Full text: Die Zweierschützen im Weltkrieg 1914 - 1918 2. Heft (2. Heft / 1931)

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Die beiden Seiten unserer Regimentsfahne aus weißer Seide in Gold und Farben reich gestickt. 
Erhöhte Zuversicht brachte die Nachricht von dem am 6. September abgeschlossenen Bündnis Bul 
gariens mit den Mittelmächten, durch das nun der Vierbund entstanden war, nachdem schon seit 19. Oktober 
1914 die Türkei auf der Seite der Mittelmächte kämpfte. 
Von dem am 16. September eingetrofsenen 13. Marschbataillon, Major Oskar Damaschka, mit 
17 Offizieren und 855 Mann, kam die Marschkompagnie, Hauptmann Wenzel Mazurek, in den Abschnitt 
des Landwehrinfanterieregiments Nr. 21, dem auch die 9. Kompagnie, Oberleutnant Perner, am Lipnik 
unterstellt war. 
In diesen Tagen gedachte Generalmajor Gößmann abermals eines Helden der Zweier in der 
Karni sch- Julis chen Kriegs zeitung; er schrieb: 
„Antiker Heldenmut. 
Mit Bewunderung und Ehrfurcht lesen wir im ersten Buche Livius die Tat des Mutius Scävola, 
der zum augenfälligen Beweise seiner Tapferkeit seinen Arm über dem Flammenbecken verkohlen ließ. 
Wahrlich — ehrlicher, begründeter Stolz kann uns erfüllen, daß Männer, die es sagenhaftem, über 
liefertem Heroismus gleichtun, unter den schwarz-gelben Fahnen kämpfen. 
Erst wenn man die Psyche unserer Kämpfer in der Schwarmlinie kennt, wenn man die täglich sich 
ereignenden Beispiele glanzvollsten Opfermutes selbst miterlebt hat, erst dann ist es zu fassen, warum die 
beiden in Not und Tod verbündeten Reiche auch eine ganze Welt von Feinden auf die Knie zu zwingen 
vermögen. 
Schweres feindliches Artilleriedauerfeuer aus 149- und 210-Millimeter-Geschützen lastete seit langem 
auf unserer Stellung. Unaufhörlich zerbarsten die feindlichen Bomben unter gewaltigem Donner, von dem 
Hochgebirgsecho hundertfach verstärkt, in unseren Stellungen. Aber die kerngesunden Nerven unserer tapferen 
oberösterreichischen Landwehr erschütterte auch dieses Feuer nicht. 
Bor Wochen erst hatten sie am Allerhöchsten Geburtsfeste unseres greisen obersten Kriegsherrn, jeder 
hinter seiner Felsdeckung das Gewehr schußbereit, ganz innerlich mit ihrem Kaiser schlichte Zwiesprache 
gehalten und Soldatentreue gelobt. Treue bis in den Tod. 
Immer näher den Deckungen kamen die feindlichen Granaten und — endlich ein Volltreffer in der 
eigenen Deckung. Acht Meter hoch wirbelte die schwarzbraune Wolke. Und schon regte sichs im Nachbar 
unterstand, um den verschütteten Kameraden Hilfe zu bringen. Und gleich lief das Rettungssignal ,Sani 
tät' die Unterstände entlang.
	        

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