Full text: Die Zweierschützen im Weltkrieg 1914 - 1918 2. Heft (2. Heft / 1931)

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band geht ein grüner Schein, dann senkt sich die Leuchtkugel langsam nieder und gießt über den Potoöe 
grelles Licht. Dann wieder flammt eine Leuchtkugel im Steingewirr, am Kamm der Vrata, am Abhang 
des Vrsiö auf. Wie riesige Sonnwendkäfer schwirren die Leuchtraketen durch die Lüfte und vergleißen 
irgendwo, weithin das Dunkel erhellend. Das Geknatter der Schüsse wird lauter. Plötzlich mengt sich in 
das Prasseln und Sausen ein Krachen. Dann ein Schwirren und Fauchen hoch in den Lüften — von der 
Vrata schießt feindliche Artillerie in die Tiefe. Aber keine Detonation folgt — Blindgänger! Aber als Ant 
wort dröhnt von unten ein dumpfes Grollen, nun heult es heran, faucht, kreischt, saust, ganz anders als 
die italienischen Granaten. Unsere schwere Artillerie schießt. Und nun ein Krachen, als berste die Erde, — 
hoch oben auf der Vrata schlägt eine Granate ein, eine zweite heult heran, kracht hinter dem Rücken nieder, — 
und das Kugelpfeifen verstummt. Wie das Heulen der Schakale aufhört, wenn der Löwe brüllt, ist das. Noch 
ein paar Schüsse, dann Ruhe. Von unten aber ruft eine helle Stimme: ,Habts leicht koane Patronen mehr?' 
Sie scheinen sich wirklich verschossen zu haben. Umsonst suchen die Leuchtraketen das Terrain ab, 
nichts rührt sich mehr. Das Telephon geht: ,Hallo, Station A. Hallo, hier Station B. Welchen Erfolg 
hat der Feuerüberfall gehabt? Hier keinen. Hier keinen. Hier einen Leichtverwundeten, Fleischschuß .' 
Ein Leichtverwundeter auf der ganzen Front — und darum der Lärm? Der Korporal hat Recht: ,Ein 
blöder Feuerüberfall!' 
Ruhig liegt wieder das erhabeneBild vor mir: Der mächtige Grintouz, die stolze Felsenburg des Rombon, 
das weiße Märchenschloß des Prisang. Tief unter uns schlummert das Land unserer Sehnsucht, das Land des 
Friedens, seiner herrlichen Zukunft entgegen und über den stolzen Alpenhängen steht feierlich das leuchtende 
Siebengestirn." 
Trägerkolonne, Bretter in die Höhenstellung tragend. 
Auf einmal machten sich die herbstlichen ungünstigen Witterungsverhältnisse in einem auffallend großen 
Marodenstand erschreckend bemerkbar. Sie zwangen zu sofortigen Vorkehrungen und dringend zur Verbes 
serung der Unterkünfte, die bis jetzt zumeist nur aus Zelten bestanden. 
Es wurde mit einer Bautätigkeit begonnen, ermöglicht durch die von der 44. Landwehr-Jnfanterie- 
truppendivision, unter Fmlt. Nemeczek bewilligten, vom Regimente angeforderten Baumaterialien, Werkzeuge 
und Sprengmittel und durch allmähliche Beistellung der Verstärkung der eigenen, dem Kampfstand ent 
nommenen Arbeitskräfte mit Landsturmarbeiterabteilungen, so daß bald jeder Mann sein schützend Dach 
hatte und keiner mehr weg wollte.
	        

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