Full text: Die Schlacht bei Tannenberg

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Die Abendmeldungen des AOK. an die Oberste Heeres 
leitung am 29. August hatten mit einem baldigen Abschluß 
der Schlacht gerechnet. Da trat ganz unvermutet am 30. 
eine Krise ein. Der Rüste raffte stch aus seiner Bestürzung 
auf und versuchte von außen her, seinen eingeschlossenen 
Kameraden Hilfe zu bringen. Aber alle seine Versuche, bei 
Neidenburg sowohl wie bei Ortelsburg, scheiterten an den 
besonnenen Gegenmaßnahmen der Führer und dem Helden 
mut ihrer Truppen. 
Was für ein stolzes Gefühl muß es gewesen sein, als 
deutscher Flieger über dem Schlachtfeld von Tannenberg 
zu schweben und aus der Vogelschau die gewaltigen Ereig 
nisse stch zu seinen Füßen abrollen zu sehen. Wie aber muß 
das Herz gepocht und gebangt haben, ob das Werk gelang, 
wenn man, wie die Besatzung des Flugzeuges von Winckler 
der Feldflieger-Abteilung 14 das Steuer am 29. August 
nach Süden lenkte und von Mlawa her lange russische 
Kolonnen nach Nordosten marschieren sah. Nur schleunigst 
kehrt! Nur heimwärts, die wichtige Meldung rechtzeitig 
zurückbringen. Da aber stndet man kopfschüttelnde, un 
gläubige Gesichter: „Saht ihr auch nicht Gespenster? Irrtet 
ihr euch nicht in der Marschrichtung?" Eins wird jedenfalls 
erreicht: es wird verstärkte Luftaufklärung nach Süden 
angeordnet. 
Ein Abendstug des Leutnants Körner bringt die Bestäti 
gung: die vordersten Truppen sind nur noch 15 Icm von der 
deutschen Grenze entfernt! General von Francois, der Kom 
mandierende General des I. Armeekorps, der in Neidenburg 
befehligt, ist der Letzte, der die Nerven verliert. Er trifft 
allen nur denkbaren Schutz für die Nacht und freut stch im 
übrigen über alle die guten Meldungen, die von seinen Di-
	        
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