in noctes; Inc. (f. 3r): 2o In salutatione angelica aut fiebat, Expl.: ... completa fuit; Inc. (f. 5r): Similem illum fecit in gloriam sanctorum, Expl. (f. 6r): ... in legenda sua; f. 6r Nota de fide: Quid est fides, f. 6v De spe; ff. 2v, 3v, 4rv, 8v11v leer. – ff. 12r19v Inc.: [M]issus est angelus etc. Luce I°, Expl.: ... hanc vitam gaudium sempiternium. Amen. – ff. 20r26v Luc 6to capitulo Inc.: Estote misericordes sinc et, Expl: ...Tu solis nosci. – ff. 27r29v leer. – ff. 30r41v Inc.: [P]robet autem seipsum
homo, Expl.: ... Ecce virgo concipiet et periet filium etc. – ff. 42r44v leer. – ff. 45r53v Inc.: Modicum et iam non videbitis me, Expl.: ... ad quam beatam visionem nos perducat. – ff. 54r57v Inc.: Redde rationem villicacionis tue, Luc 16°, Expl.: ... gracia et caritate; propter quod item primis quatuor. – ff. 58r60v leer. – ff. 61r70v Inc.: Habete formam nostram, Philyppenses 3o, Expl.: ... ad quam gloriam producat (!) qui sine fine vivit et regnat. – ff. 71r80v [P]ane nobiscum domine, Lucas xxiiii°, Expl.: ... Si vero reprobando malum eligit bonum divinam misericordiam habebit primi autem. – f. 81r Inc.: Hec dominica vocatur lxma (auf dem oberen Seitenrand: Hunc canitur: Venite benedicti patris mei), Expl. ... Et serviat sibi et confluat ad eum cum illis (?) quibus (?). – f. 81v leer. – ff. 82r86v Überschrift: Qui autem secus viam etc., Inc.: Karissimus (?) Dominus noster Jhesus Christus per se exponit verba ewangelica dicens, Expl.: ... Quod nobis prestare dignetur unigenitus Dei filius Dominus
noster Jhesus Christus qui cum Deo patre etc. – ff. 87r89r Inc.: Notate ergo diligenter quod quinque fiunt in corea, Expl.: ... mala inventa quanto diuturnior tanto periculosior. – ff. 89r91v Überschrift: Secundum Lucam, In illo tempore, Inc.: [C]um intrasset Jhesus in domum cuiusdam principis Pharizeorum, Expl.: ... dicebat ad invitatos parabolam. – f. 92rv leer. – ff. 93r97v Inc.: [O]culis ac manibus in celum semper intentus, Expl.: ... vitam nostram ducius ad perfectum statum eorum (?) ipse prestare dignitate (?). – ff. 98r103r Inc.: Mt 18o [S]imile est regnum celorum, Expl. ... sicut conteritur vas figuli quod non potest restaurari. – f. 103v leer.

ff. 104ra115va Johannes Gerson, Opus tripartitum, unvollständig (Abbruch kurz nach dem Anfang des 2. Teils [De confessione], im Abschnitt über die Sünde des Zorns, Inc.: Si diu cum consensu), Überschrift: Incipit tractatus magistri Gersonis cancellarii Parysiensis, Inc.: [C]hristianitati suus qualiscumque zelator, Expl. ... attendatur diligenter an lesus sacerdos vel clericus exstiterit (M. W. Bloomfield, Incipits of Latin Works on the Virtues and Vices, 1100–1500 A. D. Cambridge Mass. 1979, Nr. 734; F. Stegmüller, Repertorium biblicum medii aevi, 11 Bde. Madrid 1950–1980, hier Bd. 3 [1951] Nr. 4491; Druck: L. Ellies Du Pin, Ioannis Gersonii Opera omnia I. Antwerpen 1706, Sp. 425–450).

