Full text: Die Zweierschützen im Weltkrieg 1914 - 1918 2. Heft (2. Heft / 1931)

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Ein in der Nacht zum 12. Juni beabsichtigtes Unternehmen des Zuges Leutnant Künschner gegen die 
Osteria Campiello scheiterte an den auf dem eigenen Berghang angetroffenen feindlichen Kräften, die ihn 
zum Zurückgehen zwangen, wobei er 2 Mann (Telephonisten) verlor. 
Starkes feindliches Artilleriefeuer zog besonders das Bataillon Kawinek in der Reservestellung in 
Mitleidenschaft und erzielte am Pfingstmontag 1 Toten, 4 schwer und 3 leicht Verwundete. Der Tote war 
Leutnant Hermann Wagner, dessen sonnig heiteres Wesen ein Herzschuß plötzlich verlöschte. 
Durch die bisher fast täglich eingebrachten Kriegsgefangenen wurde dem Regimente bekannt, daß die 
italienische Brigade Udine mit dem 95. und 96. Infanterieregiment auf dem Mt. Pan gegenüberstand. 
Der Effekt eines um 3 Uhr früh des 13. Juni ausgeführten feindlichen Artillerie- und Jnfanterie- 
feuerüberfalles auf den linken Flügel des Regimentes und den angeschlossenen rechten Flügel des Infanterie 
regiments Nr. 29 war ein Leichtverwundeter und ein totes Tragtier. 
Kühnes Anschleichen zweier aus Freiwilligen zusammengesetzter Patrouillen unter Leutnant Schneider 
und Fähnrich Dangl, die 24 beziehungsweise 20 Stunden am feindlichen Hange streiften, brachte Genaueres 
über die feindlichen Stellungen in Erfahrung, mußte aber mit 5 schwer und 4 leicht Verwundeten bezahlt 
werden. 
Das eigene I. Korps bereitete sich zum Angriff vor. 
Am 14. Juni vormittags kam der Brigadier, Oberst Majewski, zum Regimentskommando, kündigte 
den Angriff der 34. Jnfanterietruppendivision und des Regiments auf den Mt. Pan an und teilte den 
Inhalt des schriftlichen Befehles mit, der bald darauf einlangte. Um. das einheitliche Zusammenwirken zu 
sichern, wurde der Angriff mit den zusammengerufenen Bataillonskommandanten genau besprochen und 
man sah sich schon der italienischen Tiefebene nahe. 
Der Angriff sollte nach entsprechender Artilleriewirkung, die am 15. Juni um 6 Uhr 45 Minuten 
früh zu beginnen hatte, um 8 Uhr vormittags einsetzen. Zum Angriff war dem Obersten Unger wieder 
die Verfügung über sein 3. Bataillon eingeräumt worden und außerdem das 2. Bataillon des Landwehr 
infanterieregiments Nr. 27, sowie die r j 2 1/19 Gebirgskanonenbatterie unterstellt worden. Der Ausbau 
der Telephonverbindungen sollte die Möglichkeit gewähren, das Artilleriefeuer auf Grund der Beobachtungen 
zu beeinflussen. 
Für die Durchführung des Angriffes war unter anderem vom Obersten Unger befohlen worden: 
,.Bataillon Damaschka, Direktion mit dem rechten Flügel die Höhe Kote 1420 des Mte. Pau, Beginn der 
Vorwärtsbewegung sobald das linksangeschlossene Infanterieregiment Nr. 29 am Straßenpunkt Kote 975 
vorbeikommt, an das 1. Bataillon rechts anschließend das Bataillon Weiß und sobald der rechte Flügel 
dieses die Straße im Val Canaglia überschreitet, schließt sich das 2. Bataillon des Landwehrinfanterie 
regiments Nr. 27 an." 
Das Bataillon Kawinek in die bisherige Stellung des 1. und 2. Bataillons vorgezogen, hatte die 
Aufgabe, mit sämtlichen Maschinengewehren und den Infanteriegeschützen des Regiments aus dieser Stellung 
durch einen Feuerüberfall im geeigneten Zeitpunkt, etwa nach der Verlegung des eigenen Artilleriefeuers 
auf die rückwärtigen feindlichen Linien und nach Beginn der Vorrückung der Feuerlinie des Regiments, 
den Angriff zu unterstützen. 
Die 7 2 Kanonenbatterie hatte gegen Kote 1239 und Kote 1420 Mt. Pau zu wirken. Die Gruppierung 
wurde im Laufe der Nacht durchgeführt. 
Eine böse Ahnung hatte dem Fähnrich Alfred Grohmann die ganze Nacht keine Ruhe gegönnt. 
Fiebernd, erbat er sich am Morgen vom Arzte Antipyrin, war aber nicht zu bewegen, seinen Platz zu 
verlassen. Er hat dadurch, wie schon einmal als Hilfeleistender bei der Lawinenkatastrophe, das Heldentum, 
das er so oft besungen, zur eigenen Tat gemacht. 
Der 15, Juni war, nachdem sich der Frühnebel verzogen hatte, ein sonnenklarer Tag, ohne Wölkchen 
am südlichen Himmel. Erst als das Wirkungsschießen der eigenen Artillerie, das eine viertelstündige Ver 
schiebung erfahren, begann, bildeten sich in den beschossenen Abschnitten düstere Pulver- und Staubwolken 
wände, die das Frühjahrsbild trübten. Ein mörderisches Trommelfeuer aus allen Kalibern hatte um 7 Uhr
	        

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