Literature

  • Konrad Schiffmann, Die Handschriften der Öffentl. Studienbibliothek in Linz [maschinschriftlich]. Linz 1935, 79, Nr. 83 [online]
  • Konrad Schiffmann, Die Handschriften der Öffentl. Studienbibliothek in Linz (nicht seitenkongruente Abschrift der maschinschriftlichen Fassung Linz 1935 als PDF-Datei mit Nachträgen und neuen Signaturen) [online]
  • Viktor von Handel-Mazzetti (Freiherr), Waltenstein und Eppenberg und die Herren von Ort am Traunsee. Jahresbericht des Museums Francisco-Carolinum 1909, 1–127, hier 75 f., Anm. 4.
  • Friedrich Stegmüller, Repertorium Commentariorum in Sententias Petri Lombardi. 2 Bde. Würzburg 1947, 400
  • Louis Jacques Bataillon, Rezension von: Pelster, Einige ergänzende Angaben zum Leben und zu den Schriften des Wilhelm de la Mare OFM (Franziskanische Studien 37, 1. Heft [1955] 75–80). Bulletin Thomiste 9 (1954/56) 948–951 (Hs. erwähnt S. 951)
  • Kurt Holter, Zum gotischen Bucheinband in Österreich: Bemalte Einbände aus Kloster Garsten. Gutenberg-Jahrbuch 1956, 288–298 (Hs. erwähnt S. 288, 292, 294, 297)
  • Herbert Paulhart, Mittelalterliche Bibliothekskataloge Österreichs, Bd. 5: Oberösterreich. Wien [u. a.] 1971, 23, Anm. 27.
  • Shooner, Codices Manuscripti Operum Thomae de Aquino. 3 Bde. Rom 1967–1985, Bd. 2: Bibliothecae Gdańsk–Münster (1973) 223, Nr. 1473
  • Susanne Rischpler, Cod. 446–449, Online-Beschreibung im Rahmen des FWF-Projekts P 26172 (2018), hier unter Stil und Einordnung
  • Anna Reisenbichler, Cod. 302 und Cod. 396, Online-Beschreibungen im Rahmen des FWF-Projekts P 26172 (2018), hier unter Stil und Einordnung
  • manuscripta.at: http://manuscripta.at/?ID=33979

Description

Die vorliegende Beschreibung wurde im Rahmen des vom Forschungsfonds FWF finanzierten Forschungsprojektes „Katalog der illuminierten Handschriften der OÖ Landesbibliothek: ca. 1220-1400“ (P 26172, Leitung Dr. Katharina Hranitzky) verfasst. Die Beschreibweise richtet sich nach den Richtlinien, die im Rahmen der Katalogisierung der illuminierten Handschriften und Inkunabeln der Österreichischen Nationalbibliothek in Wien erstellt wurden und denen auch die Beschreibungen im gedruckten „Katalog der illuminierten Handschriften, Inkunabeln und Frühdrucke der Oberösterreichischen Landesbibliothek in Linz“ (Bd. 1/1). Dementsprechend liegt der Schwerpunkt der Beschreibung auf der Analyse und der kunsthistorischen Einordnung des Buchschmucks. Eine aktualisierte, gedruckte Version des vorliegenden Textes wird in Bd. 2 des gedruckten Linzer Katalogs publiziert sein.

Cod. 382

Thomas von Aquin, Summa Theologiae secunda pars secundae partis

Frankreich (Paris?), vor 1331

Pergament (dieses sehr dünn, es wird deutlich zwischen der Fleisch- und der Haarseite unterschieden) • 286 Blätter • 30,5/31 x 22/23 cm (in der ersten Lage die Blätter nur etwa 30 cm, die Doppelblätter ff. 61/62 sowie 280/283 nur 29 cm hoch) • Lagen: IV7 + 6.VI79 + 2.IV95 + 16.VI286. Das erste Blatt der ersten Lage ist das Spiegelblatt des Vorderdeckels, das letzte Blatt der letzten Lage ist das Spiegelblatt des Hinterdeckels. Fol. 286r ein Teil der Seite herausgeschnitten (kein Textverlust, Rest eines radierten Vermerks noch sichtbar). Das vom Spiegel des Hinterdeckels abgelöste Urkundenfragment (Pergament, 29 x 12,5/13 cm) ist heute das Fragment 679 der OÖLB (s. ‚Entstehung und Provenienz‘). • Innerhalb etlicher Lagen auf dem rechten unteren Blattrand Doppelblattzählung af in Metallstift, zu Beginn auch in Form von vertikalen oder querliegenden Strichen. Die schwarzen Reklamanten fast immer mit roter Rahmung und nur selten beschnitten. • Textualis einheitlich von einem Schreiber; f. 7rb Ergänzung durch einen anderen Schreiber (s. ‚Entstehung und Provenienz‘ und ,Inhalt’). Schriftspiegel: zwei Spalten; 21,5/22 x 14,5/15 cm; durchgängig 52 Zeilen, einzig in der ersten Lage (Register) sind es auf f. 1r und 1v je 48/49 Zeilen, danach 50/51. Zeilengerüst mit Metallstift gezogen, dabei die seitlichen Linien doppelt, außerdem ein zusätzlicher doppelter Außenrahmen.