ff. 116r229v De passione Christi (Passionskonkordanz), in der Überschrift (Incipit Nicolaus de Lira super passionem Domini) Nicolaus de Lyra zugeordnet (wird aber auch anderen Autoren wie z. B. Nicolaus Magni de Jawor zugeschrieben), Inc.: [...] Mt xxvio Nota quod passio Christi scribitur a Matheo predicto capitulo, Expl. ... et compassionem quam habet cum eis ita et oratio sua in sinum ipsius revertetur ad salutem anime sue et gloriam Dei qui est benedictus in secula. Amen (F. Stegmüller, Repertorium biblicum medii aevi, 11 Bde. Madrid 1950–1980, hier Bd. 4 [1954] und 9 [1977] Nr. 6002,1 sowie Bd. 6 [1958] Nr. 8763 und 9451, jeweils mit abweichendem Explicit; dieses annähernd übereinstimmend in Melk, StiB, Cod. 1087, p. 177, hier als Abschluss von Sermones de s. Erhardo et Nicolao; ff. 149v150r, 183r187v und 230rv leer.

ff. 231r239v Überschrift: De miraculis et virtutibus et translatione beati Marci evangeliste qualiter devenit in Augyam, Inc.: De miraculis et virtutibus beati Marci ewangeliste aliquid scribere cupientes pre multitudine signorum, Expl.: ... Cuius et imperium constat sine fine per ewum. Amen. Sed Deus omnipotens voluit revelare labores. Explicit de translacione ydrie in Augyam 


2 Die vier der Berthold-Vita voranstehenden Texte (ff. 231r266v, Lagen 22–24, eine Schreiberhand) bilden ein Konvolut mit Reichenauer Kontext; diese vier Texte in derselben direkten Abfolge auch in der Hs. Admont, StiB, Cod. 140, ff. 45r–67v (zu dieser theologischen Sammelhandschrift aus dem 15. Jahrhundert s. unter der URL: http://manuscripta.at/m1/hs_detail.php?ID=26028 sowie das Volldigitalisat unter der URL: http://manuscripta.at/diglit/AT1000-140/0001, letzter Zugriff jew.: 12.04.2017). Als Grundlage der Texte mit Reichenau-Bezug in Cod. 503 wird das sogenannte Reichenauer Hausbuch (Karlsruhe, Badische Landesbibliothek, Aug. perg. 84; Volldigitalisat unter der URL: https://digital.blb-karlsruhe.de/blbhs/Handschriften/content/pageview/174083, letzter Zugriff: 12.04.2017) aus dem 10./11. Jh. vermutet, s. BERSCHIN-KLÜPPEL, 21999 (s. ,Literatur‘) 16; im Hausbuch folgen die in Rede stehenden Texte nicht direkt aufeinander und die Meinrad-Vita (ff. 12ra–16ra) geht den drei Reliquienerzählungen voran (Vita Simeonis archivi ff. 87ra–92ra, Translatio sanguinis Domini in Augiam ff. 124vb–135vb, Miracula s. Marci ff. 138ra–144vb).(Bibliotheca hagiographica latina antiquae et mediae aetatis. Ed. socii Bollandiani, 2 Bde. Brüssel 1898–1901 [Neudruck 1992], hier Bd. 2 [1900–1901] 784, Nr. 5285 [= BHL 5285], s. unter der URL: https://archive.org/details/17520487.1256.emory.edu, letzter Zugriff: 12.04.2017; Ed. F. J. MONE [Hg.], Quellensammlung der Badischen Landesgeschichte 1. Karlsruhe 1848, 62–67, s. unter der URL: http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/mone1848-1/, letzter Zugriff: 12.04.2017; Auszüge: Monumenta Germaniae Historica: Scriptores [in Folio] SS, Bd. 4: Annales, chronica et historiae aevi Carolini et Saxonici, hg. G. H. Pertz et al. Hannover 1841 [Neudruck 1982], 449–452 [= MGH SS 4 449–452], s. unter der URL: http://www.mgh.de/dmgh/resolving/MGH_SS_4, letzter Zugriff: 12.04.2017).

