Volltext: Österreichs Paddelsport 1959 (1959)

Sicht, der Bogenberg, mit einer Wall¬ 
fahrtskirche. Wir hatten vor, bei der 
Talfahrt hinaufzugehen. Am Nachmit¬ 
tag erreichten wir Straubing und dies 
zur rechten Zeit, denn es fing gerade 
an zu regnen. 
Kilometerlang kein Dorf, 
kein Haus 
Mittwoch, der 10. Juni. An diesem Tag 
hatten wir starken Westwind (Gegen¬ 
wind) und dazu die vielen endlosen 
Kurven. Kein Haus in der Nähe zu 
sehen, die Dörfer weit weg. Wir hatten 
vor, 30 km zu fahren, doch als es so 
weit war, gab es kein Haus. Den gan¬ 
zen Tag sahen wir keinen Menschen. 
Endlich kam ein Dorf, aber es war zu 
weit vom Ufer weg und es gab auch 
keine Möglichkeit zum Zelten. Ich ging 
in das Dorf und erkundigte mich, wie 
weit es bis zum nächsten Ort sei. Noch 
zehn Kilometer. Also auf und noch 
zehn Kilometer fahren. Spät abends 
kamen wir in Frenghofen an. 
Nun waren wir schon eine Woche 
unterwegs und herrlich ausgeruht ging 
die Fahrt am Donnerstag weiter. Um 
zwölf Uhr erreichten wir Donaustauf, 
einen lieblichen Ort, ringsherum bewal¬ 
dete Hügel mit einer Ruine. Wir ließen 
das Boot in einem Seitenarm versteckt 
stehen und wanderten hinauf zur Wal¬ 
halla. Eine herrliche Rundschau. Wir 
sahen das silberne Band der Donau 
und vor uns Regensburg, unser Tages¬ 
ziel. In die Walhalla hinein konnten 
wir nicht, da gerade Mittagszeit war. 
So mußten wir wieder absteigen und 
setzten nach der Mittagsrast unsere 
Fahrt fort. 
Regensburg macht seinem 
Namen Ehre 
Das Wetter wurde immer schlechter. 
Finstere Wolken verdüsterten den 
Himmel und dann ging ein arges Ge¬ 
witter über uns los. Wir paddelten 
so schnell es eben in unseren Kräften 
stand, um vor dem nächsten Wolken¬ 
bruch Schutz zu finden. Doch wir fan¬ 
den keinen Unterstand und so fuhren 
wir weiter, Regensburg zu. Es war 
gerade kein schöner Empfang, den uns 
diese Stadt bereitete. Bei strömenden 
Regen fuhren wir in einen Seitenarm 
ein um uns vorher einmal umzusehen, 
wie wir nun zum Ruderklubheim ge¬ 
langen konnten, denn das wurde jetzt 
eine kritische Angelegenheit. In der 
Donau konnten wir nicht fahren, denn 
die bekannte Steinerne-Brücke war für 
uns nicht fahrbar. In dem Seitenarm 
aber konnte man nicht übertragen, da 
gerade gearbeitet wurde. Im Vorjahr 
hatte ich hier übertragen. So mußten 
wir wieder zurück und im nächsten 
Seitenwasser hinauffahren. Hier aber 
hatte das Wasser starkes Gefälle und 
so mußten unsere Kräfte herhalten, 
damit wir dieses lange Stück hinauf¬ 
kamen. Das Bootshaus war aber auf 
der anderen Seite in der Donau, wir 
mußten sozusagen eine Insel umfahren. 
Als wir eine Verschnaufpause machten 
und uns am Ufer festhielten, riefen uns 
die Leute zu, nicht mehr weiter hinauf- 
zu fahren, denn oben sei ein schmales 
Wehr durch das das Wasser schießt 
und so hohe Wirbel erzeugt, daß wir 
unmöglich durch könnten. Das auch 
noch! Ich stieg nun aus, es regnete 
immer noch, und erkundigte mich ein¬ 
gehend. Von Wasserkundigen wurde 
mir versichert, wir könnten ohne- 
weiters durch dieses Wehr, den es hänge 
ganz vom Wasserstand ab, ob es fahr¬ 
bar ist. Bei Niederwasser ist es mög¬ 
lich, bei Hochwasser nicht. Also fuhren 
wir los. Die Stömung war ziemlich 
stark, aber wir kamen durch und ein 
Stück stromab war das Heim vom 
Regensburger-Ruderklub. Hier fanden 
wir wirklich nette Aufnahme unter 
Sportfreunden. Ein Sportler stellte uns 
sofort sein schönes große Zelt zur Ver¬ 
fügung als er unser kleines sah und 
besorgte uns von anderen Kameraden 
Luftmatratzen und Decken. Wir mach¬ 
ten es uns nun gemütlich. Hier wurden 
wir bestaunt über unsere Leistung und 
sehr herzlich in ihren Kreis aufgenom¬ 
men. 
