Full text: Die Schlacht bei Tannenberg

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Ohne es zu ahnen, haben die tapferen Quartaner die 
uralten Regeln des Kampfes befolgt: den Feind durch ge 
schickte Umklammerung zu lähmen, zu zersplittern, um ihn 
dann endgültig zu vernichten. Denn dies ist Zweck und 
Sinn jedes Kampfes, jedes Krieges und jeder Schlacht: den 
Feind endgültig aufs Haupt zu schlagen. Ein Führer, der 
nicht aufs Ganze geht, mit dem Sieg nicht die vollkommene 
Niederwerfung des Gegners verbindet, betrügt sich selbst, 
seine Soldaten und sein Vaterland um den nachhaltigen 
Erfolg. Bald genug wird er aufs neue gezwungen sein, sich 
gegen den erholten Widersacher, der die Schlappe wett 
machen will, zu wehren. 
Freilich, so einfach ist das nicht, einen kampfesstarken 
und kampfesstolzen Feind vernichtend zu schlagen. Von vorn 
allein geht es nicht. Die abstoßende Kraft der modernen 
Kriegswaffen macht den größten Heldenmut zuschanden. 
Mit Tapferkeit muß List sich paaren. Frontangriff und 
Umklammerung von den Seiten, wenn möglich verbunden 
mit Rückenangriff, wie die schlauen Quartaner, — so gehk's, 
so wird es ein vollendeter Sieg. 
Große Feldherren haben dies von jeher gewußt und 
ihrem Kriegsplan zugrunde gelegt. In der Mehrzahl der 
Fälle machte ihnen aber ein aufmerksamer Gegner, der den 
Kopf rechtzeitig aus der Schlinge zog, einen Strich durch die 
Rechnung. Nur zwei Kampfstätten ragten bis zum Welt 
kriege ans dem Dunkel der Geschichte hervor, auf denen 
durch Umklammerung des Gegners eine Vernichtungsschlacht 
geschlagen wurde: Cannä, wo der Karthager Hannibal den 
Römer Terentius Varro, und Sedan, wo Moltke den drit 
ten Napoleon überwand. Ihnen zur Seite ist im Welt 
kriege Tannenberg getreten, viel gewaltiger, viel eindrucks 
voller noch, als jene Siege im grauen Altertum und in den 
Tagen unserer Väter und Großväter. Denn eine Minder-
	        
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