ff. 240r245v Vita Meginradi (Meinrad), Überschrift: Incipit vita venerabilis viri Meginardi (korrigiert zu: Meginradi) heremite et eius passio, Inc.: Dicturus venerabilis viri Meginradi heremite et martiris passionem et obitum, Expl. ... anno xxviii regni eius (Bibliotheca hagiographica latina antiquae et mediae aetatis. Ed. socii Bollandiani, 2 Bde. Brüssel 1898–1901 [Nachdruck 1992], hier Bd. 2 [1900–1901] 859, Nr. 5878 [= BHL 5878], s. unter der URL: https://archive.org/details/17520487.1256.emory.edu, letzter Zugriff: 12.04.2017; Monumenta Germaniae Historica: Scriptores [in Folio] SS, Bd. 15/1: Supplementa tomorum I–XII, pars III. Supplementum tomi XIII. Hannover 1887 [Nachdruck 1992] 445–458 [= MGH SS 15,1 445–448], s. unter der URL: http://www.mgh.de/dmgh/resolving/MGH_SS_15,1, letzter Zugriff: 12.04.2017).

ff. 246r252r Vita Simeonis (sive Bardonis) archivi, Überschrift: Hic nota qualiter una de sex ydriis ab cena Galylee in Augyam fuerit translata, Inc.: Cum igitur ab adolescentia usque in presens, venerabilis abba et domine, Expl. ... ultimo urgente die in presencia eiusdem monasterii abbatis ceterorum fratrum spiritum emisit v idus augusti et ad Christum perrexit. Amen (Bibliotheca hagiographica latina antiquae et mediae aetatis. Ed. socii Bollandiani, 2 Bde. Brüssel 1898–1901 [Nachdruck 1992], hier Bd. 2 [1900–1901] 1150, Nr. 7950 [= BHL 7950], s. unter der URL: https://archive.org/details/17520487.1256.emory.edu, letzter Zugriff: 12.04.2017; Auszüge: Monumenta Germaniae Historica: Scriptores [in Folio] SS, Bd. 4: Annales, chronica et historiae aevi Carolini et Saxonici, hg. G. H. Pertz et al. Hannover 1841 [Neudruck 1982], 445*–446, s. unter der URL: http://www.mgh.de/dmgh/resolving/MGH_SS_4, letzter Zugriff: 12.04.2017; Ed. Th. Klüppel, W. Berschin, Vita Symeonis Archivi, in: H. Maurer [Hg.], Die Abtei Reichenau. Sigmaringen 1974, 115–124; Neued. mit dt. Übersetzung: W. Berschin, Th. Klüppel, Die Legende vom Reichenauer Kana-Krug. Die Lebensbeschreibung des Griechen Symeon. Sigmaringen 1992, 26–40).

ff. 252v-266v Translatio sanguinis Domini in Augiam, Überschrift: Incipit qualiter translatum sit preciosus sangwis Domini nostri Jhesu Christi in Augyam et per? personas, Inc.: Qui crucis in patibulo suspensus corpore ligno, Expl.: ... His modo ad calcem perductis, ea que paulo superius de predicto fratre cepimus prosequamur (Bibliotheca hagiographica latina antiquae et mediae aetatis. Ed. socii Bollandiani, 2 Bde. Brüssel 1898–1901 [Nachdruck 1992], hier Bd. 1 [1898–1899] 617, Nr. 4152 [= BHL 4152], s. unter der URL: https://archive.org/details/bibliothecahagio01boll, letzter Zugriff: 12.04.2017; Auszüge: Monumenta Germaniae Historica: Scriptores [in Folio] SS, Bd. 4: Annales, chronica et historiae aevi Carolini et Saxonici, hg. G. H. Pertz et al. Hannover 1841 [Neudruck 1982], 446*–449 [Anm.], s. unter der URL: http://www.mgh.de/dmgh/resolving/MGH_SS_4, letzter Zugriff: 12.04.2017; Repertorium Geschichtsquellen des deutschen Mittelalters, Bayerische Akademie der Wissenschaften, München, s. unter der URL: http://www.geschichtsquellen.de/repOpus_04450.html, letzter Zugriff: 12.04.2017; Ed. und dt. Übersetzung: W. Berschin, Th. Klüppel, Die Reichenauer Heiligblut-Reliquie. Stuttgart 21999, 25–59).