Obwohl wir gutes Schlafzeug hatten 
und alles Vorhandene angezogen hatten, 
froren wir die ganze Nacht ganz er¬ 
bärmlich. Wir zogen es daher vor, uns 
einmal einen Tag gründlich auszu¬ 
rasten. Wir verbrachten den Tag sehr 
nett in Regensburg. 
Felsen und Strömung 
Nun begann die nächste Etappe. Auf 
dieser Flußstrecke würde uns kein 
Dampfer stören, so sahen wir der wei¬ 
teren Fahrt frohgemut entgegen. 
Schönes Wetter hatten wir nicht als 
wir von Regensburg abfuhren. Berge 
teils mit Felsen und Felstürmen säum¬ 
ten die Ufer. Doch es war ein anderes 
Landschaftsbild als an der bisherigen 
Strecke. Die Strömung war stark. Erst 
gegen Abend hörte es zu regnen auf 
und um halb acht erreichten wir Kel- 
heim, 33 Kilometer hatten wir gepad- 
delt, wir waren also rechtschaffen 
müde. 
Sonntag, 14. Juni, war ein schöner 
Sonntagmorgen. Wir machten einen 
Spaziergang zur Befreiungshalle hinauf. 
Wieder bot sich uns ein herrlicher 
Rundblick und das Bauwerk fesselte 
uns ganz gewaltig. Voll Ehrfurcht stan¬ 
den wir im Inneren und konnten uns 
nicht sattsehen. 
Ist der Donaudurchbruch 
befahrbar? 
Tief beeindruckt wanderten wir tal¬ 
wärts und nun begann die Fahrt durch 
ein Stück Landschaft, das in seiner Art 
einmalig ist, den Donaudurchbruch. 
Bevor wir diese Fahrt antraten, hörten 
wir verschiedene Meinungen, die meine 
Frau in Aufregung versetzten. Es 
wurde uns sogar abgeraten, den Donau¬ 
durchbruch zu fahren, denn es sei un 
möglich hinauf zu kommen. Es wurde 
uns angeraten, unser Kajak von einem 
Schiff hinaufziehen zu lassen. Wir hör¬ 
ten uns noch so verschiedene Ge¬ 
spräche an und besprachen dann die 
ganze Angelegenheit mit Stromkundigen 
Diese teilten uns mit, daß wir ohne 
weiteres hinauf könnten, doch müßten 
wir auf die Schiffe achtgeben. Nun 
wußten wir um welche Zeit die 
Dampfer abfuhren und konnten uns 
die günstigste Zeit äusrechnen. 
So fuhren wir los. Bevor wir die Fel¬ 
sen erreichten, fuhren wir ans Ufer und 
ließen ein Schiff herunter und eines 
hinauf vorbeifahren. Nun kam das 
geschilderte gefährlichste Stück der 
ganzen Donau. Beiderseits reichten die 
hohen Felsen bis an den Strom. Wir 
sahen daran die Ringe, an denen sich 
Bootsbesatzungen stromauf ziehen 
können. Bei einem Schwall übersetzten 
wir auf die andere Seite. Ein Schiff 
kam jetzt talwärts aber es machte uns 
auf einer sicheren Sandbank nichts aus. 
Wir fuhren dann wieder einen Felsen 
entlang, um Klippen herum, da sahen 
wir schon das Kloster Weltenburg und 
somit war die ganze Gefahr und Auf¬ 
regung vorbei. Noch einen ziemlich 
langen Schwall hatten wir zu bewäl¬ 
tigen und dann vergönnten wir uns 
einen Rundblick. Es war einfach herr¬ 
lich und wir waren froh, dies geschafft 
zu haben. 
Bei hohem Wasserstand sieht die Sache 
natürlich wesentlich anders aus, wie 
wir bei der Rückfahrt erlebt haben. 
Dann ist die Warnung der Einhei¬ 
mischen am Platz. An diesen Stellen 
führt kein Weg vorbei und so mußten 
wir uns nach den Auskünften der Leute 
richten. Die Gefährlichkeit der Strecke 
wechselt sehr mit dem Wasserstand. 
Müssen wir kapitulieren ? 
Ein Stück oberhalb Weltenburg mach¬ 
ten wir Rast auf einer Gänsewiese und 
schauten vergnügt diesem Gewatschel 
und Geschnatter zu. Dann ging es 
wieder weiter. Doch dort wurde das 
Wasser immer stärker zu fahren. Man 
spürte deutlich, daß der Wasserstand 
stieg. Neunzehn Kilometer bis Neu¬ 
stadt war unsere Tagesleistung. Wir 
stellten unser Zell auf, denn der Ort 
ist ziemlich weit weg. Abends erkann¬ 
ten wir, daß das Wasser stieg und stieg. 
Und uns stiegen nun auch Bedenken 
auf. Hier konnten wir nicht bleiben, 
wir müssen zum nächsten Ort der an 
der Donau liegt. 
So fuhren wir am Montag wieder von 
Neustadt weg. Das Wasser stieg noch 
immer, und es war zum Hochwasser 
geworden. Braun wälzte sich die Was¬ 
sermasse auf uns zu. Wir versuchten 
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ÖSTERREICHS PADDELSPORT 11-12/1959
	        
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