EINBAND

Weißes, abgeriebenes, verbräuntes Rauleder über Holzdeckeln mit leicht nach außen abgeschrägten Kanten mit Blindprägung durch Streicheisen (auf dem Hinterdeckel noch gut sichtbar); Garsten, 15. Jahrhundert (vgl. Holter, 292). Das Mittelfeld auf dem Vorderdeckel und Hinterdeckel durch doppelt gezogene Diagonalbänder geteilt (das Muster nur noch auf dem Hinterdeckel zu erkennen). Reste von zwei Langschließen: auf dem Vorderdeckel mittig die beiden Löcher (im oberen steckt noch ein Teil des Nagels), auf dem Hinterdeckel die beiden Ziernägel in Form einer vierblättrigen Blume sowie ein Teil des oberen Lederriemens erhalten; auf dem Hinterdeckel oben Spuren einer Kettenbefestigung. Auf dem Vorderdeckel zwei mittelalterliche Titelschilder, auf dem Rücken oben und unten jeweils Reste einer Aufschrift (unten A [?]). Das obere Kapital liegt frei. Spiegelblätter aus Pergament (s. o.); das Spiegelblatt des Hinterdeckels nur noch zur Hälfte vorhanden, die rechte Hälfte des Holzdeckels liegt frei (s. ‚Entstehung und Provenienz‘). Einbandtypus sehr ähnlich z. B. bei Cod. 457 der OÖLB.

ENTSTEHUNG UND PROVENIENZ

Der auf f. 7rb ergänzte Eintrag ist dem Correctorium fratris Thomae des Franziskaners Wilhelm de la Mare entnommen. Wilhelm kritisierte in dieser 1277/78 entstandenen Schrift die Lehren des Dominikaners Thomas von Aquin und löste damit den sogenannten Korrektorienstreit (1277–1287) aus (s. z.B. J. Rohls, Offenbarung, Vernunft und Religion. Ideengeschichte des Christentums. Bd. 1. Tübingen 2012, 194 f.). – Cod. 382 war Teil der Bücherschenkung des Abtes Otto von Garsten (1317-1333) im Jahre 1331 an das Stift Garsten, darin verzeichnet als Summa Theologie Thome Volumina duo (s. Paulhart; die entsprechende Urkunde unter der URL: http://monasterium.net/mom/AT-OOeLA/GarstenOSB/1331_X_01/charter). Cod. 382 ist daher vor 1331 entstanden. – Das vom Spiegel des Hinterdeckels abgelöste Urkundenfragment (heute Fragm. 679 in der OÖLB) ist ein Besitzverzeichnis und Zinsregister des Stiftes Garsten (ediert von K. Schiffmann, Die mittelalterlichen Stiftsurbare des Erzherzogtums Österreich ob der Enns, II. Theil, Garsten, Gleinck, Kremsmünster, Schlierbach, Spital a. P. Wien und Leipzig 1913; digitalisiert unter den PURLs http://digi.landesbibliothek.at/viewer/resolver?urn=urn:nbn:at:AT-OOeLB-3521482 sowie http://digi.landesbibliothek.at/viewer/resolver?urn=urn:nbn:at:AT-OOeLB-3521498). Die bei Schiffmann gemachte Angabe, dass ebendort der Torso einer weiteren Urkunde abgelöst wurde, welche heute verschollen sei, ist irrig: Der fragliche Torso ist die Rückseite von Fragm. 679. Auf dem Hinterdeckel innen außerdem ein radierter Eintrag. – Auf dem Vorderdeckel innen die typische Garstener Ordnungssszahl C,22 (spätes 15. oder frühes 16. Jahrhundert), darüber ein getilgter Eintrag. Unten mittig in Tinte der Eintrag Questiones 89 (?), derselbe Eintrag auch auf f. 7r. Fol. 1r barocker Garstener Bibliotheksvermerk Novo Monasterii Garstensis librorum Catalogo inscriptus anno 1631 sub Lit. A. N°. 14.[1]