f. 266v De Sergio II papa, Inc. Fuit in Roma[na] sede papa quidam electus qui primo os porci dictus fuit sed mutato nomine vocatus est Sergius, Expl. ... aliquo nomine indecoro turpetur et derideatur (G. P. Maggioni [Hg.], Iacopo da Varazze, Legenda aurea, 2 Bde. Florenz 1998, hier Bd. 2, 1274, Nr. 177 mit abweichendem Anfang; gleichlautend in der Hs. Uppsala, Universitetsbibliothek, C 26, f. 160v; s. M. Andersson-Schmitt et al., Mittelalterliche Handschriften der Universitätsbibliothek Uppsala 8. Stockholm 1995, 390).

ff. 267r285r Vita Bertholdi abbatis Garstensis, unvollständig (Kap. I–XLIV gemäß Ed. PEZ), Überschrift: Incipit prologus in vitam sancti Berchtoldi abbatis, Inc.: Quoniam antiqua dignacionis tue gratia, venerande pater Udalrice, Expl.: ... a doloris sui mole liberavit manusque pristine sanitatis beneficium recepit, gefolgt von der Grabinschrift Continet iste locus incorruptum tibi corpus und dem Hymnus (?) Ecce vir ille bonus, venerabilis ille patronus (Bibliotheca hagiographica latina antiquae et mediae aetatis. Ed. socii Bollandiani, 2 Bde. Brüssel 1898–1901 [Nachdruck 1992], hier Bd. 1 [1898–1899] 191, Nr. 1274 [= BHL 1274], s. unter der URL: https://archive.org/details/bibliothecahagio01boll, letzter Zugriff: 12.04.2017; Ed. der vollständigen Vita: H. Pez, Scriptores rerum Austriacarum veteres ac genuini, Bd. 2. Leipzig 1725, Sp. 86–129, Epitaphium: S. 136, Hymnus: S. 137, s. Permalink: http://www.mdz-nbn-resolving.de/urn/resolver.pl?urn=urn:nbn:de:bvb:12-bsb11056098-5; s. auch A. Lhotsky, Quellenkunde zur mittelalterlichen Geschichte Österreichs [Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung, Ergänzungsband 19]. Graz [u. a.] 1963, 209 f. sowie Lincien[sis diocesis]. Confirmationis cultus ab immemorabili tempore praestiti servo Dei Bertholdo primo abbati monasterii Garstensis... [Sacra Rituum Congregatio, Sectio historica 125 f.]. Vatikan 1964, 11 f., Sigle D 1); in diesem Text im Bereich von Schreiber 8 Korrekturen und Anmerkungen aus der Barockzeit (ff. 269v, 270v, 273v). – f. 285v Schreibervermerke, s. ,Entstehung und Provenienz‘.

ff. 286r310v Vita beati Wolfgangi episcopi, Überschrift: Incipit vita beati Wolfgangi episcopi, Inc.: Beatus igitur Wolfgangus nacione Suevigena ex ingenuis parentibus, Expl.: ... et pre gaudio clamans in quantum Deum sanctosque illius laudavit (Bibliotheca hagiographica latina antiquae et mediae aetatis. Ed. socii Bollandiani, 2 Bde. Brüssel 1898–1901 [Nachdruck 1992], hier Bd. 2 [1900–1901] 1297, Nr. 8990 [= BHL 8990], s. unter der URL: https://archive.org/details/17520487.1256.emory.edu, letzter Zugriff: 12.04.2017).
ff. 311r336r   Iakobus Engelin de Ulma, Aderlasstraktat (dt.), Inc.: Alles das her nach geschriben stet, Expl. ... oder czu der gemaynen adern an dem arm vor gelazzen het. Explicit igitur tractatus de fleubothomia, de ventosis, de sa[n]gwisugis editus et compilatus et de latino ad teotunicum translatus anno Domini Mo ccco l12.04.2017xvo tertia die Marti [Textdatierung: 3. März 1395] per magistrum Iacobum phisicum illustris principis domini Alberti ducis Austrie etc. Est autem extractus ex dictis Avicenne, Gallieni et Rasis et maxime Avicenne etc. (zum Text s. unter der URL: http://www.handschriftencensus.de/werke/6246, letzter Zugriff: 12.04.2017 sowie E. Tuisl, Die Medizinische Fakultät der Universität Wien im Mittelalter. Göttingen 2014, 167 f.; Teilabdruck [Schröpftext] nach München, BSB, Cgm 731, ff. 189r–191r [unter der irrigen Signatur Cgm 73]: K. Sudhoff, Beiträge zur Geschichte der Chirurgie im Mittelalter. Graphische und textliche Untersuchungen in mittelalterlichen Handschriften, 1. Teil (Studien zur Geschichte der Medizin 10). Leipzig 1914, 127–129, s. unter der URL: http://www.biusante.parisdescartes.fr/histoire/medica/resultats/index.php?cote=24437x10&do=chapitre, letzter Zugriff: 12.04.2017).

