Full text: Die Zweierschützen im Weltkrieg 1914 - 1918 2. Heft (2. Heft / 1931)

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fährdesten unserer Stellung, da der Feind von der 
Vrata unschwer auf die Rückfallskuppe und von hier 
ohne natürliches Hindernis gu den Stellungen nieder 
steigen kann. Ein besonders starker Ausbau der Stel- 
lung war also notwendig. 
Der Kommandant des Abschnittes, Oberleutnant 
Arnreiter, hat den Abschnitt in drei Reviere geteilt. 
Von seiner Hütte aus gelangt man steil aufsteigend 
zu einem Laufgraben, der durch ein Latschenfeld zum 
Revier 3 führt. Dieses lehnt sich mit den: linken 
Flügel an den Adlerhorst an und hält mit den auf 
demselben aufgestellten Posten Verbindung. Die Dek- 
kungen des Revieres find aus Sandsäcken hoch aufge 
baut und derart angelegt, daß die einzelnen Abschnitte 
einander flankieren. Ein Drahtverhau aus fpanischen 
Reitern sichert den Abschnitt. Im Latschenfelde davor 
liegen Fallschlingen. 
Der Laufgraben führt hinter den Deckungen des 
Reviers entlang zum Revier 2. Dieses beginnt jenseits 
des Lawinengrabens mit einem großen Rondell, das 
nach drei Seiten Ausschuß gewährt. An dieses schließen 
sich kleinere Deckungen an. Wieder den Graben be 
nützend, der an vielen Stellen eingedeckt ist, erreichen 
wir das Revier 1, den höchstgelegenen Teil der Stel 
lung. Die Felsmauern, welche die Deckungen dieses 
Reviers tragen, steigen senkrecht aus einem Schnee- 
felde empor. Wieder springt ein mächtiges Rondell 
hervor und ermöglicht eine Flankierung nach beiden 
Seiten. Vom Schneefelde führt eine tiefe Schlucht 
zwischen der Kanonenhöhe und den Stellungen des 
Reviers 1 durch. Hier könnte dem Feind ein Durch 
bruch gelingen, daher liegt auf jeder Seite der 
Schlucht ein Blockhaus, dessen Schießscharten die Be 
streichung der Schlucht ermöglichen. 
Knapp vor den Kampfdeckungen läuft der ganzen 
Front entlang ein Verhau von spanischen Reitern. 
Etwa 50 Schritte davor wurde ein hohes, dreireihiges 
Drahtverhau angelegt. Tretminen sichern das Vor 
terrain. Hinter jedem Revier liegt gedeckt ein großes 
Blockhaus für die Mannschaft und eine kleine Deckung 
für die Zugskommandanten. Hinter der Felswand, 
welche die Hütte des Kompagniekommandanten deckt, 
bergen sich auch zwei große Reservebaracken und ein 
Berpflegsdepot. Tiefer unten liegt am Westabhang der 
Kanonenhöhe die Küche und der Kompagniehilfsplatz. 
Der Winter mit seinen Lawinenstürzen zwang 
dazu, den größten Teil dieser Stellung aufzugeben. 
Nur das Revier 1, das sich an die Kanonenhöhe an 
lehnt, wird gehalten und dort Flankierungsanlagen 
ausgebaut, so daß durch diesen Stützpunkt und die 
flankierenden Basteien, dem Feinde auch im Winter 
der Weg gesperrt ist. 
Vom Adlerhorst zum Velki LemeL. 
Am rechten Flügel der 5. Kompagnie sperrt die am 
weitesten vorgeschobene Bastei unserer Stellung, der 
A d l e r h o r st, den Talgrund ab. Von ihm aus über 
blickt man tief unten die Stellungen der 5. Kompagnie. 
Das Terrain bietet ein eigenartiges Bild. Man glanbt 
ein wogendes Meer zu sehen, dessen Wellen in Schaum 
kronen aufschlagen, fühlt sich selber von der mächtig 
sten Welle emporgehoben und gegen die Felswand 
der Vrata geworfen — und in diesem Augenblicke 
erstarrt das Meer zu Stein. Die Wogentürme werden 
zu Felsblöcken, die abfließenden Täler zu Schutt- und 
Schneegerinnsel und die Woge, die uns trägt, wird 
zur steilen Klippe, die sich mit einen: Gewirr durch- 
einand gewürfelter Felsen an die Vrata anlehnt. Ein 
wildzerrissener Fels, -einer Ruine ähnlich, springt über 
den Rand der Kuppe empor, dahinter steigt die Steil 
wand der Vrata auf, der ein breiter Rücken vorge 
lagert ist. Von ihm aus könnten feindliche Patrouillen 
auf den Adlerhorst gelangen und von dort unsere 
ganze:: Stellungen mit Feuer überschütten. Daher die 
starke Befestigung des Adlerhorstes, der nicht nur ein 
notwendiger Sicherungsposten, sondern auch eine wirk 
same flankierende Anlage ist, welche sowohl nach der 
6. Kompagnie als auch nach der Tiefenstellung der 
5. Kompagnie, und dem Potoeesattel auswirken kann. 
Die Befestigungsanlagen säumen die Kuppe derart, 
daß die Schießscharten der Deckungen nach rechts und 
links talwärts gerichtet sind. Um die Deckungen läuft 
ein Drahtverhau, durch das ein Weg zu einer weit 
vorgeschobenen Feldwache führt. Die Feldwache birgt 
sich hinter einem Felsblock und ist gegen einen Über 
fall auch im Rücken durch Drahtverhaue geschützt. 
Hinter dieser flankierenden Stellung ist noch eine 
zweite, als Winterstellung gedachte Kampflinie aus 
gebaut. Sie überquert die Kuppe, zwei Felsblöcke als 
Stützpunkte benützend. Die Sommerstellung ist Winters 
über nur durch 3 Posten besetzt. 
Die Kuppe wird besetzt durch eine Offiziersfeld 
wache, welche alle 24 Stunden abgelöst wird. Sie be 
steht aus dem Kon:mandauten, einem Schwarm, einer 
Telephonpatrouille und zwei Blesfierlenträgern. Die 
Deckung für diese Besatzung liegt 20 Schritt hinter der 
Feuerlinie, durch Felsen gegen Sicht geschützt. Eine 
große Holzbaracke gibt Raum für 20 Mann, daneben 
liegt die Hütte der Telephonpatrouille. Die Hütten, 
die vom Vrsie her eingesehen sind, umschließt rechts 
und vorne eine Mauer, die rechts eine Stärke von 
3 Meter hat, also gegen die kleinen Gebirgsgeschütze 
absolute Sicherheit bietet. 
Am Fuße des Adlerhorstes beginnen die Stellungen 
des 1. Zuges, der mit seinem linken Flügel den 
zweiten Zug flankiert. Wuchtig aufstrebende Fels 
blöcke, als hätten sie Cyklopenhände von den Wänden 
der Vrata geschleudert, liegen rmrher, zwischen ihnen
	        

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