INHALT

Foll. 1r7ra Inhaltsverzeichnis, mit späterer Titelangabe Secunda secundae Thome de Aquino auf dem oberen Seitenrand von f. 1r. – f. 7rb 16 Stellen aus Wilhelm de la Mare, Correctorium fratris Thomae. Nota quod per novos talmutistas frater Thomas in hoc libro impugnatur per 16 loca principaliter (s. hierzu auch ‚Entstehung und Provenienz‘ sowie Bataillon und Shooner). Außerdem am Ende der Hinweis, dass die fraglichen Stellen im Text der Handschrift mit einem großen A markiert sind (Loca istarum impugnationum invenies per tale A signum), das sich tatsächlich jeweils neben dem Schriftspiegel findet: Quaestio 24, Artikel 5: f. 42v; Quaestio 24, Artikel 7: f. 43r; Quaestio 33, Artikel 7: f. 64r; etc. – f. 7v leer. – ff. 8r286r Thomas von Aquin, Summa Theologiae secunda pars secundae partis (Prooemium sowie Quaestio 1 bis Quaestio 179) (der Text vollständig ediert unter: http://www.corpusthomisticum.org/sth3000.html). – f. 286v leer.

BUCHSCHMUCK

Rote Überschriften, teils im Text, teils auf dem oberen Blattrand. Foll. 7r und 286r braune Explicitvermerke. Durchgängig Seitentitel mit der Nummerierung der einzelnen Quaestiones und deren Titel (häufig weggeschnitten) in Blau und Rot oben mittig; Nummerierung auch am Textrand, sie ist deckungsgleich mit den Vorschreibungen in Metallstift. Alternierend rote und blaue Paragraphzeichen sowie rote Strichelung von Majuskeln. Kräftig gezeichnete Zeigehände in roter Tinte auf ff. 6v und 7r. Zu Beginn der Quaestiones sowie der einzelnen Artikel jeweils zweizeilige Fleuronné-Lombarden, einige auch dreizeilig (z. B. ff. 26v, 28r). Zu Beginn des Inhaltsverzeichnisses f. 1r und zu Beginn des Textes f. 8r 2 Fleuronné-Initialen, jene auf f. 8r mit Fleuronné-Leiste.

Die Fleuronné-Lombarden alternierend in Rot und Blau mit einfachem, aber recht sorgfältig gezeichnetem Fleuronné in der Gegenfarbe. Als Binnenornament Spiralen oder C-förmige zweikonturige Motive. Als Außenornament Begleit- oder rahmende Linien, teilweise von einem Kettenmotiv unterbrochen. Randseitig nach oben hin zwei parallel laufende Fäden, die an ihrem Ende leicht nach außen gebogen sind, wobei sie entweder offen nebeneinander enden oder in einer engen Schlaufe verbunden sind. Nach unten hin sind diese Fäden länger und schwungvoller, sie bilden mitunter größere tropfenförmige Schlaufen aus. Dazu Zwickelknospen oder -spiralen. Die dreizeiligen Initialen ff. 1r und 8r jeweils kopfstempelförmig rot-blau gespalten. Das Binnen- und das Besatzfleuronné ober- und unterhalb der Initialen rot mit blauen Kernen, das seitliche Besatzfleuronné blau mit roten Kernen.

Im Binnenfeld von f. 8r zwei S-förmig miteinander verbundene Medaillons mit eher frei angeordneten (nicht klar ausgebildeten) Palmetten und Knospen; außerhalb der Medaillons sitzen aneinandergereiht Knospen und Perlen mit großen Kernen. Fol. 1r zwei senkrecht miteinander verbundene Medaillons, welche je drei Knospen umschließen, dazwischen große Perlen. Das Besatzfleuronné f. 8r besteht seitlich aus Perlenreihen sowie stellenweise aus Knospenwiegen und spiralig eingerollten Endfäden; darauf aufsitzend korkenzieherförmige Fibrillen (auch in der Gegenfarbe). Links am Initialschaft zwei kleine Perlpyramiden sowie eine schraffierte Frucht, aus denen je ein kurzer, einen Bogen beschreibender Faden wächst. Eine weitere Frucht sitzt unten am Leistenausläufer.

Das Besatzfleuronné oberhalb der Initiale ebenso aufgebaut, zusätzlich links oben durch ein mit Knospen gefülltes Medaillon erweitert, von welchem eine Begleitlinie in die Höhe ragt, in einem schlanken Bogen wieder nach unten führt und in einer Fibrille endet. In der so gebildeten Schlaufe ein kurzer blauer Faden mit Kettenmotiv. Fol. 1r das Besatzfleuronné sehr reduziert, aber formal übereinstimmend.