ff. 336v337v leer.

ff. 338r350v Gesundheitslehre (dt.), Überschrift: Wye man sich halten schol dazz man gesunt sey, Inc.: Bey dem gesunt beleiben will, der sol sich vor essen maesleich wegen, Expl. ... und gehab sich froleich und meld es ze steten, wo ers enphindet. Sam spricht Avicenna Galienus.

f. 351rv leer.

ff. 352r363v Von der Zubereitung des Weines (dt.), Überschrift: Das puech lernet dich wie du wein scholt machen und halten und hat alles prackticziert Thoman Gugelweyt, Inc.: Ir schult merkchen, wer wein hab, Expl. ... und lass das enkchalten und gews dem ross in die noslocher, so ist es gesunnt.

f. 364rv leer.


BUCHSCHMUCK

Wenige cadellenartig gestaltete Oberlängen (z. B. ff. 178v, 353r). Rubrizierung (von diversen Händen) ff. 82r86r (1), 104r119r (2) und 231r363v (3). In (1) und (2) rote Auszeichnungsstriche, Überschriften, Unter? und Durchstreichungen und Verweiszeichen; auch Quellenangaben auf dem Seitenrand in Rot. In (3) rote Auszeichnungsstriche, (Zwischen?)Überschriften und Schlussschriften, Paragraphzeichen (f. 284r), Unter? und Durchstreichungen (auch Reklamante f. 242v rot unterstrichen); einige tintenfarbene Einfügezeichen, flüchtige Zeilenfüllsel (z. B. f. 239v), ff. 268v und 270rv Löcher und Risse im Papierblatt rot umkritzelt; ff. 338v349v bei Zwischenüberschriften feine, doppellinige Rahmungen in Rot und Tintenbraun. Repräsentanten für Lombarden lediglich im letzten Text auf ff. 344r349v. Lombarden nur in (3): rot, ein? bis fünfzeilig; von mehreren Händen, in den Lagen 29 und 30 (Aderlasstraktat) das Rot der Lombarden heller als die Tinte, die der Schreiber der Überschriften und des Textes verwendete; Lombarden teilweise mit kopfstempelförmigen Aussparungen, Punktverdickungen (diese in Lage 31 auch dreipassförmig, z. B. f. 342v) und kurzen, zuweilen gestrichelten Ausläufern (z. B. f. 247v; f. 255v Fibrillen); f. 308r aus dem Binnenfeld zwei grobe Blattformen ausgespart; ff. 272v und 352r jeweils fünfzeilige I-Initiale in Fischform; ff. 338r350v (Lage 31) zu einigen Absätzen kritzelig ausgeführte Fleuronné-Lombarden: die zwei? bis fünfzeiligen Buchstabenkörper zumeist rot, das Fleuronné (rot?)tintenfarben, z. B. ff. 338r (aus dem tintenfarbenen Binnenfeld rot gepunktete Knospen ausgespart; einige Ausläufer mit herzförmigem Ende), 345v (Buchstabenkörper rot-tintenfarben, kopfstempelförmig gespalten; Binnenfeld mit großem, rotem Knospenbüschel; im Besatz unter anderem drachenartiges Wesen mit Hufen und langer roter Zunge).

Fol. 311r, zu Beginn des Aderlasstraktates und seines ersten Kapitels, 2 historisierte Deckfarbeninitialen mit Rankenbordüre; die figürlichen Darstellungen in den Binnenfeldern zum Teil (erste Initiale) bzw. zur Gänze (zweite Initiale) in unkolorierter, etwas ungeschickter Federzeichnung. Die beiden Initialen sieben? bzw. achtzeilig. Die Farbpalette beschränkt sich auf (Alt?)Rosa und Grün, mit Weiß bzw. Gelb gehöht; schwarze Konturlinien und Schattierungen, diese vor allem in den grünen Partien; die Zeichnung der zweiten Initiale etwas (durch Schraffen) abschattiert.

