116
zurückbringen; mit dem verwendungsfähigen Maschinengewehr und
nur drei Mann, die fünf Patronengurten mit sich trugen, unternahm
er einen Sprung nach vorne und erreichte kriechend einen Stein
riegel, der ihm willkommenen Ausblick auf die vorbeiziehenden ser
bischen Angriffswellen bot, die er vorerst nicht unter Feuer nahm.
Als aber die ihnen geschlossen folgenden Massen herangekom
men und nur mehr 100 bis 200 Schritte entfernt waren, da eröffnete
Glogovac mit dem Maschinengewehr, das er selbst bediente, über
fallsartig ein gutgezieltes Streufeuer auf alle sich bietenden Ziele,
vornehmlich in den Rücken der Schützenlinien. Von unbeschreib
licher Panik erfaßt, wandten sich die Serben augenblicklich zur
Flucht, auch solche Abteilungen mitreißend, die von der Feuergarbe
gar nicht bestrichen waren. Nicht ein einziger Schuß wurde zur Ab
wehr des Überfalls abgegeben; zurück drängte alles in überstürzter
Hast, zurück in die Niederung der Dragoviljska, wo man sich gedeckt
und geborgen fühlte.
Glogovac hatte erst drei Gurten (750 Patronen) verfeuert, als
kein Feind mehr im Schußfeld sichtbar war, außer Verwundeten und
Toten. Pioniere haben später über 400 serbische Leichname beerdigt.
Auf die vor einer halben Stunde von der Höhe Bukva verdrängten
eigenen Truppen übte der plötzliche Umschwung eine elektrisierende
Wirkung aus. Kampfzeugen berichten, daß im Augenblick, als das
wohlbekannte Knattern eigenen Maschinengewehrfeuers vernehm
bar war, alle Abteilungen sofort von frischem Angriffsgeist erfüllt
wurden, sich feindwärts wandten und die ursprüngliche Gefechts
front wiederherstellten. Und die Kanonenbatterie, deren Rohre schon
zur Sprengung vorbereitet waren, weil die Bespannung nicht heran
kommen konnte, nahm nun ihrerseits das Verfolgungsfeuer auf.
Das zweitemal in der Geschichte des Militär-Maria Theresien-
Ordens tritt die junge Maschinengewehrwaffe als Werkzeug einer
ordenswürdigen Tat in Erscheinung, wird in der Hand eines beherz
ten Offiziers zum entscheidenden Faktor in einer überaus kritischen
Gefechtslage und erweist eine bis zu diesem Zeitpunkt auf beiden
Seiten kaum für möglich gehaltene Überlegenheit im Kampf: auf
Feindesseite eine sechs Bataillone starke Division, auf der eigenen
nur ein Maschinengewehr 1 ).
0 Das serbische Generalstabswerk „Der große Krieg zur Befreiung und Ver
einigung der Serben, Kroaten und Slowenen", Belgrad 1925 (in serbischer
Sprache), schreibt im Band V, Seite 144 ff.: „Der um 7 Uhr begonnene Angriff
der Morava-Division II. Aufgebotes, bestehend aus je drei Bataillonen der IR. 6/1
und 1 /II, hatte zuerst einigen Erfolg, war aber bald zum Stehen gekommen. Von
kräftigem Maschinengewehrfeuer empfangen, erlitten unsere Truppen schon zu
Beginn des Gefechtes bedeutende Verluste; der Divisionär befahl daher das Ein
stellen des im mörderischen Maschinengewehrfeuer aussichtslosen Angriffes und
die Beschränkung auf die Festhaltung der Hauptverteidigungslinie."
Vgl. auch den Aufsatz von GM. Baron Lehar: „Nur ein Maschinengewehr",
in der „österreichischen Wehrzeitung", Folge 9, vom 2. März 1928.