Die Fleuronné-Leiste auf f. 8r aufgebaut auf einer mittigen blauen Linie, welche sich vertikal aus der Initiale entwickelt, horizontal hingegen direkt an diese anschließt. Seitlich der blauen Linie verläuft je eine rote Begleitlinie, die sich zum Seitenrand hin in Bogenform verbreitert und durch einen blauen Ausläufer mit Kettenmotiv erweitert wird (das Ende der Ausläufer aufgrund der Seitenbeschneidung nicht sichtbar). Auf den roten Begleitlinien die vollfarbigen Besatzmotive, alternierend rot-blau, vertikal in Keilform mit leicht gezahnter Kontur, horizontal in Form von Kreissegmenten. Diese bilden an den Enden, welche in Richtung Initiale schauen, leicht bogenförmige, zum Teil in Häkchen endende Fadenausläufer mit punktförmigen oder blattartigen Verdickungen aus. Zwischen den einzelnen Besatzmotiven sitzen außerdem korkenzieherförmige Fibrillen, die von der roten Begleitlinie darunter ausgehen. Diese Fibrillen verbinden sich bei der vertikalen Leiste mit den Enden der Keile, die von der Initiale wegweisen bzw. bei der horizontalen Leiste mit den Fadenausläufern der Kreissegmente, so dass dort palmettenartige Formen entstehen, die ihre formale Entsprechung im Binnenfeld finden.

STIL UND EINORDNUNG

Cod. 382 ist derselben in Frankreich entstandenen Gruppe zuzurechnen wie Cod. 302, 396 sowie 446, 447, 448 und 449 der OÖLB und fügt sich somit nahtlos in die bei Susanne Rischpler gebrachte Beispielkette ein (s. Beschreibung von Cod. 446–449, ‚Stil und Einordnung‘, Fleuronné); s. auch die Beschreibung von Cod. 302 (Anna Reisenbichler), ‚Stil und Einordnung‘. Generell ist das Fleuronné von Cod. 382 allerdings sorgfältiger gezeichnet und variationsreicher als jenes in Cod. 302 und 396; die Motive der Perlenpyramiden, der schraffierten Früchte sowie des auf der Initiale aufsitzenden Medaillons finden sich nur in Cod. 382, f. 8r, nicht aber in Cod. 302 und 396. Als Vergleichsbeispiel für die Verwendung von schraffierten Früchten und Perlpyramiden als Besatzmotive sei z. B.die Initiale auf f. 8r in Schlägl, StiB, Cod. 22 (Cpl 21) genannt, einer in Paris des 14. Jahrhunderts entstandenen Handschrift (vgl. K. Holter, Buchkunst in den alten Klöstern des Machlandes und Mühlviertels, in: Ders., Buchkunst – Handschriften – Bibliotheken, Beiträge zur mitteleuropäischen Buchkultur vom Frühmittelalter bis zur Renaissance (hg. G. Heilingsetzer und W. Stelzer). 2 Bde. Linz 1996, Bd. 2, 1092); auch die Fleuronné-Leiste ist hier sehr ähnlich.

Terminus ante quem für die Entstehung der Handschrift ist 1331, da Cod. 382 zu der in diesem Jahr getätigten Bücherschenkung des Abtes Otto an das Stift Garsten gehörte (s. ‚Entstehung und Provenienz‘).

LITERATUR

Siehe die Liste oberhalb der Beschreibung

Beschreibung von Anna Reisenbichler, Erstversion, 30. 5. 2018
 


[1] Zu den Garstener Provenienzmerkmalen s. K. HRANITZKY, M. SCHULLER-JUCKES und S. RISCHPLER (unter Mitarbeit von A. REISENBICHLER), Die illuminierten Handschriften, Inkunabeln und Frühdrucke der Oberösterreichischen Landesbibliothek in Linz. Handschriften und frühe Drucke 1440–1540, Teil 1: Österreich, Passau, Italien (Veröffentlichungen zum Schrift- und Buchwesen des Mittelalters [hg. W. POHL], Reihe V: Die illuminierten Handschriften und Inkunabeln außerhalb der Österreichischen Nationalbibliothek [hg. M. V. SCHWARZ] 6/1 = Österreichische Akademie der Wissenschaften, Philosophisch-Historische Klasse, Denkschriften 500). Text- und Tafelbd. Wien 2018 (online verfügbar), Einleitung, Zu den Provenienzen, Garsten.

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.