Die Federzeichnung in der oberen Initiale zeigt eine männliche, nach rechts gewandte Profilbüste mit kleinen, hoch sitzenden Augen, langer, spitzer Nase und Bart; der breite Mund mit etwas Altrosa koloriert. Der Mann trägt ein weißes Obergewand (Hemd?), das die grüne Haube mit Nacken bedeckendem Tuch und rosafarbener, spitz zulaufender Krempe, unter der Schläfenlocken hervorschauen, um so auffälliger wirken lässt. Höchstwahrscheinlich handelt es sich um ein Bildnis des Arztes Jakob Engelin († nach 29. Januar 1409), der sowohl in Paris als auch in Wien studierte und als Leibarzt in den Dienst des österreichischen Herzogshauses trat.3

In der unteren Initiale eine Aderlass-Darstellung: Der Patient, den der Herzogshut als Herzog Albrecht III. von Österreich ( † 28. August 1395) ausweist, dem Engelin in der darüber stehenden Einleitung huldigt (... und dicz puechel han ich gesamb pracht durich Gotte, er und lob, und des durichleuchtigen und hoch gepornen fursten herzogen Albrechcz ze Osterreich, ze Steyr, ze Kernden, ze Krayn, Grave ze Tyrol etc. meines genedigen herren ...), sitzt auf einem Stuhl mit Kissen, das rechte Bein leicht ausgestreckt, das linke untergeschlagen. Zu seiner Rechten eine Wache mit Schwert, zu seiner Linken der Arzt, der gerade die Ader am ausgestreckten linken, den Querstrich des A andeutenden Arm des Herzogs öffnet. Der Arzt agiert dabei mit deutlichem Körpereinsatz: Sein linker Arm ist hoch angewinkelt und er steht auf den Zehenspitzen, wobei er mit seinem linken Fuß die Zehenspitzen des rechten Fußes des Herzogs berührt. Dieser hat die Rechte in den Schoß gelegt, in der linken (ausgestreckten) Hand hält er den Lassstab, der den Boden nicht berührt. Hinter dem Arzt ein Kapitell, das ein flüchtig abschattiertes Gratgewölbe trägt; das zugehörige Säulchen wurde nicht bis zum Boden hinab ausgeführt, ebenso hat man auf Boden? und Wandandeutungen verzichtet.

Von beiden Initialen gehen Akanthusranken aus, die sich mit kompakten Ästen, welche zumeist mit kurzen Blättern besetzt und in ungelenke Voluten gelegt sind, auf allen Seitenrändern – auf dem oberen Rand geradezu wuchernd – ausbreiten. Die fallweise anthropomorphen Blattformen (charakteristische beinchen? und füßchenartige Enden sowie rückgratartige Adern) bewirken, dass die Drôlerien – ein kletterndes Männchen auf dem rechten Seitenrand und ein windhundartiges Wesen mit rund aufgewölbtem Rücken in der rechten unteren Ecke – mit den Ranken verschmelzen.


3 H. BERGMANN, Engelin Jakob (Meister Jakob von Ulm), in: Die deutsche Literatur des Mittelalters. Verfasserlexikon, 2. Aufl. Berlin [u. a.] 1978 ff., hier Bd. 2 (1980) Sp. 561–563 und Bd. 11 (2004) Sp. 411; E. TUISL, Die Medizinische Fakultät der Universität Wien im Mittelalter. Göttingen 2014, 193–195 (Prosopographie I/16, mit Literatur).

