Full text: Jahresbericht des Akademischen Görres-Vereins München und des Akademischen Leo-Vereins Innsbruck für das Jahr 1906/7 (1906/7)

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Mit diesem Vortragszyklus hatte das Wintersemester einen 
wirkungsvollen Abschluß gefunden. 
* 
Das Sommer Semester nahm mit der schönen Zahl von 24 Mit 
gliedern seinen Anfang. Der Vorstand wurde wie folgt bestellt: 
Präsident: Anton H i g i, arch. 
Vizepräsident: Josef Kaufmann, iur. 
Aktuar: Eduard K o r r o d i, phil. 
In die Aufsichtskommission wurden gewählt aus den Ehren 
mitgliedern Herr Dr. Pestalozzi-Pfyffer und Herr 
Dr. N'üscheler und aus der Aktivltas Karl S p e c k e r, iur. 
Als Archivar amtete Paul C a 11 a n i, med. 
Trotz der kurz bemessenen Zeit eines Sommersemesters 
stiegen nicht weniger als neun Vorträge. In einer der ersten 
Sitzungen sprach unser verehrtes Ehrenmitglied Herr Ingenieur 
Büeler - de Florin über ,,D ie neuesten Ergebnisse 
in der Nutzbarmachung des L u f t s t i c k s t o f f e s“, 
eine Materie, die trotz ihrer scheinbaren Sprödigkeit vom Vor 
tragenden zu einem äußerst wirkungsvollen und fesselnden Bilde 
verarbeitet wurde. Weit hinweg von den geheimen Kräften der 
chemischen Retorten und Tiegel führte uns H. Herrn Federers 
geistvolle Gauserie: „I tälienische Reisemomente“. Es 
waren prächtige Aufnahmen von Florenz, Assisi und den Sabiner 
bergen, in der anmutigen Hülle zarter, duftiger Novellen und 
Märchen, die mit geheimnisvoller Kraft in uns die alte Mignon 
sehnsucht nach dem Lande der großen Renaissance aufleben ließen 
Wie gewohnt, veranstaltete die „Renaissance“ auch dieses 
Semester einen öffentlichen Gesellschaftsabend, zu dem sich ein 
auserlesener Kreis von Ehrenmitgliedern und Gästen einfand. Den 
Glanzpunkt des Abends bildete der fein durchgedachte Vortrag 
von Herrn Universitätsprofessor Dr. Gustav Schnürer über 
„Die historischen Grundlagen der abendländi 
schen Kultu r“. *) Es war eine meisterhafte Darstellung des 
welthistorischen Prozesses, der romanisches und germanisches 
Wesen zu jenem einheitlichen Kulturbilde verschmolz, das noch 
heute unser ganzes modernes Leben beherrscht. Den hochver 
dienten Lehrer an der Universität Freiburg i. Ü., der uns auch 
sonst immer ein liebenswürdiger Berater und Gönner gewesen, 
versichern wir hier nochmals unseres herzlichsten Dankes. Zu 
besonderer Ehre gereichte es uns, an diesem Abend auch Msgr. 
J acquet, Titularerzbischof von Salamis, in unserer Mitte be 
grüßen zu können. In einer kurzen aber gewählten französischen 
*) Erschienen in erweiteter Gestalt in den historisch-politischen 
Blättern, Band 137 (1906) Heft 11 und 12.
	        
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