STIL UND EINORDUNG

Da Jakob Engelin Arzt und Gelehrter war, verquicken sich in dem Bildnis auf f. 311r Einflüsse zeitgenössischer Arztdarstellungen und Autorbilder, wobei italienische Autorbildnisse des Trecento beziehungsweise Quattrocento die stärksten Impulse geliefert haben. So zeigt auch die Einleitungsseite der Divina Commedia Wien, ÖNB, Cod. 2600 (Florenz, um 1400) den Dichter Dante Alighieri (1265–1321) als Profilbüste mit einer der Mode der Zeit entsprechenden und für Dante-Darstellungen charakteristischen Mütze mit einem langen herabfallenden Zipfel.4 Aus Italien, wo die im Traktat explizit genannten Autoritäten aus Persien und Griechenland (z. B. im Explizit f. 336r: Avicenna, Galenus, Rhazes) intensiv an der medizinischen Fakultät der Universität Bologna rezipiert wurden, stammen auch die zigfach in Handschriften eingefügten Gelehrtenbildnisse, die den Illuminator überdies beeinflusst haben dürften – vergleiche beispielsweise die Galenus-Darstellung in dem bereits im letzten Viertel des 13. Jahrhunderts (um 1290) in Bologna oder Umgebung entstandenen Codex Cesena, Biblioteca Malatestiana, D.XXV.1 (f. 113r, s. die Abb. unter der URL http://catalogoaperto.malatestiana.it/ricerca/?oldform=mostra_miniatura.jsp?idMiniatura=-10007, letzter Zugriff: 12. 04. 2017), die den pergamenischen Arzt in reinem Profil und mit Nacken bedeckender Haube zeigt.5 Das Konterfei in Cod. 503 erfährt durch die auffällige Haube und den Bart, der Engelin als älteren Mann ausweist, eine gewisse Individualisierung.  

Die Aderlass-Miniatur findet ihre Vorbilder in den gängigen spätmittelalterlichen Phlebotomie-Darstellungen. Zumeist steht der Arzt neben dem sitzenden Patienten, der den Arm, an welchem der Aderlass vorgenommen wird, auf den Lassstab stützt (und dabei den Blutfluss steigernde Drehbewegungen ausführt), so auch in der Bas-de-page-
Miniatur auf f. 61r des Luttrell-Psalters (http://www.bl.uk/manuscripts/Viewer.aspx?ref=add_ms_42130_fs001ar), der im zweiten Viertel des 14. Jahrhunderts (um 1325/35) in der Diözese Lincoln überaus reich ausgestattet wurde.6 Hier wird eindeutig ausgeführt, was in Cod. 503 nur angedeutet ist: Um den Patienten zu fixieren, stellt sich der Arzt auf dessen Fuß. Während sonst häufig gezeigt wird, wie das Blut des Patienten bereits eine Schüssel läuft, ist in Cod. 503 der Moment der Aderöffnung dargestellt.

Schrift und Wasserzeichen der Lagen 29 und 30, die den Aderlasstraktat mit seinem Deckfarbendekor enthalten, deuten auf eine Entstehung am Ende des ersten Viertels beziehungsweise im zweiten Viertel des 15. Jahrhunderts. Die Lage (31) mit der Gesundheitslehre, in der die Fleuronné-Lombarden begegnen, lässt sich auf der Basis der Wasserzeichen – mit einiger Vorsicht – auf das Ende der 1450er Jahre datieren.


LITERATUR

Siehe die Liste oberhalb der Beschreibung


Beschreibung von Susanne Rischpler, Erstfassung
16. 5. 2017


4 H. J. HERMANN, Die Handschriften und Inkunabeln der italienischen Renaissance 3: Mittelitalien: Toskana, Umbrien, Rom (Beschreibendes Verzeichnis der illuminierten Handschriften in Österreich VI: Die illuminierten Handschriften und Inkunabeln der Nationalbibliothek in Wien). Leipzig 1932, Taf. I.

5 Zur Hs. s. unter der URL: http://catalogoaperto.malatestiana.it/ricerca/?oldform=mostra_codice.jsp?CODICE_ID=129 (letzter Zugriff: 12.04.2017), mit Literatur, Einzelabbildungen und Zugang zu Volldigitalisat; f. 113r Textbeginn De locis affectis.

6 London, BL, Add MS 42130, s. unter der URL: http://www.bl.uk/manuscripts/FullDisplay.aspx?ref=Add_MS_42130 (letzter Zugriff: 12.04.2017) mit Literatur und Zugriff auf Volldigitalisat.

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